Kurt Börner sammelt Lebenszeiten

Kurt Börner (re.) wurde mit dem Kreisheimatpflegepreis geehrt. (Foto: Foto: Schaffer)
Schkölen: Börner | Von Wilhelm Schaffer

In einer Zeit rasanter Veränderungen im täglichen Leben, verbunden mit einem bedenklichen Wertewandel, gewinnt „was wir ererbt von unseren Vätern“ zunehmend an Bedeutung.

Kurt Börner aus Zschorgula gehört zu den Zeitzeugen und Chronisten in unserer Region, die sich dieser Aufgabe leidenschaftlich, mit Herz und Verstand widmen.
Nach einer Lehre als Tischler von seinem Lehrer Schunke auserkoren, und von FDJ und LDPD zum Studium an das Lehrerbildungsinstitut Halle – Kröllwitz delegiert, trat er 1955 als Neulehrer vor seine ersten Schüler, selbst nur wenige Jahre älter als sie. Er lehrte später an der Schule in Zschorgula, bis diese 1968 schloss, dann bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1991 in Schkölen. Seinen Lehrerberuf sah er als Berufung. Ganze 36 Jahre lang.

Danach ließen ihn die Erinnerungen an diese Hoch-Zeit seines Lebens nicht los. Eine im Schuppen der alten Zschorgulaer Schule vergessene Schulbank, mit Klappsitzen, „die man ja nicht einfach wegwerfen konnte“ brachte ihn auf die Idee, ein Schulmuseum einzurichten. Es entstand 1992 auf einer zweieinhalb mal drei Quadratmeter kleinen Fläche im ehemaligen Hühnerstall in seinem Garten. Das kleinste Museum im Saale-Holzland-Kreis.

Seither sammelt Kurt Börner alles, was an das Dorfleben erinnert und dazu Zeitgeschichtliches. Als ihm Leute aus dem Dorf und Bekannte mehr und mehr „Kram, den man ja nicht wegwerfen kann“ ins Haus trugen, und die Vielzahl der Chroniken die Dreimetergrenze überschritt, richtete er zwangsläufig eine Heimatstube in seinem Anwesen, der einstigen Gastwirtschaft Börner, ein. Mit einem schier unüberschaubaren Sammelsurium in Vitrinen, Regalen, auf Tischen und Bänken, auf dem Fußboden und an den Wänden. Hinterlassenschaften von fünf, sechs Generationen.

Jeder Gegenstand, jede Abbildung, jedes Dokument mit einer eigenen Geschichte, die er erkundete und in unnachahmlicher Weise erzählen kann. Auch die Geschichte des berühmtesten Schülers der Zschorgulaer Schule, Samuel Heinicke aus Nautschütz, dem Schöpfer der Deutschen Methode der Gehörlosenpädagogik und Gründer der ersten deutschen Gehörlosenschule in Leipzig. Die vermittelt er Schülern einer solchen Leipziger Spezialschule bei ihrer jährlichen Exkursion zum Geburtsort des Pädagogen.

Es war, ist und bleibt sein immer währendes Anliegen: jungen Leuten diese zusammengetragene Zeitgeschichte und die damit verbundene Lebensweise der Menschen mit einander und mit der Natur nahe zu bringen. Als Anstoß, darüber nachzudenken, was das Leben eigentlich ausmacht.
Auf Vorschlag seiner Heimatstadt Schkölen ehrte der Saale-Holzland-Kreis anlässlich des 10. Heimatpflegetages im prachtvoll restaurierten Festsaal des Camburger Rathauses den immerwährenden Lehrer Kurt Börner in Anerkennung seines unermüdlichen Wirkens im Rahmen der Heimatpflege und für die Bereicherung der Kulturlandschaft mit dem Kreisheimatpflegepreis 2011. Herzlichen Glückwunsch !
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