Ein Leben zwischen zwei Ländern

Matthieu Pagnoux
 
Matthieu Pagnoux
Fremdsprachenassistent am Holzland-Gymnasium Hermsdorf

Der 23-jährige Matthieu Pagnoux ist am Holzland-Gymnasium Hermsdorf für ein Jahr als Fremdsprachenassistent für Französisch tätig und unterrichtet bereits jede Klassenstufe an der Schule. Hierher gekommen ist er durch das Schüleraustauschprojekt zwischen dem Hermsdorfer Gymnasium und der Partnerschule in Ruffec. Diese kleine Stadt liegt in der Region Poitou-Charentes im Westen Frankreichs. Matthieu studiert Germanistik. Seinen Bachelor konnte er bereits erfolgreich ablegen und derzeit befindet Matthieu sich im Master-Studium. Seine Abschlussarbeit wird die deutsche Sprache und Geschichte beinhalten mit dem Schwerpunkt: ehemalige DDR.
Doch wie ist das Leben für ihn in Deutschland? Welche Unterschiede sind spürbar im Gegensatz zu Frankreich? Und warum ist seine Entscheidung gerade auf dieses Land gefallen?
Für den Allgemeinen Anzeiger bot sich die Gelegenheit ein Interview mit ihm zu führen um diese Fragen zu klären und um einen genaueren Einblick in sein Leben hier in Deutschland zu bekommen.


Herr Pagnoux, Sie sind mit Deutschland sowie Frankreich sehr gut vertraut. Was ist für Sie der größte Unterschied dieser Nachbarländer?

Ganz klar, die Mahlzeiten. Im Gegensatz zu den Deutschen lässt man sich in Frankreich viel mehr Zeit zum Essen. Dafür verliert man aber hier nicht so viel Zeit, welche man dann für andere Dinge nutzen kann. Deshalb gefällt mir es auch so ganz gut. Selbstverständlich sind die Gerichte an sich auch unterschiedlich, doch mir schmeckt es sowohl hier als auch in meinem Heimatland ganz gut.

Wie kamen Sie in Kontakt mit dem Schüleraustausch-Programm und wie entwickelte sich diese deutsch-französische Beziehung weiter?

Nun, im Jahr 2003 habe ich das erste Mal am Schüleraustausch teilgenommen. Damals waren die Hermsdorfer zu Gast und ich nahm einen Jungen vom Holzland-Gymnasium bei mir auf. Das darauffolgende Jahr war ich dann selber hier zum Schüleraustausch und es gefiel mir sehr gut, sodass ich 2005 immerhin einen Monat in Hermsdorf blieb. Schließlich war ich nach meinen Schulabschluss in Ruffec sogar ein ganzes Jahr von 2006 bis 2007 in Hermsdorf als Schüler zu Gast. Da ich diese Region sehr mag und sich mittlerweile Freundschaften entwickelt haben, fühle ich mich hier wirklich pudelwohl. Außerdem wohne ich bei einer netten deutschen Familie. Das Einleben in die deutsche Gesellschaft stellte von Beginn an keine Schwierigkeiten dar, was mich sehr freute.


Was gefällt Ihnen denn speziell an der deutschen Sprache und der Mentalität?

Meiner Meinung nach ist Deutsch eine einfache Sprache. Mir gefällt es außerordentlich gut, dass sie, beziehungsweise die Begriffe der Sprache, sehr genau sein können. Im Französischen muss man oft Dinge umschreiben, jedoch kann man sich mit dem Deutschen viel gezielter und präziser ausdrücken. Das mag ich so daran. Außerdem klingt sie in meinen Ohren sehr schön.
Zu der Mentalität: Die Deutschen sind sehr ehrlich und zuverlässig. Dadurch kann man gut mit ihnen zusammen arbeiten und das stellt mich überaus zufrieden.

Vielen fällt doch eigentlich die deutsche Sprache sehr schwer. Warum Ihnen gerade nicht?

Das liegt höchstwahrscheinlich an meinem großen Interesse an Deutsch. Ich hatte schon immer dieses gewisse Sprachgefühl und wollte schon vor längerer Zeit Deutschlehrer werden. Ab der achten Klasse habe ich mich dann endgültig dafür entschieden, worauf ich letztendlich stolz sein kann.


Sie sind etwa 1200 km von zu Hause entfernt.
Wie bleiben Sie in Kontakt mit Ihren französischen Freunden und Ihrer Familie in der Heimat? Leiden Sie auch manchmal an Heimweh?


Einmal in der Woche wird mit meiner Familie und mit meinen Freunden telefoniert oder über das Internet miteinander kommuniziert. Monatlich bin ich gegebenenfalls in Paris um dort zu arbeiten und meine Kollegen, welche bereits Freunde geworden sind, zu treffen. Somit können wir uns jederzeit austauschen und bleiben ständig in Kontakt. Ich fühle mich hier so wohl, dass Heimweh wirklich kein Thema für mich ist.

Ihr Jahr ist ja bald beendet.
Wie lang bleiben Sie denn noch an der Schule und was haben Sie zukünftig vor?


Ende Mai begebe ich mich wieder auf den Heimweg um dort mein Germanistik Studium weiter zu führen. Um es zu vertiefen werde ich nächstes Jahr wenn möglich noch ein Jahr als Fremdsprachenassistent in Deutschland tätig sein. Im Sommer betreue ich außerdem als Jugendleiter deutsch-französische Schülergruppen und unterstützte solche Projekte weiterhin.
Beruflich kann ich mich noch nicht ganz entscheiden. Entweder möchte ich Deutschlehrer in Frankreich oder Französischlehrer in Deutschland werden.

Wollen Sie mit Ihrem Engagement gewisse Ziele erreichen? Was möchten Sie sonst noch sagen?

Mir liegt es am Herzen die Schüler in Frankeich sowie in Deutschland weiterhin für das Programm des Schüleraustausches zu begeistern. Ich möchte den Schülern den Spaß an der Sprache vermitteln und ihnen zeigen, wie wichtig diese deutsch-französische Freundschaft ist. Natürlich setze ich mich weiter dafür ein, dass der Austausch auch zukünftig noch durchgeführt werden kann. In meinem Heimatland werbe ich für das Erlernen der deutschen Sprache, da es meiner Meinung nach noch zu wenig französische Schüler gibt, die Deutsch lernen.


Herr Pagnoux. Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen auch in Zukunft viel Glück und gutes Gelingen!



Michael Sieß
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