Schleifchen? Mega-out! Hundefriseurin Anke Schäfer ist WM-Kapitän der deutschen Groomer-Mannschaft

Trainiert für die Weltmeisterschaft: Hundefriseurin Anke Schäfer aus Stadtroda (links) schneidet „Paulchen“ das Fell. Stefanie Kahlert, die sich als Groomer selbstständig machen will, darf der Expertin assistieren. (Foto: Friedhelm Berger)
In der spanischen Metropole Barcelona findet am 13. Oktober die Team-Weltmeisterschaft der Hundefriseure (englisch: Groomer) statt. Anke Schäfer, Chefin eines Hundesalons in Stadtroda, darf als Kapitän die deutsche WM-Mannschaft anführen.

AA-Mitarbeiter Friedhelm Berger sprach mit der 42-jährigen Expertin für alle Hunde-Felle über Beruf, Trends, WM-Chancen und Zahlen.

Frau Schäfer, wie wird man eigentlich Hundefriseur?
Eine rechtlich geregelte Ausbildung gibt es bei uns in Deutschland noch nicht. Zugang zu diesem schönen Beruf findet man mit einer Ausbildung in der Tierhaltung oder Tierpflege, aber auch mit einer Ausbildung als Humanfriseurin, so wie es bei mir der Fall ist.

Was sind die wichtigsten Aufgaben eines Groomers?
Er ist wichtiger Berater für den Hundehalter. Er sorgt für eine fachgerechte Fell- und Hautpflege, und stellt durch geeignetes Schneiden oder Trimmen das rassetypische Erscheinungsmerkmal des Tieres her.

Also kein Schnickschnack wie Haarefärben, Muster ins Fell schneiden oder so etwas?
Gefärbte Hundefälle, figürliches Creativ-Styling oder selbst Schleifchen im Hundehaar sind mega-out.

Was ist denn In?
Pflegeleichte Hundefrisuren, die gleichzeitig Hund und Besitzer das Leben erleichtern. Das Haarkleid eines Hundes ist sein Schutzmantel und seine Klimaanlage gegen Hitze und Kälte. Einem guten Hundefriseur geht es in erster Linie um die Gesundheit und artgerechte Behandlung des Vierbeiners.

Sie haben im Oktober 2011 die Deutsche Groomer-Vereinigung gegründet, warum?
Ich will mit dieser Vereinigung den Beruf des Hundefriseurs aufwerten und letztendlich die staatliche Anerkennung dieses handwerklich anspruchsvollen Berufes erreichen. Denn was Hundefriseure angeht, so ist Deutschland im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich oder der Schweiz – hier ist Groomer längst ein anerkannter Ausbildungsberuf – noch Entwicklungsland.

Welche Chancen hat die deutsche Mannschaft in Barcelona?
Das Team – es besteht aus insgesamt fünf Spitzen-Frauen der Branche aus fünf Bundesländern – wird es nicht leicht haben. Es muss sich in Spanien mit Mannschaften aus 20 Ländern und einer starken Konkurrenz messen. Aber wir werden uns intensiv auf die WM vorbereiten und unser Bestes geben. Vielleicht gelingt uns ja eine Überraschung.

Sie selbst haben bei internationalen Wettkämpfen schon kräftig abgeräumt...
Das kann man so sagen. 18 Medaillen aus acht Ländern habe ich von 2005 bis heute nach Hause gebracht, darunter drei Mal Gold. WM-Edelmetall ist bisher noch nicht darunter.

Wie viele Hundefriseure gibt es eigentlich in Thüringen?
Ich schätze mal etwa 200. Konkrete Zahlen liegen leider nicht vor. Bundesweit sollen es angeblich rund 5000 sein. Die wenigsten sind bisher organisiert und unterliegen strengen Qualitätsmaßstäben.

Sind Sie bei der Arbeit schon mal von einem Hund gebissen worden?
Ja, als ich angefangen habe, vor zehn Jahren – von einem Westhighland-Terrier in den Unterarm, direkt neben die Pulsader. Danach habe ich mich bei einem Hundepsychologen weitergebildet, und es ist nie wieder passiert.
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