Auf den Spuren der Wildkatze

Die junge Biologin Stefanie Griebsch untersucht Wildkatzen-Präparate am Museum für Naturkunde Gera
Gera: Naturkundemuseum | Junge Biologin erforscht ihre Verbreitung in Thüringen und Unterscheidungsmerkmale zur Hauskatze

Gera. Konzentriert vermisst die junge Wissenschaftlerin Stefanie Griebsch vom Phyletischen Museum der Friedrich-Schiller-Uni in Jena verschiedene Schädelknochen von Wildkatzen, ermittelt deren Gehirnvolumina, notiert die Daten akribisch, fotografiert die Schädel aus allen Perspektiven und untersucht Bälge von Wildkatzen. Ihr Arbeitsplatz für wenige Tage ist das Naturkundemuseum Gera, das ihr diese Objekte der Wildkatzen aus seiner Sammlung zur Verfügung stellt.

Damit unterstützt es ein Forschungprojekt, dem sich die Bachelor-Studentin und ihr Jenaer Wissenschaftskollege Matthias Krüger derzeit widmen.
Es geht dabei um die Verbreitung der Wildkatze in Thüringen und vor allem um deren sichere Unterscheidung von der Hauskatze.

„Ein typisches Unterscheidungsmerkmal ist das Gehirnvolumen, das bei Wildkatzen größer ist als bei unseren Hauskatzen. Das Phyletische Museum der Uni Jena ist eine Sammelstelle für tote Wildkatzen in Thüringen, rund 90 Prozent davon sind Verkehrsopfer. Ein trauriger Anblick. Ich habe im Rahmen des Projektes schon über 40 Skelette untersucht, morphologische Untersuchungen durchgeführt. Die Wildkatze ist streng geschützt. In einigen Regionen Thüringens, bei Eisenach und Schleiz beispielsweise, ist die Population gut aufgestellt. Eine `weiße Fläche’ in Sachen Vorkommen zeigt sich bis dato hingegen im Raum um Hermsdorf und Gera “, weiß die junge Wissenschaftlerin.

Daher war es für Stefanie eine umso größere Überraschung, als ihr Rainer Michelsson, Präparator des Geraer Naturkundemuseums, noch einen besonderen Schatz für ihre Untersuchungen zur Verfügung stellen konnte: ein komplett präpariertes Exemplar, das in den 80er Jahren in Waldeck bei Hermsdorf von einem Jäger versehentlich geschossen wurde. Es ist der bisher einzige gesicherte Nachweis der Wildkatze in Ostthüringen.

„Um eine Wildkatze in der Natur zu entdecken, braucht man riesiges Glück. Es ist fast unmöglich, das scheue Tier zu Gesicht zu bekommen. Aber dennoch ist es wichtig, ihre Lebensbedingungen in Thüringen zu verbessern, sie haben wie jedes andere Wildtier ihre Aufgabe im Ökosystem. Unsere Untersuchungen bilden die Grundlage für den weiteren Schutz der Wildkatze“, erzählt sie.

Resultieren daraus in letzter Konsequenz müssten aus ihrer Sicht Renaturierungsmaßnahmen und die Schaffung von Korridoren, über die die Wildkatzen ihre von Straßen durchschnittenen Reviere gefahrlos queren können. „Diese Maßnahmen würde ich mir wünschen – dann würde sich die Zahl der Verkehrsopfer unter ihnen maßgeblich verringern“, ergänzt Stefanie Griebsch nachdenklich
Die Katzenfreundin mit zwei eigenen Hauskatzen ist fasziniert von deren wilden Verwandten. Sie zu erforschen und ihnen im Rahmen des Biologiestudiums die Bachelor-Arbeit zu widmen, zeigt diese Leidenschaft.
Schon bald wird Stefanie Griebsch je zur Hälfte in einem Institut in Fulda und im Wildkatzendorf im Nationalpark Hainich weiterforschen.
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1 Kommentar
Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes | 23.02.2013 | 12:34  
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