Große Freiheit Amerika

  Ilmenau: ... | Was die US-Car- und Harley-Freunde aus Arnstadt am 1. Oktober taten, das hatten sich die Ilmenauer „Barndogs“ (www.barndogs.de) für das vergangene Wochenende vorgenommen: abwintern, bevor die meist mit Saisonkennzeichen ausgestatteten „Schätzchen“ stillgelegt werden. Quartier hatten die Campingliebhaber mit ihren Autos und Caravans auf einer Lichtung am alten Schwimmbad in Herschdorf bezogen. „Wir wollten das letzte Wochenende, an dem man campen kann, noch einmal richtig ausnutzen“, erklärt Mitinitiatorin Gerit Sander und strahlt wie die Sonne, die hell am wolkenlosen Himmel steht.
Ungefähr eine Stunde zuvor hatte ich mich zu diesem verschwiegenen Plätzchen auf den Weg gemacht. Wo das lag, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Gläubige hätten den „Herrn“ um ein Zeichen gebeten. Doch der Schöpfer erwies sich als großzügig und sandte mir einen Wegbereiter in Gestalt eines US-Polizeiwagens. In der bloßen Annahme, dass er auch zu diesem Treffen unterwegs war, ließ ich ihn überholen und heftete mich an seine Reifen. Was gar nicht so einfach war, denn er hatte ungefähr 150 PS mehr als mein Gefährt. Und so musste ich meinen Dacia ordentlich die Sporen geben, damit ich die „Polizisten“ in den Serpentinen von Pennewitz und Herschdorf nicht verlor.
Mithilfe der „Polizei“ auf dem Platz angekommen, registriere ich, dass man sich schon zur Ausfahrt rüstet. Ziel ist das Schaubergwerk „Volle Rose“ im Schortetal. Heute darf ich neben Thomas Sander in dessen fast nagelneuem Ford F 150 Raptor mit etwa 450 PS Platz nehmen. Wir bilden das Schlusslicht und stehen mit dem Anführer der Kolonne in Funkkontakt.
„Hier ist der CB-Funk ja schon längst wieder out“, erklärt mir Thomas, der 1996 auf einer Studienreise seine Leidenschaft für die starken Fahrzeuge entdeckte. „Aber in den Weiten der USA ist er nicht wegzudenken“. Während er Obacht gibt, dass der etwa zehn Autos zählende Konvoi zusammenbleibt, erklärt er mir die Philosophie der Barndogs: „Lebe deine Träume und träume nicht dein Leben.“ Für die Unterhaltung der Fahrzeuge verzichte mancher der US-Car-Liebhaber auf Urlaubsreisen.
Die Barndogs haben auch Sympathisanten, die gar kein solches Auto fahren, aber die „große Freiheit Amerika“ trotzdem in sich spüren. Sie schätzen die geselligen Zusammenkünfte der Ilmenauer Gruppe mit Gästen aus Delitzsch, Aue, Auma, Schmalkalden oder Meiningen, die auf das Zusammensein mehr Wert legt als auf große Ausfahrten. Einige der Barndogs nutzen die großen Schlitten allerdings auch im Alltag. Wie Matthias, der in Gräfinau-Angstedt ein Dachdeckergeschäft hat. Wenn er an seinen Dodge noch den Caravan hängt, so hat das Ganze eine Länge von 14 Metern. Das funktioniert allerdings nur mit Sondergenehmigung, sonst dürfte Matthias sonntags in Deutschland nicht fahren. Ein Gefährt dieser Länge zählt hierzulande als Lkw.
Auf dem Parkplatz des Schaubergwerks angekommen, ist erst einmal Verschnaufpause angesagt. Zeit für ein Gruppenfoto und einen Blick in das Pussycar von Anett und André. Von innen und außen präsentiert sich der Chevrolet mit V8-Motor gänzlich im Katzenlook. Sogar der Reservekanister, die Bettbezüge, Interieur und – die Verpackung der Kleenextücher. In den 90er Jahren kaufte André das Auto und bastelt seitdem daran herum. Als nächstes sei der Boden dran, erklärt er mir und dass der Winter ja zu etwas gut sein müsse.
Im Bergwerk haben wir viel Spaß. Zuerst gibt es eine Fahrt durch die Umgebung mit einer kleinen Bahn, anschließend wird mit nahezu rasantem Tempo in die ehemalige Grube eingefahren. Wer größer als 1,75 Meter ist, muss den Kopf einziehen, „sonst kratzt es am Scheitel“, warnt uns der Verantwortliche, der Interessantes über die Arbeit der Grubenarbeiter erzählt. Das Schaubergwerk „Volle Rose“ ist übrigens auch ein Ausflugstipp für jene, die nicht mit einem US-Car unterwegs sind.
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3 Kommentare
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Petra Seidel aus Weimar | 16.10.2011 | 16:15  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 16.10.2011 | 16:16  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 23.10.2011 | 18:02  
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