Auf dem Pilgerweg: Wir sind dann mal weg...

Pilgern: Cordula und Dr. med. Ottmar Leidner mit ihrer Mischlingshundedame Emily...
Bad Klosterlausnitz: Pilger | Wir sind dann mal weg… Das sagen Cordula und Ottmar Leidner aus Bad Klosterlausnitz samt ihrer Mischlingshundedame Emily seit 2006 jedes Jahr einmal. Dann pilgern auf dem berühmten Jakobsweg, der sie – irgendwann – zum Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela führen wird.
Etappe für Etappe. Der Gedanke, gemeinsam auf Pilgerschaft zu gehen, „spukte“ bereits Anfang der 80er Jahre in ihren Köpfen umher. „Wenn wir mal in Rente sind…“.
Doch oft kommt alles anders als geplant. 2005 überraschten die Patenkinder der Leidners das Paar, indem sie dessen Silberhochzeit organisierten. Das fanden beide so toll, dass sie überlegten, wie sie ihnen ihren Dank auf besondere, nicht alltägliche Weise zeigen können. „Patenkinder sind für uns mehr, als zweimal im Jahr zum Geburtstag und Weihnachten etwas Geld rüberzureichen“.

Und so kam es, dass sie sie einluden, gemeinsam auf dem Jakobsweg zu wandern. „Die, die alt genug sind, natürlich Zeit haben und gerne diese besondere Erfahrung mit uns teilen möchten“, so Cordula Leidner. 12 sind es übrigens insgesamt. Von sieben bis 30 Jahre alt.
Einige mochten - und so wandern sie bereits seit sechs Jahren – mal zu sechst, mal zu viert plus vier Pfoten… Ottmar Leidner, Facharzt für Neurologie und heute Privatdozent an einer Gesundheitshochschule in Gera, schuf sich den Freiraum vor der Rente. Cordula Leidner, über die Kirche seelsorgerisch engagiert und in weiteren Ehrenämtern aktiv, fand dazwischen auch die „Lücken“. Pro Etappe jeweils eine Woche, die Tour Nr. 6 in diesem Jahr im August zwei Wochen am Stück.

Rund 290 km vom Thuner See in der Schweiz bis Chanaz in Frankreich. Zwei entbehrungsreiche, wundervolle Wochen. Sieben Kilo Gepäck pro „Mann“. „Das ist das Maximum. Jedes Gramm mehr tut weh…“, mahnt Cordula stets ihre Patenkinder. „Federn“ lässt der Ungeübte sowieso. Ein Strichmännchen in ihrem Pilgertagebuch zeigt mit Pfeil und Namenskürzel die jeweils lädierten Stellen der kleinen Pilgergruppe. „Mein kleiner Zeh war eine einzige Blase“ – wer also einen tollen Tipp hat, wie man das vermeiden kann – her damit…“.

Als Pilger mit vierbeinigem Freund ist es nicht immer leicht, eine Herberge zu finden. Daher ist ein Zelt immer mit auf Tour. Die Unterkünfte in den Herbergen sind unterschiedlichster Couleur – meist ganz schlicht. Mal Doppelstockbetten oder schon mal die Nacht im Stroh, in einer Box im Kuhstall - während Kuh „Lara“ auf der Alm steht…
Aber nach der täglichen Wanderung, wenn man jede Faser seines Körpers schmerzhaft spürt, ist das sowieso egal – da ist jedes Bett einfach himmlisch und lässt den Pilger selig einschlummern. „Jeder Tag klingt mit einem gemeinsamen Resümee bei einem Glas Wein aus. Ein wunderbares Gefühl. „Man verändert sich während des Pilgerns. Man ist ganz bei sich, sinniert. Nimmt viele Dinge anders wahr als bisher im Alltag. Damit ändert sich auch die innere Haltung. Und man begegnet unterwegs ganz unterschiedlichen Menschen, lernt ihre Geschichten kennen“, erzählt Ottmar Leidner.
Stolz zeigt seine Frau ihren Pilgerpass mit etlichen Stempeln. Es werden noch viele mehr werden. Immerhin sind es noch 1800 km bis zum Ziel. Viele Tage, an denen sie eins sind mit sich, Gott und der Natur. „Nur die Patenkinder, die uns auf den letzten Etappen nach Santiago de Compostela begleiten, werden es wohl nicht einfach haben. Doch wir hoffen, dass wir bis dahin fit bleiben sie uns nicht inklusive Rollator über die Pyrenäen bringen müssen“.
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