Nicht ohne meinen Motorsägenführerschein

Bei seiner Arbeit trägt Olaf Jörss einen besonderen Schutzhelm: der ist nicht nur mit Sprechfunk ausgestattet, sondern auch mit einer so genannten Totmann-Funktion. Wenn der Helm aufgesetzt und 50 Sekunden nicht bewegt wird, werden sofort die umliegenden Rettungskräfte alarmiert. (Foto: Dietmar Mansfeld)
Ilmenau: ... | Ohne Schein geht ab 2013 im Wald nichts mehr. Gemeint ist der Motorsägenführerschein, den all jene erworben haben müssen, die künftig in Thüringen ihr Brennholz aus dem Wald holen wollen. Entsprechende Motorsägenkurse gibt es genug, aber Olaf Jörss von der Ilmenauer „Erlebniswelt Waldarbeit“ ist skeptisch: „Es gab bisher keine bundes- oder landeseinheitliche Regelung für diese Kurse. So gibt es sehr viele und sehr unterschiedliche.“
Der Namen sind dafür viele vergeben: Motorsägen-Kurs, Motorsägen-Lehrgang,
Grundkurs Motorsäge, Sägeschein oder Kettensägen-Lehrgang. Den 48-jährigen Diplom-Forstingenieur stört, dass nicht nur die Namen der Kurse, sondern auch deren Inhalte völlig verschieden sind. „Halbstunden-Kursen
ohne Waldbesuch kann ich nichts abgewinnen“, äußert Jörss sein Unbehagen.
Für den Motorsägen-Führerscheinkurs lernen Erwachsene den unfallfreien Umgang mit der Motorsäge. Das reicht vom Schneiden des "liegenden Holzes" bis zum Baumfällen. Deshalb die Vorschrift, immer mindestens zu zweit zu arbeiten. Bestandteil sind auch technische Unterweisungungen in die Funktion der Motorsägen, Aufbau, Wirkunsgweise, mögliche Reparaturen bei Ausfallerscheinungen und das Ersetzen der rasierklingenscharfen Ketten. Dazu gehört auch, welcher Treibstoff verwendet wird und welche Öle zum Einsatz kommen dürfen. Da wird besonders auf abbaubares Naturöl hingewiesen, mit dem die Gefahr, Waldboden und Grundwasser verunreinigen, am geringsten ist. Nicht zu vergessen die richtige Haltung beim Sägen und die günstigste Handhabung der schweren Motorsäge, damit es nicht zu Rückenproblemen, Rückenverletzungen oder Gelenkschmerzen kommt. Ein besonders Kapitel ist die Arbeit im Wald, bei der besondere Vorsicht beim Fällen und vor allem auch beim Schneiden umgestürzter Bäume nach Sturm und Gewitter gefragt ist. Gerade bei sturmgeschädigten Bäumen besteht die Gefahr, dass die geschnittenen Stammteile unversehens zurückfedern. Hier an der richtigen Stelle die Motorsäge anzusetzen, zeichnet den Spezialisten aus. Auch wenn Vorschriften wie Schutzanzug, Handschuhe und Kopfschutz banal klingen, muss in den Kursen immer wieder darauf hingewiesen werden.
Innerhalb des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KFW) haben Jörss
und einige seiner Kollegen durchgesetzt, dass bundeseinheitliche Richtlinien für solche Kurse erlassen werden. Und nicht nur das: Zu den ersten Betrieben, die im Rahmen der 16. KWF-Tagung mit ihren Urkunden auch das bundeseinheitliche „Gütesiegel für Motorsägenkursanbieter“ erhalten haben, gehörte Olaf Jörss. Der ist darüber sehr glücklich: „Wir freuen uns über diese Anerkennung.“
Den Motorsägenschein gibt es in drei Klassen: Für Liegendholz, Holz bis 25
Zentimeter Durchmesser in Brusthöhe stehend und das Gleiche für über 25 Zentimeter Durchmesser. Als „Durchbruch“ bezeichnet Jörss, dass ab sofort alle Kursteilnehmer über ein Bundeszentralregister erfasst werden.
„Einen weiteren Vorteil sehe ich darin, dass von nun an die nächstgelegenen Rettungspunkte auf dem Holzleseschein eingetragen werden müssen“, unterstreicht der Träger des Qualitätssiegels. "So ist im Fall eines Unfalls
Hilfe schnell zur Stelle“.
Künftig wird für Selbstwerber, wie die individuellen Holzsammler heißen,
außerdem eine komplette Schutzausrüstung gefordert. „Hat ein Selbstwerber einen Unfall und trägt keine Schutzausrüstung, ist es fraglich, ob die Versicherung vollständig für den Schaden aufkommt“, warnt Olaf Jörss. Außerdem müssen Selbstwerber künftig mindestens zu zweit arbeiten.
Der Aufenthalt im Wald soll insgesamt reglementiert werden. „Bisher wurden Absperrungen gern ignoriert“, empört sich Olaf Jörss, der seit dreißig Jahren für den Wald lebt. „Das ist ab sofort kein Kavaliersdelikt mehr. Betreten
verboten heißt tatsächlich betreten verboten.“
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