Reportage: Derbyerlebnis in Chemnitz

Choreografie vor Beginn des Spiels (Foto: Sprungball Ultras Jena)
 
Arme nach oben! (Foto: Sprungball Ultras Jena)
 
Stimmung während des Spiels (Foto: Sprungball Ultras Jena)
Fanclub unterstützt Science City Jena beim Auswärtsspiel


Voller Bus, grinsende Gesichter, jede Menge gute Stimmung und vereinzelt sind Fangesänge zu hören. So geht es los, auf zum Derby nach Chemnitz. Der BV Chemnitz 99 empfängt zur Rückrunde am 26. Spieltag Science City Jena.
Diesem Kräftemessen der beiden Basketball-Erzrivalen wird von Jahr zu Jahr erneut von den Fans entgegengefiebert und endlich ist es wieder soweit. Am vierten Dezember letzten Jahres konnten die Jenenser einen starken 77:72 Heimerfolg feiern und waren somit der erste Derbysieger dieser Saison.
Am vergangenen Samstag, den 26. März, kam es zur Revanche der Kontrahenten. Hier standen sich die Rivalen nicht nur auf dem Parkett sondern auch auf den Rängen gegenüber!
Diesmal bot sich die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen eines solch bedeutenden Spiels zu werfen.

„Jena-Hermsdorf-Eisenberg!“ schallt es lautstark durch den Bus, als die restlichen Fans in Hermsdorf um halb sechs Uhr Abends zusteigen. Mit fast fünfzig Personen ist das Fahrzeug nun bis auf den letzten Platz ausgelastet.
Kaum rollen die Räder, schon stimmen die Sprungball Ultras Jena – der Fanclub von Science City Jena – die ersten Fangesänge zum Mitsingen an. Es wird neben Bier auch zum Kauf von Schals und Jahreskalendern geworben. Alle sind guter Dinge für das große Spiel des heutigen Tages. Andere Anhänger des Vereins, die es leider nicht mehr in den Bus schafften, kommen mit dem Auto beziehungsweise durch öffentliche Verkehrsmittel zum Ziel.
Lautstark und mit Feierlaune verlässt man die Autobahnausfahrt Richtung Chemnitz. Alles ist also angerichtet für die Neuauflage des Ostderbys zwischen Jena und den Sachsen.
„Hurra, Hurra – die Jenaer sind da!“, so die nicht zu überhörenden Basketballfans kurz nachdem man endlich einen Parkplatz für den Bus gefunden hat. Noch schnell die Trommeln, Plakate und Fahnen aus dem Bus holen und auf geht es in die Richard-Hartmann-Halle.
Noch eine Viertelstunde bis zum Beginn des Derbys. Der Gästeblock füllt sich allmählich und wird mit großen Bannern geschmückt. Auch zahlreiche Anhänger der Chemnitzer „Niners“ haben den Weg in die Halle gefunden. Insgesamt sind 1700 Zuschauer zum Spiel erschienen – damit ist die Chemnitzer Halle ganz gut gefüllt.
Tags zuvor hat der Fanclub eine Choreografie vorbereitet. Diese kommt jetzt zum Einsatz. Jeder im Gästeblock bekommt einen blau-orange-weißen Schal, gefertigt aus einem Stück Tapete. Werden all diese Teile empor gehoben rundet ein Banner im Vordergrund mit der Aufschrift „Diese Farben werden euch immer begleiten“ die Choreografie erfolgreich ab.
Ortszeit halb acht Uhr abends und los geht’s! Alles funktioniert so wie geplant und nebenbei ist es auch noch schön anzusehen. Die „Choreo“ hat in jedem Falle schon mal gewonnen.
Als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte, beginnt die Halle förmlich zu kochen. Jena-Rufe aus dem Gästeblock und Chemnitz-Anfeuerungen von der Gegenseite. Nach einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der schweren Katastrophe in Japan kann es beginnen – das Derby! Nun liegen vier Viertel à zehn Minuten vor uns.
Die Stimmung im Gästeblock ist einfach grandios. Man unterstützt die Mannschaft wirklich so gut wie möglich. Und was für ein furioser Beginn!
