Meisterstücke zwischen Barock und Biedermeier

Die letzten Handgriffe: Tischler Michael Fischer an seinem Meisterwerk - dem Patentsekretär
 
Die Relief-Intarsie auf der Sekretärklappe, in der sich alle zwölf Holzarten wiederfinden.
Harpersdorf: Fischer | Tischler Michael Fischer schuf kunstvollen Patentsekretär im Doppelpack

Harpersdorf. „Einer für mich und meine Frau, der andere für einen Liebhaber, mal sehen“, schmunzelt der 67-jährige Tischler aus Harpersdorf.
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Michael Fischer mit seinen beiden, völlig identischen Patentsekretären, seine Meisterstücke schuf. Als Betrachter kommt man aus dem Staunen nicht heraus, allein wegen der Optik, aber auch aufgrund ihrer Funktionsweise. Denn nichts ist, wie es scheint: Mal eben eine der zahllosen Schubläden öffnen – von wegen. Erst die Kenntnis des raffiniert ausgeklügelten Verschlussmechanismus der Geheimverriegelung ermöglicht das.

„Die Funktionsweise dieser früheren Bauart hat mich einfach fasziniert“, sagt er. Und die Geschichte im Besonderen. „Ich habe zwei Stilarten miteinander verbunden - der obere und untere Teil des Sekretärs kommt aus der Zeit des Barock, im Mittelteil spiegelt sich die Biedermeierepoche wider“, erzählt Michael Fischer. Üppig daher auch die aufwändigen Intarsien- und Marketterien-Arbeiten aus unterschiedlichen, edlen Hölzern. Das Meisterstück am Meisterstück ist die Relief-Intarsie vorn an der Klappe des Sekretärs – nach dem Bild des französischen Barockmalers Nicolas Poussin „Die Hirten von Arcadien“.

„Dieses historische Bild zeigt ein Stück Geschichte aus der Vergangenheit, in der es um den heiligen Gral geht. Sie ist unglaublich spannend, weil sich viele Geheimnisse um sie ranken. Das hat mich inspiriert, es als Intarsie nachzuempfinden.“ Geschaffen aus allen zwölf Holzarten, die sich auch am Rest des Sekretärs wieder finden. Macht man den Sekretär auf, zeigt sich das Eingerichte bestehend aus Schubläden und Porticus. Das ist eine Säulenhalle, bestehend aus acht Säulen aus Rosenholz, optisch vergrößert durch einen eingesetzten Spiegel an der Rückwand und dem Wappen von Dagobert II.

Öffnet man eine weitere Tür im oberen Bereich des Schrankes, erblickt man Intarsienarbeiten mit Sonnenrad – daran gedreht, öffnet sich ein Geheimfach. In der Innenseite der Tür findet sich das Porträt des Malers Poussin, an den Schauseiten des Sekretärs der Magdalenturm des Dörfchens Rennes le Chateau und das Chateau Argues.
Michael Fischer schuf diese kunstvollen Möbelstücke in altem, klassischem Stil in seiner kleinen, heimischen Werkstatt. Er zeichnete, richtete vor, fertigte die Schablonen, sägte, hobelte, dübelte, schliff, wachste und polierte… Korpus und Schubläden sind handverzinkt – eben eine echte Ebenistenarbeit.

Vor zwölf Jahren keimte der Gedanke in ihm, etwas Besonderes zu schaffen. „Vor der Wende hatte ich eine Kunstgewerbelizenz und erhielt vom Eisenberger Furnierwerk die übrigen Messerreste aus verschiedenem Holz. Dann war Kunstgewerbe nicht mehr ‚in’, aber es war einfach zu schade, das schöne, wertvolle Holz wegzuwerfen. So ward also die Idee geboren“, erinnert er sich zurück.
Eine neue setzt er gerade in die Tat um – eine Standuhr passend zum Sekretär…
Michael Fischer - ein Kunsttischler im Unruhestand.

Zahlen:
Handwerk: Kunsttischlerei
Baudauer insgesamt: sechs Jahre
Arbeitsstunden je Sekretär: 2521
Verwendete Holzarten: 12 (Mahagoni, Ahorn, Olive, Nussbaum, Birke, Ebenholz, Merandi, Essigbaum, Palisander…)
Geheimfächer: je 17
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2 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 23.10.2012 | 11:22  
Kerrin Viererbe aus Hermsdorf | 23.10.2012 | 11:28  
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