Tränen der Freude und der Erschütterung

Meine Gastfamilie: Janina, ihre kleine Schwester Anhelena und Mama Natascha. (Foto: Foto: Umbreit)
Bericht einer ehemaligen Gastmutti über die Fahrt nach Krasnopolie in Belorussland
Von Denise Umbreit, Tschernobyl-Verein-Jena e.V.

Am Sonnabend, den 01.01.2011 um 17.15 Uhr starteten wir - Herbert Bartsch, Jürgen Schmidt und ich - zu unserer traditionellen Weihnachtsfahrt nach Krasnopolie, wo uns schon 250 Kinder sehnsüchtig erwarteten.

Voriges Jahr im September war ich Gastmutti von Janina und Sacher und nun, in dieser Woche sollte ich bei meinen ehemaligen Gastkind Janina in Cholmy unterkommen. Keine Ahnung, auf was ich mich dort einlassen würde, aber von den Erzählungen meiner Vorgänger aufs Schlimmste gefasst, "kein Wasseranschluss im Haus, Toilette draußen im Hof und das bei -22 Grad, Abenteuerurlaub mit den besten Überlebenstrainern Herbert und Jürgen" an meiner Seite, war meine Neugierde, wie Janina lebt doch viel stärker, also fuhr ich mit.

Nach vielen Stunden Fahrt durch Schneegestöber kamen wir an der russischen Grenze an, wo sich nach längerem Stehen gleich die Batterie verabschiedete. Ein vor uns wartender Belgier, war auf alles eingestellt und half uns mit dem Starterkabel auf die Sprünge, so dass wir unsere Fahrt fortsetzen konnten.

Völlig übermüdet kamen wir Sonntagabend an. Jürgen lieferte Herbert und mich bei unseren Gastfamilien ab und fuhr dann selbst zu seiner Familie.

Angekommen bei Janina, lernte ich ihre kleine Schwester Anhelena und ihre Eltern Natascha und Pjotr kennen. Ich war total überrascht von der Gastfreundlichkeit der Familie und musste gleich am gedeckten Tisch zu Abend essen. Danach packte ich meine prall gefüllte Reisetasche mit vielen Geschenken aus, worüber sie sich riesig freuten. Die beiden Mädchen zeigten mir dann alle Räume im Haus und draußen im Hof die Toilette und die Tiere (2 Pferde, 1 Kuh, 2 Schweine und Gänse), meine große Betroffenheit über das Elend habe ich mir dabei nicht anmerken lassen.

Abends im Bett konnte ich lange nicht einschlafen und auch ein paar Tränen kullerten, weil ich immer vergleichen musste, wie gut es meine Kinder Toni und Emily haben und in welchem Elend dagegen Janina und Anhelena leben. Beide Mädchen teilen sich ein schmales Bett, für ein weiteres ist leider kein Geld da und auch die Barbiepuppen und das Damespiel, was ich ihnen geschenkt habe, sind die einzigen Spielsachen, die die Beiden haben und das tat schon mächtig weh.

Bei der Händlerin holten wir das bestellte Obst, Konfekt und Gebäck (Nüsse gab es leider nicht) für die 250 Kinder ab und verpackten alles samt unseren Weihnachtsbriefen in Geschenktüten. Danach besuchten wir 2 Schulen, 2 Kindergärten, 2 Waisenhäuser und eine Familie mit sehr vielen, "auf Zeit adoptierten" Kindern. Viele dieser Kinder hatten einen sehr langen Fußmarsch bei eisiger Kälte hinter sich, um ihr Geschenk abzuholen und in den Kindergärten warteten die Kleinen schon sehnsüchtig hinter den Fenstern auf den Weihnachtsmann.

Für die Schule in Koselje haben wir dank der Sponsoren noch Sportgeräte im Wert von 400 Euro kaufen können, dabei waren u.a. Langlaufski, Volleybälle, Hand- und Fußbälle.

Sehr bewegt hat mich auch der Besuch bei Wika und Ira. Beide waren kleine Mädchen, als sie von unserem Verein eingeladene Gastkinder in Jena waren. Herbert und Jürgen haben sich für diese beiden Mädchen eingesetzt und haben sie während der Schule und der gesamten Studienzeit finanziell unterstützt. Jürgen seine Wika beendet nun im September ihr Lehrerstudium. Und unbeschreiblich stolz war Herbert, als wir in die Poliklinik nach Krasnopolje gefahren sind und er seine Ira, die ihr Arztstudium nun beendet hat im Arztkittel fotografieren konnte. Ira sagte, dass sie sehr glücklich ist, denn sie hat zwei Väter, einen russischen Papa und einen deutschen Papa...

Bei dieser Fahrt dabei gewesen zu sein, den Kindern Geschenke bringen zu können, war schon ein tolles Gefühl, aber mich macht es auch unendlich traurig, nicht allen Kindern dort helfen zu können. Alle Kinder haben sich riesig gefreut über unsere Geschenke, aber nach all´ dem gesehenen Elend, wie die Familien leben, fahre ich mit großen Bauchschmerzen nach Hause, weil ich genau weiß, alle Kinder hätten viel, viel mehr gebraucht!

PS: Diesen Brief hat uns eine Schulklasse aus der Schule in Koselje mitgegeben:
"Wir, die Schüler der 7. Klasse, danken Euch für die Geschenke, die uns sehr gut gefallen haben. Möge im Leben immer die Sonne scheinen und die Stimmung stets hervorragend sein. Und mögen im Leben Liebe, Erfolg. Freunde und Glück niemals vergehen.
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