Bioenergieregion zieht Bildungstouristen an

Feuer und Flamme – Schweizer Fachschülerinnen beim Blick in den Brennraum des Biomasse-Heizkraftwerkes (Foto: Foto: Ronny Kilian)
Schkölen: Biogasanlage | Im Gravitationsfeld der Energie


Schkölen (Ronny Kilian). Fast wäre es ein Urlaubsfoto: Menschen stehen am Beckenrand und schauen… nein, nicht aufs Wasser, sondern auf eine ziemlich eklig anmutende, dickflüssig-braungrüne Masse, die stetig aus den Reaktionsbehältern der Biogasanlage Schkölen in das Auffangbecken plätschert. „Sieht aus wie Gülle, stinkt aber nicht und ist als Dünger noch besser geeignet.“

Gut dreihundert Gästen hat das Tino Köbe in diesem Jahr schon erklärt. Der Chef der Agrargenossenschaft führt regelmäßig Besucher durch die Biogasanlage und ist ein wichtiger Projektpartner der Bioenergieregion Jena-Saale-Holzland. Die ist mittlerweile bis weit über die Landesgrenze hinaus zum Zielort für Bildungstouristen in Sachen erneuerbare Energien geworden. „In diesem Jahr konnten wir unter anderem schon Gruppen aus der Schweiz, aus Frankreich und aus Litauen im Landkreis begrüßen“, so Ronny Kilian vom Bioenergie-Team.

„Schkölen ist dabei die Kommune, die wir derzeit am häufigsten mit unseren Besuchern ansteuern. Die Kombination aus Biomasse-Heizkraftwerk, der riesigen, mit Kraftwerks-Abwärme beheizten Gewächshausfläche und der Biogasanlage ist unschlagbar wenn die Gäste nur ein begrenztes Zeitbudget haben.“ Dass so viele Bildungstouristen in die Region kommen ist laut Kilian vor allem dem Engagement der Partner zu verdanken: „Aktuell arbeiten wir sehr eng mit der Fachschule für Agrarwirtschaft in Stadtroda, sowie in Jena mit der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und der Bioenergieberatung Thüringen, kurz Biobeth, zusammen. Deren Anfragen stimmen wir dann mit den Anlagenbetreibern ab und unser Team ergänzt das Programm mit Vorträgen und weiteren Angeboten.

Den wichtigsten Part leisten jedoch Leute wie AG-Chef Tino Köbe und Wolfgang Schumann, der Geschäftsführer der Biokraftwerk Schkölen GmbH. Deren Kapazitäten in Sachen Betriebsbesichtigungen sind oft mehr als ausgelastet, doch ihre Praxiserfahrung ist einfach nicht zu ersetzen, wenn man auf dem Feld der regenerativen Energien Wissenstransfer betreiben will.“ Eine wachsende Rolle dabei sieht das Bioenergie-Team auch für die Gemeinde Schlöben als erstes Thüringer Bioenergiedorf: Sobald dort der erste Spatenstich erfolgt ist und es etwas zu sehen gibt, will man das beispielgebende Genossenschaftsmodell und das durchdachte Anlagenkonzept noch besser in die Öffentlichkeit tragen und zur Nachahmung empfehlen.

Erfolgreich läuft derzeit schon das Jugendforschungscamp für erneuerbare Energien in Crossen. Schülerinnen und Schüler, zumeist auf Klassenfahrt im Rittergut Nickelsdorf, bauen hier Solar- Wind- oder Wasserkraftanlagen auf und erfahren auf praktische und anschauliche Weise nicht nur etwas über erneuerbare Energien, sondern vertiefen zusätzlich den Unterrichtsstoff der naturwissenschaftlichen Fächer. Derzeit kann man hier ein bis drei Lernmodule pro Woche anbieten und ist auf der Suche nach geeignetem Personal und finanziellen Mitteln, um das Angebot noch mehr Gästen zugänglich zu machen. Das erscheint auch sinnvoll und notwendig, denn die Nachfrage nach dem Wissen aus der Bioenergieregion wächst weiter.
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