Schatz im Wald: Jagdhaus Gabelbach zeigt jetzt eine Tür, durch die Goethe ging

Kleiner Schatz im Wald, das Jagdhaus Gabelbach bei Ilmenau.
 
Originale Tür vom Goethehäuschen.
Ilmenau: Jagdhaus Gabelbach |

Im Wald, bei Ilmenau, befindet sich das Jagdhaus Gabelbach. Es wurde im Sommer 1783 im Auftrag von Herzog Carl August gebaut. Es diente ihm und seiner Jagdgesellschaft als Gästehaus. Hier weilte auch Goethe oft als Gast.

Die 16 Stufen knarren bei jedem Schritt, ganz so als würden sie damit ihre Geschichte erzählen. Mehr als 230 Jahre haben diese Holzdielen geduldig bedeutende Adlige, Dichter, Wissenschaftler, Jäger und viele weitere Menschen getragen. Diese Stufen führen im Jagdhaus Gabelbach in das Obergeschoss. Auch einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Johann Wolfgang von Goethe, nutzte das Jagdhaus nachweislich als Unterkunft für seine Naturstudien rund um den Ilmenauer Berg Kickelhahn, bewohnte im Obergeschoss drei Zimmer.

Während das Obergeschoss bis vor Kurzem eine Ausstellung der 1960er Jahre präsentierte, konnte bereits im Jahr 2015 die neue Ausstellung „Der Kickelhahn – Goethes Wald im Wandel“ im Erdgeschoss eröffnet werden. Jetzt ist auch die obere Etage aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Nach dreimonatiger Bauzeit konnte Ende September eine neue Ausstellung eröffnet werden. Im Mittelpunkt stehen Goethes Aufenthalte, von den geselligen Jagdausflügen mit Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach bis hin zu einsamen Waldspaziergängen und Begegnungen mit seinen Ilmenauer Freunden. Kathrin Kunze, Museumsleiterin, ist sich sicher, dass der Besucher viel Interessantes und Neues erfahren wird. Dafür hat sie zehn Gründe parat:

1. Historische Ausstellungsstücke und moderne Medienstationen befinden sich in guter Symbiose. Bergrat Mahr wird wieder lebendig und erzählt aus seinem Leben.

2. Es gibt die Originaltür aus dem Goethehäuschen am Kickelhahn zu sehen. Goethe schrieb an die Bretterwand der Jagdaufseherhütte „Wanders Nachtlied“. Das Holzhaus brannte 1869 komplett nieder. Die Tür befand sich damals gerade zur Reparatur und ist dadurch der einzige erhaltene Gegenstand aus dem Goethehäuschen.

3. „Wanders Nachtlied“, eines der schönsten deutschen Gedichte, gibt es nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören. Carl Friedrich Zelter vertonte das Gedicht 1831. Das Duo „Con Emozione“ bringt die Urfassung zu Gehör, die Gruppe „Janna“ aus Ilmenau eine moderne Interpretation.

4. Waffen und Jagdgegenstände von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, einem Freund von Goethe, sind zu sehen.

5. In einer Vitrine steht die erste Gesamtausgabe von Goetheschriften aus dem Jahr 1778.

6. Originale Möbel, Porzellane und Aquarelle, zum Teil aus dem persönlichen Besitz der Hofdame und Freundin Goethes, Charlotte von Stein, können bestaunt werden.

7. Das bisher noch nie veröffentlichte Gedicht „Lethe“ von Carl Ludwig von Knebel liegt als Faksimile und in transkribierter Form vor. Das Original wird im Depot im Goethestadtmuseum Ilmenau verwahrt. Es ist ein kleiner Schatz.

8. Ein sogenannter Staarstein aus Manebach, die Luftwurzel eines fossilen Baumfarngewächses aus der Zeit des Perms, gelangte über Alexander von Humboldt nach Berlin. Jetzt wird er als Leihgabe vom Berliner Naturkundemuseum mit historischem Inventarzettel hier ausgestellt.

9. Wenn Goethe im Jagdhaus Gabelbach weilte, bewohnte er drei Zimmer im Obergeschoss. In einem befindet sich noch heute sein klappbarer Schlafsessel, in der Schreibkammer steht ein Pult aus der Goethezeit. Im eigentlichen Wohnbereich ist seit Neueröffnung des Obergeschosses ein repräsentativer Schreibsekretär zu sehen, der einstmals der Unternehmerfamilie Wenzel in Ilmenau gehörte.

10. Die Gabelbachgemeinde, eine Gemeinschaft nationalkonservativer Ilmenauer Honoratioren, bewahrte das Gebäude zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor dem Verfall und richtete eine Goethegedenkstätte ein. In zwei Räumen wird die Wirkungsgeschichte dieser Museumsanfänge bis in die heutige Zeit anhand zahlreicher Schriftstücke, unter anderem einem Ausstellungsführer von 1911, dokumentiert.

Hintergrund:
- Das Jagdhaus Gabelbach befindet sich unterhalb vom Kickelhahn bei Ilmenau. Herzog Carl August ließ es 1783 errichten.
- Vom Parkplatz an der Herzog-Röder-Wiese (Straße von Ilmenau nach Frauenwald) ist es nach einem kleinen Anstieg über einen Waldweg gut zu erreichen.
- Im Erdgeschoss befindet sich die Ausstellung „Der Kickelhahn – Goethes Wald im Wandel“. Im Obergeschoss ist die neue Ausstellung untergebracht. Hier befindet sich auch der repräsentative Fest- und Speisesaal.
- Öffnungszeiten: November bis März: Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr; April bis Oktober 10 bis 17 Uhr
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 03.11.2015 | 21:44  
Ines Heyer aus Saalfeld | 04.11.2015 | 14:15  
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