Wie lebt man mit Handikap?

Die sprechende Waage wird ausprobiert.
Hermsdorf: Blindenverein | Nun weiß ich es genau – der geblümte Kaffeepott in der Geschäftsstelle des Blinden- und Sehbehindertenvereins in Hermsdorf wiegt ohne Inhalt haargenau 284 Gramm. Das verriet die sehr höfliche, sprechende Waage, als sie von den Weißenborner Grundschülern in Beschlag genommen wurde. Die Uhr sagte die Zeit ohne persönlichen Gruß an. Na gut – damit kann man leben… Nun - das mit dem Hören klappte also gut.

Dafür sahen die Jungen und Mädchen trotz Brillen nix Gescheites. Nur Umrisse, kleine Ausschnitte, Schatten, total verschwommene Bilder oder auch mal gar nichts. Okay – konnten sie schließlich auch nicht, denn es handelte sich um so genannte Simulationsbrillen, die unterschiedliche Sehschwächen bis zu Blindheit nachstellen. Ganz schön krass – meinten die Schüler und erst recht, als sie mit der Brille Treppen steigen sollten.

Sie lernten auch andere Sehhilfen wie die Lupe mit Beleuchtung oder das Bildschirmlesegerät kennen und durften natürlich auch alles ausprobieren. Sieglinde Drosdowski von Vereinsvorstand erläuterte alles und beantwortete geduldig viele Fragen. Wie es passiert, dass man blind wird, was es für Augenkrankheiten gibt, warum sich Blinde in der eigenen Umgebung so gut zurechtfinden können… „Weil sie sich viel stärker auf die anderen Sinne wie Tastsinn oder das Hören stützen und sie intensivieren“ – auch das lernten sie von Sieglinde Drosdowski.
Im Raum nebenan stand Lothar Schlesier, der Vereinsvorsitzende, Rede und Antwort. Erklärte die Arbeit am hochmodernen, sprachgestützten Computer oder die Brailleschrift – von denen sich die meisten jungen Gäste gar nicht vorstellen konnten, dass man allein anhand der unterschiedlich angeordneten Punkte die einzelnen Buchstaben, geschweige denn ganze Worte und Sätze fließend lesen lernen kann.

An diesem Tag entdeckten die Grundschüler beim Besuch des Blindenvereins ganz viele nützliche Dinge, mit denen blinde oder sehbehinderte Menschen ihren Alltag meistern und trotz Handikap am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Und wie sie sich blinden Menschen in gewissen Situationen gegenüber verhalten können.
Eine gute Idee, etwas von der Ferienzeit dafür zu nutzen, um sich auch mal über ernste Dinge des Lebens zu informieren – bevor dann im Anschluss bei Sonnenschein das Hermsdorfer Freibad gestürmt wurde.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige