Wir haben es satt

Wir haben es satt …
… war das Motto, das am letzten Samstag etwa 30.000 Menschen zu einer Großdemo in unserer Bundeshauptstadt vereint hat. Parallel zur jährlich stattfindenden „Grünen Woche“, auf der sich unter anderen Landwirte und Verbraucher, Vertreter von Lebensmittelkonzernen, Lobbyisten sowie die EU-Agrarminister treffen, brachten dort zum nunmehr vierten mal unterschiedlichste Menschen ihren Unmut und ihre Sorgen mit friedlichen und bunten Straßenprotesten zum Ausdruck. Zu den etwa 100 Organisatoren der Aktion gehören unter anderem der Bund Umwelt- und Naturschutz (BUND), die Organisation Campact – Demokratie in Aktion, der Deutsche Tierschutzbund, die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Brot für die Welt, Misereor, Bioland und Imkerbund. Aus Stadtroda hatten sich drei Mitglieder des Umwelt- u. Naturschutzvereins in den bunten Zug eingereiht. Sie fanden sich inmitten von Menschen jeden Alters und unterschiedlichster sozialer Herkunft. Veganer waren ebenso anzutreffen wie Bratwurstesser und vermutlich auch Weißbiertrinker. Protest zeugte in vielfältiger Form nicht nur von großer Kreativität, sondern auch von Solidarität und Optimismus aber in nicht wenigen Fällen auch von Wut und Zukunftsangst.
Neben den Lebensmittelskandalen oder dem Missbrauch von Antibiotika und Wachstumshormonen die immer mal in aller Munde sind, ging es auch um ganz aktuelle brisante politische Entwicklungen, die bisher wenig öffentliches Aufsehen erregt haben. Zehntausende Hektar Land im Osten Deutschlands und auch in Osteuropa wurden und werden ausgerechnet von staatlichen Stellen meistbietend an Großinvestoren verkauft. Diese vertreten Hedgefonds oder Leute aus Industrie und Finanzwelt, die einfach nur ihr Geld vermehren wollen. Bäuerliche Betriebe werden in einen verschärften unlauteren Wettbewerb gezwungen, in dem sie immer schlechtere Überlebenschancen haben.
Gesetzlichen Regelungen zum Verbraucher-, Umwelt- und Naturschutz, die in der EU und vor allem in Deutschland einen vergleichsweise hohen Stellenwert haben, droht jetzt die Aushebelung durch die Hintertür. Seit Mitte 2013 verhandeln Vertreter von EU und USA hinter verschlossenen Türen über die sogenannte Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP). Im Verfahren bleibt bisher nicht nur die Öffentlichkeit außen vor, sondern auch das EU-Parlament. Zu erwarten ist, dass im Interesse von Chemie- und Lebensmittelkonzernen nationale Gesetze ausgehebelt werden. Sogar Schadensersatzklagen gegen nationale Regierungen wegen entgangenen Gewinns infolge staatlicher Restriktionen sollen bald auf der Tagesordnung stehen.
Übrigens sollten wir die Bösen nicht immer jenseits unserer Grenzen suchen. Deutschland gehört inzwischen nicht nur zu den Ländern mit dem höchsten pro Kopf Verbrauch an Fleisch. Mit unseren Tierfabriken und Riesenschlachthöfen sind wir inzwischen auch zu einem großen Fleischexporteur geworden. Vor allem in vielen armen Ländern der Erde tragen wir so massiv zum Ruin von Kleinbauern und zur Zerstörung ländlicher Sozialstrukturen bei. Über ein Zitat, das auf einem Transparent der Demo zu sehen war, sollten wir alle gründlich nachdenken:
Billiges Essen können wir uns nicht leisten!
Dieter Grützmann
Umwelt- u. Naturschutzverein Stadtroda e.V.
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