Einmalige Momente im Foto festhalten

Fotograf Gerhard Fischer aus Crossen im Tarnzelt auf der Lauer - hier bei hochsommerlichen Temperaturen. Ein Baumwolltaschentuch kann da ein Segen sein... (Foto: Foto: privat)
 
So kann man auch ohne Mühe übers Wasser kommen - Graureiher sei Dank! (Foto: Foto: Gerhard Fischer)
Crossen: Gerhard Fischer | „In der Beschränkung
zeigt sich der Meister
der Fotografie “

Amateurfotograf Gerhard Fischer aus Crossen

Treppe hoch. Ja – hier bin ich richtig, die Wände im Hausflur zieren Naturfotografien. Ihr Fotograf, Gerhard Fischer, öffnet mir die Tür – wir haben uns bei ihm zu Hause verabredet, schön im Warmen. Irgendwo draußen in „seiner Wildnis“, bei minus 15 Grad Celsius, hätten weder meine Finger noch mein Kugelschreiber mitgespielt… Dann habe ich das Privileg, einen Blick in sein Arbeitszimmer zu werfen. Am Fenster der PC-Arbeitsplatz, links und rechts Bücherregale bis unter die Zimmerdecke, gefüllt mit Literatur über die Fotografie, über Flora und Fauna, über Heimatgeschichte, irgendwo dazwischen die Fotoausrüstung und seine „Montur“. Die Winterkluft mal eben fünf Kilo schwer – hält aber schön warm.

Keine Witterung hält Gerhard Fischer davon ab, auf Fotosafari zu gehen. Bei klirrender Kälte eben mal ein, zwei oder mehr Stunden auf des Jägers Kanzel geduldig auszuharren, bei 40 Grad plus des sommers im Tarnzelt an der Weißen Elster oder im Trebnitzer Grund – seinem Lieblingsplatz. Für diesen einen, ganz besonderen und ebenso schnell vergänglichen Moment, den er im Foto festhält.

Für ihn Augenblicke des Glücks, wenn das Rehkitz bei seiner Mutter säugt, der Feldhase genüsslich seine Glieder reckt, der Graureiher sich über die freche Libelle auf seinem Kopf wundert, wie Greifvögel um Beute kämpfen, der Buntspecht intelligent seine Nuss knackt, der seltene Eisvogel einen Fisch erbeutet oder die freche Meise, die auf seinem Teleobjektiv landet, keck in die Öffnung des Tarnzeltes schaut als wolle sie sagen: „Ach, heute auch wieder da!“.

Wer glaubt, allein eine gute Ausrüstung beschert solche einmaligen, brillanten Fotos, irrt. Eine gute Vorbereitung und viel Geduld sind Voraussetzung dafür. Wenn Gerhard Fischer zum Fotoapparat greift und auf Streifzug geht, dann ist sein „Drehbuch“ über das „Objekt seiner fotografischen Begierde“ längst in seinem Kopf festgeschrieben,
sind die Verhaltensweisen der Tiere ausführlich studiert, lange zuvor in der Natur beobachtet. Dann weiß er schon genau, welchen Augenblick, welches Detail er einfangen möchte. Und kann im richtigen Moment auf den Auslöser drücken.

„Gerhard, du siehst alles nur in Motiven“, mahnt ihn seine Frau Helga, wenn sie mit ihm einfach nur so spazieren gehen möchte… Sie toleriert großzügig sein Hobby. Öfter ist sie es sogar, die ihren Mann „mit der Nase“ auf ein mögliches Fotomotiv stupst. Sie ist es auch, die ihm – nach Anruf - schon mal das heiße Bad einlässt oder das Mittagessen warm hält…

„Manchmal ist ihr mein Tun etwas peinlich – wegen der Nachbarn“, schmunzelt Gerhard. Denn auch im eigenen Garten gibt es einen „getarnten Ansitz“, wo er stundenlang ausharrt oder Lockmittel präpariert, um die schlauen Tiere etwas auszutricksen… Da wird die Nuss mit einem Tropfen Sekundenkleber angeleimt, der Futterplatz mit köstlichen Leckerbissen ausgestattet, denen kein Vogel widerstehen kann oder es kommt auch mal eine Plastikkrähe
zum Einsatz.
In Berührung mit der Fotografie kam er bereits als Schüler. Sein Lehrer hatte ein Fable dafür und die Kinder lernten sogar, die Filme selbst zu entwickeln. Doch dann zog es den gelernten Tischler zu einem anderen Hobby – dem Flugmodellbau. Er wurde DDR-Meister, gehörte zur Auswahlmannschaft, trainierte den Nachwuchs, ehe er sich aus
persönlichen Gründen nur noch zu Hause dem Modellbau widmete – gemeinsam mit seinem Enkel. „Er war bald besser als ich“, so der 70jährige. Seit fünf Jahren greift er wieder zur Kamera und widmet sich intensiv der Naturfotografie.
Und weil er die Fotos nicht „für die Schublade“ produzieren, sondern seine Leidenschaft gern mit anderen Naturfreunden und heimatgeschichtlich Interessierten teilen möchte, ist er in der Fotocommunity, bei „Mein- Anzeiger“ oder für die Website seiner Heimatgemeinde Crossen im Internet aktiv, hält Vorträge in Verbindung mit Diaschauen
und gestaltet Fotoausstellungen. „Ich möchte die Vielfalt unserer Heimat zeigen und so helfen, sie zu bewahren. Der Mensch sollte sich immer bewusst sein, dass er nur ein Teil der Natur ist – und nur ein Teil“.
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1 Kommentar
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Steffen Weiß aus Gera | 16.02.2012 | 17:56  
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