War der Mohr einst eine Frau?

Die gesellen Sven Eckler und André Kröber von "Gold in art" Eisenberg besprechen Details zur farblichen Restaurierung des historischen Wappens...
Eisenberg: Gold in art | Amtswappen der Herrschaft Eisenbergk" auf Schloss Friedenstein gibt Experten Rätsel auf
Geschichte ist spannend. Geschichte erzählt Geschichten. Geschichte bringt oft zum staunen. Und manchmal wird die Geschichte auch auf den Kopf gestellt. Oft hat dabei Meister Zufall seine Finger im Spiel. Der wollte es nämlich, dass zwei Eisenberger eine erstaunliche Entdeckung machten.
Vergoldermeister Christian Seiler und sein Mitarbeiter Heiko Heise waren in Gotha mit Restaurierungsarbeiten beschäftigt. Schon allein aus beruflichen Gründen geschichtlich interessiert, nutzten sie die Gunst der Stunde für einen neugierigen Blick ins Schloss Friedenstein.

Vom Hofe aus bestaunten sie die zahllosen Wappen über den Bögen des Rundgangs, von denen einige bereits restauriert, andere sich in eher bedauerlichem Zustand befinden. Klar dass die beiden auch nach dem Wappen der Stadt- und des Amtes Eisenberg Ausschau hielten, denn damals gehörte es zum Herzogtum Sachsen-Gotha. Und trauten ihren Augen nicht…

Es glich dem Eisenberger Stadtwappen, nur als Helmzier krönte es ein Frauentorso und nicht - wie uns allen bekannt - ein Mohr, so wie es der Eisenberger Chronist August Leberecht Back 1843 in seiner Chronik über das Wappen der Herrschaft- bzw. des Amtes Eisenberg aufschrieb: „…zeigt ein Schild mit drei blauen Streifen in weißem Felde nebst darauf ruhendem Helme und auf diesem stehenden Mohren mit der Kopfbinde…“

Sie fragten bei der Schlossverwaltung nach und erfuhren, dass der Gothaer Geschichtsforscher Udo Hopf sich gerade den Wappen des Schlosses widmet. Die beiden Restauratoren baten parallel dazu Geschichtsexperten Jörg Petermann in seiner Agentur in Eisenberg ebenfalls, danach zu forschen… Die Vermutung, dass es sich hier um eine Verwechslung mit dem Stadtwappen handelt, schied aus. Dieses zeigt ja bekannter Weise im Wappenschild drei Türme. Am Auffälligsten sind die Schabracke, die das Wappen einhüllt, die Helmzier und der Frauentorso. Alles ist blau-weiß gehalten, sowie auch heute noch die Stadtfarben von Eisenberg.
Für die über der Rathaustür befindliche älteste Abbildung des Stadtwappens aus dem Jahr 1579 scheint das Amtswappen Pate gestanden zu haben. Vergleicht man beide, kommt man zu dem Schluss, dass der damalige Stadtrat den Frauentorso 1:1 übernahm.
Aber warum wurde daraus später ein Mohr?

Lassen wir die Experten weiter nach einer Antwort forschen. Die Fachmänner um Christian Seiler jedenfalls nahmen sich des über die Jahrhunderte farblos gewordenen Gothaer Wappens der „Herrschaft Eisenbergk“ in Abstimmung mit der Stiftung Schloss Friedenstein auf Eigeninitiative an – und restaurieren es nun Dank der Hilfe von Eisenberger Sponsoren. 1999 wurde es von einem Steinmetz schon einmal in die Kur genommen, nun soll es auch sein farbliches „Gesicht“ wieder erhalten – auf wissenschaftlich fundierter Basis. „Wir legen Wert darauf, dass die Farbfassung originalgetreu umgesetzt wird. Dazu wird es außerdem eine Dokumentation geben, bei der uns Jörg Petermann unterstützt“, so Christian Seiler von „Gold in art“.

Zum Hintergrund:
Bis ins 15. Jahrhundert besteht das Stadtwappen nur aus dem Schild mit den drei Türmen. Aus dem Todesjahr Friedrich des III. 1525 stammt die älteste Abbildung des Amtswappens mit dem Frauentorso. Der Mohr selbst erscheint im Jahr 1558 als Abbildung auf einem silbernen Gefäß, das der Stadtrat zur Hochzeit Herzog Friedrich dem Mittleren mit Elisabeth Tochter des Kurfürsten Friedrich dem III. herstellen lässt. Hier werden wörtlich zwei Mohrenköpflein als Verzierung genannt, die aber in dieser Zeit als Schmuck nicht unüblich waren. Eine Verbindung zum Stadtwappen ist hier nicht gegeben.


"Es wäre aufgrund der laufenden Untersuchungen und der Restaurierung des Gothaer Amtswappens nötig, eine Farbuntersuchung am Mohrenkopf über der Rathaustür durchzuführen. Nur dadurch könnte eindeutig geklärt werden, ob der Mohr im Stadtwappen vielleicht ursprünglich doch eine Frau gewesen ist", so Jörg Petermann.
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