Doch unglücklicherweise zu Ungunsten von Science City Jena. Das erste Viertel wird überraschenderweise jetzt schon zum richtungsweisenden Spielabschnitt. Mit einer klaren Führung von 35:18 für die Sachsen, geht es in die erste kurze Pause. Trotz der enttäuschenden Leistung herrscht noch überaus gute Stimmung im Block der Jenaer. Ganz nach dem Motto: „Was die Chemnitzer in einem Viertel schaffen können, können wir doch auch!“.
So sehr sich jedoch die Jenaer Basketballer bemühen, die Chemnitzer spielen dominierend. Die Halbzeit wird mit einem traurigen 20-Punkte-Unterschied erreicht. Nun steht es zwischen den Ostrivalen 53:33. Das erste Mal an diesem Abend merkt man, dass die gute Laune der Angereisten etwas verflogen ist.
„Wer nicht hüpft, der kommt aus Chemnitz!“. Kaum fallen diese Worte fängt der Block an zu beben. Durch diese „hüpfende“ Einlage der Thüringer kehrt auch wieder die gute Stimmung zurück. Bis auf 13 Zähler schaffen es die Thüringer, zum Ende des dritten Viertels, an den Erzrivalen heranzukommen. Vor allem jetzt wird es laut im Jenaer Block.
Was dieses Derby so außergewöhnlich macht? Natürlich die Atmosphäre. Im Gegensatz zu anderen Ligaspielen ist hier die Rivalität der beiden Vereine nahezu spürbar. Da sind auch kleine Provokationen aus beiden Fanlagern keine Besonderheit.
Das Schlussviertel beginnt. Das Spiel an sich plätschert jedoch vor sich hin, sodass die Sachsen ihren Vorsprung gut verwalten können. Die Hoffnung schwindet allmählich als drei Minuten vor Abpfiff sich die Punktedifferenz der beiden Teams kaum ändert.
Und Schluss! Chemnitz - 84 - und Jena - 67. Beide Clubs trennen sich also mit einem Punkteunterschied von 17 Zählern.
Eines ist jedoch klar: Auch wenn die eigene Mannschaft kein überzeugendes Spiel auf dem Parkett liefern konnte, haben die thüringischen Fans nie aufgehört die „Hightowers“ - also die Spieler von Science City Jena – nach vorne zu peitschen. Somit sind sie in jedem Falle Gewinner dieses Spieltages. Sogar als die Jenaer Spieler das Parkett in Richtung Katakomben verlassen, gibt es Beifall von den Gästerängen.
Man kann es die Ruhe nach dem Sturm nennen. Die Richard-Hartmann-Halle leert sich und dort wo vor zehn Minuten noch lautstark Fangesänge durch das Gebäude schallten, ist jetzt nur Musik über Lautsprecher zu hören.
Um kurz vor zehn Uhr geht es mit dem Bus wieder zurück in die Wissenschaftsstadt des Jahres 2008 - Jena.
Meinungen und Kritiken zum Spiel werden ausgetauscht. Auch auf dem Rückweg wird trotz des vergangenen Spielverlaufs gefeiert und gesungen. Das zeugt trotz allem von einer sehr schönen Auswärtsfahrt.
Fragt man bei den mitgereisten Fans, wie die Stimmung gewesen sei, erhält man generell nur positive Rückmeldungen. Auch wenn es letztendlich nicht zu einem Derbysieg reichte, gelohnt hat es sich für alle.

Ein französischer Fremdsprachenassistent aus Hermsdorf - Nicolas Ferron – meinte zu der Fahrt im Allgemeinen, dass die Deutschen schon etwas verrückt seien. Natürlich im positiven Sinne. Auch ihm bereitet die Fahrt offensichtlich viel Freude.
Lohnt es sich also, selbst einmal mitzufahren?
Nicolas meint ja, und auch objektiv betrachtet wäre es für jeden Basketballfan eine tolle Erfahrung. Es muss nicht unbedingt ein Derby sein. Jede Auswärtsfahrt hat seinen Reiz und macht jede Menge gute Laune.
Rückblickend betrachtet war es für alle Mitgereisten ein sehr schöner Abend. Und hätte Jena gewonnen, wäre dieser wohl noch besser gewesen.


Michael Sieß
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 21.04.2011 | 22:23  
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