Bienen sind gestresster. Während einige Imker von außergewöhnlichem Bienensterben sprechen, läuft in den Tälerdörfern alles nach Plan

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Dass seine Bienen keine Pollen durch die „Einflugschneiße“ tragen, liegt daran, dass das Foto bei neun Grad entstand. Derartige Temperaturen nutzen die Bienen eher zum Wasserholen, Aufräumen und enger zusammen „kuscheln“.
 
Siegfried Herold aus Eineborn ist Imker mit Leib und Seele. 50 Jahre war er Vorsitzender des Imkervereins Täler e.V., organisiert im Landesverband Thüringer Imker und dem Deutschen Imkerbund. Jetzt hat er den „Staffelstab“ an den Nachwuchs übergeben.
Eineborn: Imker Siegfried Herold | Nein, von einem außergewöhnlichen Bienensterben aufgrund unsachgemäßer Pestizidverwendung in der Landwirtschaft kann Siegfried Herold nicht sprechen. Klar gebe es im Winter immer Verluste unter den Völkern. Die seien aber mit etwa 20 Prozent in den vergangenen Jahren relativ stabil geblieben, zumindest bei ihm. „Sicher sind Bienen heutzutage mehr gestresst, vor allem auf dem Land“, bestätigt er. Gleichwohl fügt der Imker an, dass es kaum Verluste gibt, wenn die Landwirte Pestizide ordnungsgemäß verwenden.

Immer wieder für Schlagzeilen sorgt das Insektizid Clothianidin, dass beim Mais zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers eingesetzt wird. Der Wirkstoff ist umstritten. 2008 wurde nachgewiesen, dass er für das Sterben von Millionen Bienen verantwortlich sei. Entwarnung gibt Roland Kirchner, Sachbearbeiter Pflanzenschutz in der Außenstelle Stadtroda des Landwirtschaftsamtes Rudolstadt/Schwarza: „Das Mittel wird hier nicht eingesetzt. Bei uns ist der Schädling zum Glück noch nicht aufgetaucht“. Örtlich eng begrenzte Probleme kann es nach seiner Auskunft nur durch unachtsame Bürger geben, die Insektizide nicht entsprechend der Gebrauchsanleitung in ihrem Garten einsetzen. Ganz wichtig sei hierbei, die Mittel niemals auf Blüten zu sprühen.

Als weitaus größeres Problem sieht Siegfried Herold die Ende der siebziger Jahre eingeschleppte Varroa-Milbe. Ähnlich einem Blutegel beim Säugetier frisst sich diese Milbe an der Honigbiene fest. Der Parasitenbefall bewirkt ein seuchenartiges Bienensterben. Deutschlandweit wird etwa von einem Drittel der Bienenvölker gesprochen, die den Winter aufgrund der Varroa-Milbe nicht überlebt haben sollen. Wegzubekommen sei die Milbe laut Herold nicht. Allerdings könne man mit den bestehenden Bekämpfungsmethoden den Milbenbefall dezimieren.

Siegfried Herold ist Imker mit Leidenschaft. 50 Jahre lang war er Vorsitzender des Imkervereins Täler e.V., der bereits Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde. Erst vor wenigen Wochen hat der inzwischen 79-jährige Senior seinen Vorsitz an den Nachwuchs weitergegeben. Jetzt führt Sophie Heinze aus Rattelsdorf die Geschäfte. Herold kennt die Imkerei von der Pieke auf und stellt natürlich auch Veränderungen fest. Bis zu 55 Mitglieder hatte der Verein mit bis zu 700 Völkern. Mit der Wende hat die Imkerei einen großen Einbruch erlebt. Übrig geblieben im Verein ist ein Dutzend Imker mit etwa 100 Völkern. Umso mehr freut es ihn, dass die Imkerei thüringenweit wieder Zuspruch erfährt, zunehmend auch unter Frauen. Und er möchte allen Neulingen Mut machen. Klar bedarf es neben den drei bis fünf Bienenvölkern einiger Investitionen, man braucht einen geeigneten Standort und sollte selbst nicht allergisch auf Bienenstiche reagieren. Fachliche Hilfe gibt es bei den Imkervereinen und beim Landesverband Thüringer Imker in Oberweimar. Letztere bieten auch Lehrgänge bis hin zum Anfängerkursen an. Und nicht vergessen: Die Biene ist das drittwichtigste Haustier und weitaus mehr als nur Honigproduzent!
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15 Kommentare
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 22.05.2012 | 22:33  
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Lydia Schubert aus Nordhausen | 22.05.2012 | 22:35  
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Hannelore Grünler aus Artern | 23.05.2012 | 03:14  
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D D aus Jena | 23.05.2012 | 06:17  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 23.05.2012 | 09:11  
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Steffen Weiß aus Gera | 23.05.2012 | 14:11  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 24.05.2012 | 18:31  
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Steffen Weiß aus Gera | 24.05.2012 | 18:37  
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Hans-Gerd Born aus Erfurt | 24.05.2012 | 18:59  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 26.05.2012 | 19:20  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 28.05.2012 | 17:04  
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Renate Jung aus Erfurt | 10.06.2012 | 21:10  
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