Niemand sollte allein sterben

von links: Romanus Kasperl, Sonja Gröbe und Rita Hässelbarth
 
von links: Sonja Gröbe, Romanus Kasperl und Rita Hässelbarth vor dem Hofgebäude der Stadtbibliothek
Ambulanter Hospizdienst in Eisenberg begleitet sterbende Menschen und ihre Angehörigen

„Auch Sterben ist Leben – Leben vor dem Tod.“ Dieser Leitgedanke steht geschrieben in einer Broschüre des Ambulanten Hospizdienstes aus Eisenberg in Trägerschaft des Diakoniezentrums Bethesda. Seit 2002 unterstützen ehrenamtliche Mitarbeiter schwerstkranke Menschen aus der Umgebung um Eisenberg, Hermsdorf, Bürgel und Schkölen.

Ihr Anliegen ist es, sterbenden Personen beizustehen und es ihnen ermöglichen, bis zum Ende ihres Daseins menschenwürdig zu leben. Sonja Gröbe ist von Anfang an dabei und derzeit als Koordinatorin beschäftigt. „Ich persönlich meine, dass keiner kurz vor dem Tod allein sein sollte.“, erklärt die 56-Jährige, „Jeder hat seinen eigenen Grund hier dabei zu sein. Bei mir war es ein familiäres Ereignis, was mich auf die Idee brachte den Hospizdienst mit zu initiieren.“

Immer wieder Menschen in den Tod zu begleiten und mit deren Angehörigen eine Trauerbewältigung durchzuführen ist selbstverständlich keine leichte Aufgabe für die Ehrenamtler. Die zukünftigen Begleiter müssen daher einen Grundkurs zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung absolvieren. Dafür gibt es bundesweite Vorgaben. Solch eine Ausbildung könne bis zu einem Jahr dauern, ergänzt Romanus Kasperl, der Gründer des Dienstes. Und das nicht grundlos. Denn um die ergreifenden Eindrücke beim Hospizdienst zu bewältigen, sollte man in der Lage sein mit Dingen abschließen zu können. Das ist komplizierter als es scheint. Nicht selten kommt es vor, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter eine Trauerkarte schreiben oder die anschließende Trauerfeier ihres Begleitfalls besuchen. Auch die Supervision, eine Art Gruppenberatung, ist ein hilfreiches Mittel, den entsprechenden Fall abschließend zu besprechen.

Bis zu drei Monaten Pause steht jedem Ehrenamtlichen anschließend freiwillig zur Verfügung um sich psychisch darauf einzustellen weiterzumachen. Als Helfer sollte man sein eigenes Leben sortiert haben, sich in den Patienten hineinfühlen können und eine Art Anker für die Angehörigen sein. Ziel sei es, eine Vertrauensbasis mit dem Patienten aufzubauen, der betroffenen Familie die Angst zu nehmen und gleichzeitig Mut zuzusprechen.

Ein achtungsvoller und menschlicher Abschied soll demjenigen ermöglicht werden. „Die meisten unserer Patienten wollen in ihren eigenen vier Wänden die letzten Tage verbringen und genau dafür sind wir da. Wir möchten diesen Menschen auf ihren selbst ausgewählten Weg helfen Abschied zu nehmen, unabhängig von Herkunft, Kultur oder Religion.“, meint Sonja Gröbe weiter, “Die Angehörigen werden dabei nie vergessen, der Kontakt zu ihnen bleibt manchmal über Jahre erhalten.“

Zurzeit sind 26 Helfer bei dem ambulanten Hospizdienst beschäftigt. Da diese Arbeit ehrenamtlich verrichtet wird, gründeten unter anderem Sonja Gröbe, Romanus Kasperl und Rita Hässelbarth vor kurzem den Verein zur Förderung der Hospizarbeit in Eisenberg und Saale-Holzland Kreis. Dessen Aufgabe ist die Stärkung der Hospiz- und Öffentlichkeitsarbeit. Gelder werden durch Spenden gesammelt. Zusätzlich können Mitglieder durch einen Euro pro Monat ihren Beitrag zur Förderung der ehrenamtlichen Tätigkeit leisten.


Am 3. Oktober findet in Eisenberg ein Herbstfest für Ehrenamtliche, Angehörige der Verstorbenen und Interessenten statt. Dort kann sich jeder über den neu gegründeten Förderverein und die Hospizarbeit informieren.
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4 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 15.08.2012 | 15:52  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.08.2012 | 22:30  
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Petra Seidel aus Weimar | 17.08.2012 | 16:33  
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Hannelore Grünler aus Artern | 18.08.2012 | 01:15  
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