Deutsche Postgeschichte in Thüringen: In Gehlberg gibt es noch ein Postamt - als Museum

Das waren noch Zeiten, als man sich auf einen Quadratmeter quetschten musste und die freundliche Dame am Schalter per Handvermittlung für die richtige Verbindung sorgte. Man lauschte dem Tuten im Hörer und wartete gespannt auf Antwort. Das Telefon mit dem gusseisernen Hörer war der einzige Gegenstand von der Post, der sich noch im Gebäude befand, als Hartmut Trier 2004 das Objekt kaufte und aufwendig sanierte.
Gehlberg: Postamt-Museum |

“Postämter sind in Deutschland komplett ausgestorben. Einzelhandelsketten, Lotto-Annahmestellen oder die Postbank - vor allem in den großen Städten - sind heute als Agenturen Anlaufpunkte für Postdienstleistungen“, erklärt Hartmut Trier. In den ehemaligen Gebäuden der Postämter sind heute Geschäftsräume, Wohnungen oder Gaststätten zu finden. In allen, bis auf eines. Und dieses Postamt aus dem Jahr 1903 ist im Besitz von Hartmut Trier.



Es befindet sich in Gehlberg, einem kleinen Ort unweit der Schmücke. „Ich gehe davon aus, dass ich hier das einzige Postamt der Staatspost mit Vorraum, Schalterhalle, Packkammer, Brief-Eingangs- und Absendungsbereich wieder aufgebaut habe“, erklärt Hartmut Trier.

Der begeisterte Postler hat hier in kompletter Eigenregie ein Postamt-Museum geschaffen - wahrscheinlich einmalig in Deutschland. „Ich möchte die Geschichte der Post, die Arbeitsmittel und Zeitdokumente für nachfolgende Generationen bewahren und zeigen, wie ein Postamt arbeitete. Die Schalterhalle ist detailgetreu eingerichtet.“ Dafür hat er unendlich viele, oft ausrangierte Dinge, auch von der Bundespost, zusammengetragen. Dazu hat er in Archiven gestöbert, im Internet und auf Flohmärkten gekauft, auf Auktionen ersteigert oder von Freunden und Kollegen geschenkt bekommen. So sind unter anderem zwei Schalterterminals, der Schreibtisch eines Dienststellenleiters, ein Tresor, Briefmarkenautomaten und Briefkästen, eine Sammlung von Fahrzeugmodellen der Post bis hin zu wertvollen Briefmarkensammlungen zusammengekommen. „Viele Kollegen wissen bei mir ihre Sachen in guten Händen.“

Nach zehn Jahren Arbeit konnte Hartmut Trier auch dank tatkräftiger Unterstützung durch seinen jüngsten Sohn, sein Thüringer Postamt-Museum Ende 2014 eröffnen. Dass Hartmut Trier für seine Sache brennt, wird bei einer Führung schnell klar. Zu jedem Gegenstand oder geschichtlichem Detail weiß er viel zu erzählen. Kein Zufall, denn sein ganzes Berufsleben war er in irgendeiner Weise mit der Post verbunden und hat aktiv den Prozess der Umgestaltung begleitet. „Ich bin auch weiterhin an Zeitdokumenten und Arbeitsutensilien, die im Zusammenhang mit der Post stehen interessiert, um meine Ausstellung erweitern zu können.“


Kontakt: Thüringer Postamt-Museum Gehlberg, Führungen für Postinteressierte nach Vereinbarung bei Hartmut Trier, 0171/2244839
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