Das Geheimnis der alten Schrift: Jürgen Hartung aus Langewiesen würde es gern lösen

Jürgen Hartung interessiert sich für Geschichte und verbringt viel Zeit mit alten Büchern, insbesondere Kartenwerken.
 
Karten von 1908 und viel älter bewahrt der Rentner auf.
Langewiesen: ... |

Jürgen Hartung verehrt seinen Großvater, obwohl er ihn nie kennen lernte. Die Schrift in den alten Unterlagen ist Altdeutsch - ein ungelöstes Rätsel für den Enkel. Wer kann helfen, Licht in das Schicksal seines Großvaters zu bringen?

Jürgen Hartung streicht beinahe zärtlich über das in Leinen gebundene Fotoalbum. „Grüße vom Felde“ hat jemand vor langer Zeit in den Farben Schwarz-Weiß-Rot darauf gestickt. Das Büchlein mit Fotos und kolorierten Ansichtskarten aus dem Ersten Weltkrieg ist die letzte Erinnerung an seinen Großvater, den der 1948 geborene Enkel nur vom Erzählen kennt. Jetzt hat der Ofenbaumeister im Ruhestand endlich Zeit, sich mit seinem Steckenpferd zu beschäftigen: Geschichte, zu der auch die Familiengeschichte gehört. In seinem Haus in Langewiesen ist genug Platz vorhanden, um Stammbäume, Fotos, Briefe und Dokumente aufzubewahren.

Das letzte Lebenszeichen - eine Ansichtskarte


Jetzt liegt ein Teil davon auf dem Wohnzimmertisch. Hartung zieht eine Ansichtskarte aus dem Jahre 1917 hervor. Sie zeigt die Vorderansicht des Lessingtheaters in Berlin. „Das letzte Lebenszeichen meines Großvaters“, kommentiert er und zündet sich eine Zigarette an. „Keine vierzehn Tage, nachdem er die Karte abgeschickt hat, ist er gefallen.“ Obwohl er den Großvater nie kennen lernte, empfindet Jürgen Hartung so etwas wie Hochachtung vor dem Mann. Warum das so ist, darüber kann er nur Mutmaßungen anstellen: „Vielleicht liegt das an meinem Vater, der aus dem Zweiten Weltkrieg heimkehrte und eisern schwieg. Sein Schweigen brach er erst, als ihn mein Sohn mit Fragen über den Krieg löcherte.“
Beim Erzählen bläst Hartung den Rauch aus. Das beruhigt ihn. Er ist aufgewühlt, wenn er in den alten Unterlagen blättert und die Fotos immer und immer wieder anschaut.

Briefe an Rosa


Emil Hartung, Jahrgang 1878, hat viele Briefe und Ansichtskarten an seine Frau Rosa geschrieben. Fast alle sind im Nachlass enthalten, den die Familie wie einen Schatz hütet. Von Generation zu Generation werden die Papiere weitergegeben.
„Ich habe noch viele Unterlagen aus dieser Zeit. Auch die Benachrichtigung vom Tod meines Großvaters. Aber es ist alles in altdeutscher Schrift verfasst, ich kann es nicht entziffern“, bedauert Hartung. „Ich wüsste gern, wo mein Großvater gefallen ist, unter welchen Umständen. Wenn ich jemanden fände, der diese Schrift lesen kann, wäre ich unendlich dankbar.“
Jürgen Hartung, der in den Sechzigerjahren Bezirksmeister im Boxen war, ist kein Mann, der in der Vergangenheit lebt. Aber er hat seine Lebensphilosophie: „Jeder sollte wissen, woher er kommt und wer er ist.“ Die Familie ist gediegen, aber modern eingerichtet, das Wohnzimmer mit dem großen, selbstgebauten Kamin strahlt Behaglichkeit aus. Im Regal stehen einige Bücher mit teils zerfledderten Rücken. „Ihr Alter entschuldigt den Zustand“, sagt Jürgen Hartung jetzt lächelnd.

Schätze aus dem Bücherregal


Seine Schätze zu zeigen bringt ihn auf andere Gedanken. Einige Bücher sind Jahrhunderte alt. Eine in oranges Leinen gebundene Schrift erklärt die Ausübung der ehelichen Pflichten mit entsprechenden Darstellungen. „Oh“, macht Jürgen Hartung und schmunzelt. „Das habe ich mir noch gar nicht so genau angesehen.“ Die Sammlung geografischer Karten scheint sein Interesse eher geweckt zu haben. Lesezeichen künden davon, dass Hartung diese Bücher öfter zur Hand nimmt. Auch jetzt wird er wieder ganz eifrig. „Schauen Sie mal, die alten Karten vom Königreich Sachsen. Erfurt gehörte 1908 noch zu Preußen und Weimar war 1920 die Hauptstadt von Thüringen.“
Auf seine Schätze muss Jürgen Hartung ein wenig aufpassen, damit seine Frau sie nicht wegräumt. „Die verschlissenen Buchrücken gefallen ihr nicht so gut“, verrät der Rentner und lächelt fast ein wenig verschwörerisch.

Viele offene Fragen


Kaum stehen die Schätze fein säuberlich im Regal, verfliegt Hartungs Hochstimmung. Die Fotos und Dokumente vom Großvater kommen auf dem Tisch nun wieder zum Vorschein. „Wissen Sie, was mich so traurig macht?“, fragt Jürgen Hartung und erklärt sich sogleich selbst: „Die meisten Leute müssen die Unterlagen ihrer verstorbenen Familienmitglieder erst lange bei Behörden und Ämtern suchen. Ich habe alles und kann lediglich die Schrift nicht lesen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, eines Tages Antworten auf meine Fragen zu bekommen.“

Wer Jürgen Hartung helfen kann und möchte, nehme mit mir Kontakt auf: j.scheiding@allgemeiner-anzeiger.de
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1 1
1 1
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
3 Kommentare
1.616
Lutz Leipold aus Ilmenau | 25.05.2016 | 10:18  
692
Petra Wolf aus Gotha | 25.05.2016 | 20:23  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 26.05.2016 | 08:27  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige