Ewigkeit - Du Schöne

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Ewigkeit - Du Schöne


Ich denke an Kerstin. Jedes Mal - am Ewigkeitssonntag. Wenn das Kirchenjahr zu Ende geht. Die Tage kürzer werden. Und die Woche zwischen den Jahren beginnt. Die stille Woche. Die uns so laut umgibt. Ich denke an Kerstin. Eine Schönheit war sie. 17 Jahre jung. Sie gehörte zum Freundeskreis. Eine Weile ist das her. Vergessen habe ich sie nicht. Im Gegenteil. Meine Erlebnisse sind hellwach. Ich erinnere. Oft waren wir unterwegs. Am Wochenende. Beim Trampen. Eine Rotweinflasche im Rucksack. Die Caro-Schachtel in der Hosentasche. Und immer auf der Hut, wo die nächste Volkspolizeistreife auf uns wartete. Unterwegs - redend, schwatzend, liebend. Die Nächte wurden zum Tag. Das Leben war einfach schön. Ungebunden und mit dem Vertrauen der Eltern zogen wir durch unsere kleine Welt. Doch dann geschah das Unvorhergesehene. Das, was doch zum Leben gehört. Was wir so oft vergessen. Was Ihnen und mir begegnen wird. Der Tod. Das irdische Ende. Ich nenne es - den Weg zur Ewigkeit, der Schönen. Es geschah von einem Tag auf den Anderen. So starb Kerstin. Mitten im November. Das Geschehene war entsetzlich. Mitten in der Blüte Ihrer Jugend starb ein junges Mädchen.

Ich sehe uns, die Freunde - noch bis heute - im Trauergottesdienst. Vor uns das Kreuz mit dem Körper Christi. Und wir. Mit unseren grünen Kutten. Dem Aufkleber “Schwerter zu Pflugscharen”. Und klammen und feuchten Händen, geballt in den Taschen. Fragen über Fragen in unseren Köpfen. Die Augen unsicher suchend nach Gewissheit. Gewissheit, dass nicht geschehen sein sollte, was wir nicht glauben konnten. Die Augen gehalten, weil Ihre Augen nun geschlossen waren. Wir konnten nicht mal weinen. Von einem Tag auf den Anderen - Tot. Das war unbegreiflich. Ich denke auch an Ihre Eltern, bis heute. Mit ihrem fröhlichen gelebten Glauben war das junge Mädchen vielen Freunden eine Lichtgestalt. Auch weil es Kerstin gab, bin ich Pfarrer geworden. Der Pfarrer damals erzählte viel aus ihrem Leben. Und von der Schönheit des Glaubens. Und Lebens. Ich schüttelte den Kopf.
Erst später wurde mir bewusst, wie klug doch seine Worte waren. Und eines, eines habe ich mir bis heute gemerkt. Er sagte uns. Drei Daten sind im Leben eines Menschen wichtig: Geburt zum Einen: Die Freude des Werdens und In-die-Welt-Kommens. Tod zum Zweiten: der uns umfängt. Auf uns wartet mit kaltem Hauch. Und, ja das dritte Datum reicht über den Tod hinaus. Es ist die Taufe. Meine Taufe wird mich in die Ewigkeit führen. Ewigkeit, Du Schöne. Der Mystiker Gerhard Teerstegen beschreibt es “Ewigkeit, Du Schöne, mein Herz an Dich gewöhne.“ Darauf vertraue ich. Das glaube ich. Weil ich dem Wort der Heiligen Schrift vertraue: “...und G`TT wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Es ist alle neu geworden.” Was für eine schöne Zusage.
In diesem Jahr war es. Da stand ich am Grab und habe auf dem Grabstein gelesen. Die drei Daten Ihres Lebens. Geburt und Tod und in die Ewigkeit weisend: das Datum der Taufe. Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnetes Wochenende mit dem festen Vertrauen, dass die Schönheit der Schöpfung irdisch und zugleich himmlisch ist. Und einen Ewigkeitssonntag mit dem Blick auf das Wichtige im Leben. Und für unsere Freunde in Frankreich beten wir:
G`TT, höre unsere Klage und sieh auf das Leid unserer Freunde in Frankreich.
G`TT höre unsere Klage, und komm mit Deiner Hilfe.
G`TT sieh unsere Trauer und schweige nicht zu den kaltblütigen Morden. Nimm unter Deinen Schutz die, die wir nicht schützen konnten: die Jungen, die sangen und tanzten, die Paare, die sich trafen, die Freunde, die Fußball schauten, die Jungen und Alten, Frauen und Männer. Frauen und Männer. Sühne du ihren Mord. G`TT, höre unser Rufen und behüte die Verletzten, die die unter Schock-Stehenden. Umhülle mit Deiner gegenwart die Trauernden. G`TT höre unser Gebet, verbirg dich nicht. Komm mit Deinem Trost und Leben. Breite Deinen Frieden aus in unserer Mitte.

Ihr Superintendent Johannes Haak.
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