Ländliche Gemeinden stehen vor dem Kollaps - Landesregierung muss dringend handeln

Die Kinder in der Kita "Friedolin" wissen noch nichts von den Problemen der Großen, dass auf ihre Kita finanziell auf wackligen Beinen steht.
 
Die Kinder in der Kita "Friedolin" wissen noch nichts von den Problemen der Großen, dass auf ihre Kita finanziell auf wackligen Beinen steht.
Tröbnitz: VG Hügelland-Täler | Den Gemeinden der VG Hügelland/Täler steht das Wasser bis zum Hals. Bereits jetzt geht ein Großteil des Gemeindehaushaltes für die Kitagebühren ab, ist für weitere Pflichtaufgaben kaum noch Geld vorhanden.

Aus diesem Grund lud VG-Chef Hartmut Weidemann die Bürgermeister seiner VG zu einer Beratung ein, um das gemeinsame Vorgehen diesbezüglich zu besprechen.

So rechnete VG-Kämmerin Gundula Seidler am Mittwoch Abend am Beispiel Weißbach vor, dass dort derzeit 80% des Gemeindehaushaltes zur Begleichung der Kitagebühren eingesetzt werden. "Sollten die Gewerkschaften mit ihrer Forderung durchkommen und wenigstens 15% der geplanten 20% Lohnerhöhung erreichen, heißt dies für die Hälfte der Gemeinden am Jahresende: nichts geht mehr".

Dass die Gemeinden seit Jahren vom Land in dieser Frage keine echte Unterstützung erhalten, ärgerte so manchen Bürgermeister. Hans-Jürgen Liebscher, Bürgermeister der Gemeinde Weißbach erhielt vor drei Jahren die Aussage "was die Kita kostet, wird vom Land bezahlt" passiert ist seit dem nichts. Auch Karla Knoll rechnet vor, dass für den Renthendorfer Kindergarten, er ist mit 25 Kindern beinahe zu gut belegt, allein von 2013 zu 2014 auf Grund der höheren Personalkosten eine Gebührenerhöhung nötig wurde. "Hier stimmt einfach hinten und vorn nichts. Wir machen vieles, sammeln Schrott und Altpapier, nur dass wir den Kindergarten weiter bezahlen können, aber irgend wann ist Schluss" so die Renthendorfer Bürgermeisterin.

Karlsdorfs Bürgermeister Jürgen Müller kann zwar eine gewisse Kehrtwende in der Bevölkerungsentwicklung erkennen. "So nach und nach ziehen auch wieder einige Leute aufs Dorf, da zB. Jena zu teuer ist, doch das allein genügt nicht. Wir haben immer gesagt, dass wir Kinder brauchen, das Geld für die Kitas auch gern zahlen, doch wenn die Gemeinden vor dem finanziellen Kollaps stehen, muss auch das Land munter werden. Es kann nicht sein, dass dieses politische Geplänkel auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird". Mit politischem Geplänkel meint er das Tauziehen um die Gebietsreformen, zu denen es wohl bald kommen wird, sollte eine Gemeinde nach der anderen nicht einmal mehr ihre Pflichtaufgaben erfüllen können.

"Uns geht es jetzt hierbei nicht vordringlich um die geforderte Lohnerhöhung, das ist Tarifautonomie. Uns geht es darum, dass das Land endlich reagiert, die Kitas direkt bezahlt. Der Paragraf 19 des Thüringer Kita-Gesetzes muss geändert werden und aus diesem Grund müssen wir uns jetzt mit einem Brief in aller Dringlichkeit an den Städte- und Gemeindebund wenden. Kindergärten zählen eigentlich zum Bereich Bildung und gehören somit in Landeshand" fasst VG-Vorsitzender Hartmut Weidemann zusammen. Er weiß ebenso wie die Bürgermeister, dass die Gemeinden zum Großteil ihre Rücklagen gänzlich aufgebraucht haben, der Kollaps droht. Inzwischen haben schon zwei Gemeinden (Renthendorf und Lippersdorf/Erdmannsdorf) ein Haushaltsicherungskonzept (HSK), womit nur noch die nötigsten Pflichtaufgaben abgesichert werden können. Weiteren Gemeinden droht dieses bald, wenn sich nichts entscheidendes tut.

So berichtet Antje Spitzweg, dass die Gemeinde Kleinebersdorf gezwungen ist, den ehemaligen Jugendclub zu verkaufen, um vorerst zahlungsfähig zu bleiben. "Das ist nur eine kurzfristige Lösung. Was im kommenden Jahr wird, werden wir sehen".

Kleine Statistik dazu:
Fünf Kindereinrichtungen sind in der VG Hügelland / Täler geöffnet und momentan sehr gut ausgelastet. Dies sind: Weißbach, Renthendorf (kommunal) Tröbnitz (DRK), Ottendorf (AWO) und Trockenborn.
Im Gebiet der VG Hügelland/Täler besuchen derzeit 219 Kinder regelmäßig eine Kindereinrichtung, das sind 94% der Kinder im Alter zwischen 1 und 6 Jahren. Davon sind zwei Kinder in einer Jenaer Kita, zwei im Landkreis Greiz sowie 28 in einer anderen Einrichtung ausserhalb der VG, aber innerhalb des SHK unter gebracht. Im Gegenzug kommen 12 Kinder aus dem SOK in eine VG-Kita sowie 31 weitere Kinder von ausserhalb des VG-Gebietes. Voraussichtlich 41 Schulanfänger werden einerseits den Haushalt entlasten, wie viele Neuanmeldungen es vermutlich geben wird, kann derzeit nicht abgeschätzt werden.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 31.05.2015 | 22:29  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige