Zu Besuch bei der Thüringer Olitätenmajestät Ines May

Ines May ist die amtierende Olitätenmajestät in Thüringen.
 
Wenn Grünes um sie herum ist, geht es ihr gut.
 
Stilleben im Garten.
Großbreitenbach: Regionaler Förderverein | Kein Tag ohne Kräuter: Ines May ist die neue Thüringer Olitätenmajestät, außerdem Kräuterpädagogin und kann sich ein Leben ohne Pflanzen überhaupt nicht vorstellen.


Löwenzahn-Chutney. „Da war selbst ich skeptisch!“ Den anfänglichen Zweifel vertreibt beim Selbermachen schnell die Begeisterung. Besser noch, auf der Bestsellerliste von Ines May landet der Löwenzahn prompt auf Platz eins. „Ich habe jedes Jahr einen neuen Favoriten“, erklärt die Gothaerin. Dabei ist jede ihrer geliebten Pflanzen irgendwie ein Favorit, lässt sich daraus doch so vieles machen. Ihr Löwenzahn-Chutney sorgte jetzt übrigens für das berühmte i-Tüpfelchen, nachdem sie sich kundig durch zwanzig verschiedene Kräuter und deren Bestimmung gekämpft hatte.

Test bestanden: Ines May ist die neue Thüringer Olitätenmajestät - also eine Königin - gekürt vom Förderverein „Olitätenwege im Thüringer Kräutergarten“. Der hat sich vor allem dem Kräuterheilwissen und der Olitätentradition in Thüringen verschrieben. „Damit werde ich mich nun noch intensiver befassen“, verspricht die neue Majestät. „Natürlich kann ich keine Heilaussagen treffen, aber davon erzählen, welche Kräuter schon früher als traditionelle Heilmittel verwendet wurden.“

Köstliches aus Kräutern & Co.



Ines Mays Element sind eher die Gaumenfreuden. Unerschöpflich sind ihre Ideen und die Freude am Ausprobieren. Wildkräutersalat, mit Brennesselgemüse gefüllte Nudeln, Holunderblütenessig, Gelee von Heckenrosen, Zitronenbärenklaukuchen, Spitzwegerich in Öl, Ahornblütensalat, Senf aus Schaumkraut, Vogelbeeren-Marmelade oder gar - und das bezeichnet sie selbst als ziemlich verrückt - Pralinen aus Maifichtenspitzen sind nur einige ihrer Spezialitäten. Inspirationen findet sie direkt vor der Tür, man müsse nur die Augen offenhalten. „Ich versuche mich immer wieder an neuen Kreationen, probiere ganz viel aus“, sagt die Expertin für phantasiereiche und gesunde Pflanzenverwertung.

Bevor Ines May einen Salat anrichtet, streift sie erst einmal mit der Schüssel durch den Garten. Irgendetwas findet sich immer. Ganz wichtig bei der Zubereitung: Die Kräuter grundsätzlich mit dem Wiegemesser zerkleinern, das sorgt für das ideale Aroma. Außerdem, plaudert sie weiter aus dem grünen Nähkästchen, mache das Zusammenfügen der einzelnen Zutaten die Pflanze erst richtig schmackhaft, kitzelt ihre Stärken hervor. Eines liegt Ines May dabei sehr am Herzen: „Hände weg von Geschmacksverstärkern!“. Die sind überflüssig.

Die Königin teilt ihr Wissen



Ines May lässt gern andere an ihrem Wissen teilhaben, lädt zu Kräuterwanderungen ein, gibt Kurse an der Volkshochschule, hält Vorträge, kocht mit anderen Grün-Interessierten. In ihrer Heimatstadt Gotha, sagt sie, würde sie sich gern noch mehr einbringen. Auch, wenn sie jetzt als Olitätenkönigin mit zusätzlichen Aufgaben betraut ist. Für die quirlige Ines ist das kein Problem

Obwohl sie sich manchmal wünscht, mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Denn alles das tut sie neben ihrer normalen Arbeit. Rückt der Feierabend näher, kann sie es kaum erwarten, aus dem Geschäft herauszukommen. Endlich wieder Grünes um sie herum, endlich wieder Natur. Sie kann nicht ohne, Pflanzen braucht sie an jedem Tag um sich herum. Manchmal, gesteht sie, zieht es sie von der Arbeit direkt aufs Feld. Oder in den Wald. Oder in den Garten. „Die Pflanzen haben so im Spätsommer, Herbst die beste Kraft“, weiß Königin Ines. Obwohl jede Jahreszeit köstliche Vorlagen bereithält. Aber von November bis Anfang Februar sollte man der Natur Ruhe gönnen, rät sie.

Großvater weckte Interesse an Kräutern



Das und so vieles mehr hatte ihr schon der Großvater beigebracht. Mit dem war die kleine Ines so oft draußen unterwegs, von ihm hat sie so viel gelernt. Doch manchmal gerät Kinderwissen in Vergessenheit. Viele Jahre später sollte eine Freundin bei Ines das einstige Faible für die Pflanzenwelt wieder wachkitzeln: Sie nahm sie mit zu einer Kräuterwanderung und hatte sie im Handumdrehen mit ihrer Begeisterung angesteckt. So sehr, dass sich später beide an der Gundermann-Akademie einschrieben und sich seit einem Jahr Kräuterpädagogen nennen dürfen. Heute sind Ines May und ihre Pflanzen eins. „So, wie andere Leute ihre Haustiere streicheln, liebe ich die Pflanzen“, verrät sie und hat schon wieder die nächste verrückte Rezeptidee im Kopf.



Wissenswertes:



- Der „Thüringer Kräutergarten“ ist eine Mittelgebirgsregion von 240 km² im östlichen Thüringer Wald, deren größte Orte die Städte Bad Blankenburg, Großbreitenbach, Königsee und Oberweißbach sind. Aufgrund der besonderen geologischen, topografischen und klimatischen Bedingungen gibt es in diesem Gebiet einen großen Artenreichtum an Kräutern, Wald-, Feld- und Wiesenfrüchten.


- Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts stellte man hier in kleinen Waldlaboratorien Naturheilmittel, die sogenannten „Olitäten“ (alle Arten von Ölen, Essenzen, Kräuterlikören, wohlriechende Wässerchen etc.) her, daraus entwickelte sich ein eigener Erwerbszweig.


- Die Olitätenhändler, auch Buckelapotheker genannt, organisierten den Vertrieb der Olitäten per pedes in ganz Mitteleuropa, sie nutzten für den Vertrieb das Netz der „Olitätenwege“.


- Der 1994 gegründete regionale Förderverein „Olitätenwege im Thüringer Kräutergarten“ e. V. möchte diese jahrhundertealten Traditionen pflegen und touristisch nutzbar machen.


- Im Mai 2005 wurde der überregionale Olitätenrundwanderweg um und durch den „Thüringer Kräutergarten/Olitätenland“ übergeben. Auf den Spuren der einstigen Buckelapotheker verbindet der 177 Kilometer lange Weg die zu den Themen „Kräuter“ und „Olitäten(Naturheilmittel)gewerbe“ interessantesten Orte der Bildungs-, Gesundheits- und Tourismusregion „Thüringer Kräutergarten/Olitätenland“.


- Kontakt: Regionaler Förderverein „Olitätenwege im Thüringer Kräutergarten“ e. V., Myliusstraße 7, Großbreitenbach, www.thueringer-olitaetenland.de




Die Olitätenkönigin empfiehlt ein Rezept zum Nachmachen:



Gierschlimonade


Zutaten:


10 ältere Gierschstängel


10 Pfefferminzeblätter


ein Zweiglein Rosmarin


das selbe vom Thymian, Salbei, Waldmeister, Süßdolde, Fenchel, Holunderblüten, Zitronenmelisse


ein paar aromatische Rosenblätter


1 Liter Apfelsaft


1 Zitrone (Saft)


1 Flasche Mineralwasser


Zubereitung:


Kräuter kräftig zerdrücken, in einen großen Topf legen, den Apfelsaft darüber gießen und kühlstellen. Nach mindestens drei Stunden die Kräuter herausnehmen, den Zitronensaft zufügen. Vor dem Servieren mit gekühltem Mineralwasser aufgießen. Wir nehmen nur einfachen Apfelsaft, wegen des 100%igen Fruchtzuckeranteils - wir brauchen also nicht nachzuzuckern.Die Limonade hält sich im Kühlschrank zwei bis drei Tage, sie wird immer erst kurz vor dem Servieren mit Sprudelwasser aufgegossen, je nach Geschmack wie aromatisch man das Aroma möchte. Diese Limonade kann man das ganze Kräuterjahr herstellen, sie wird immer anders schmecken.
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