Ohne wird es teuer- Energieberater Steffen Lier klärt auf: Bei Verkauf und Vermietung von Gebäuden und Wohnungen muss ein Energieausweis vorliegen

 
Steffen Lier, Energieberater der Verbraucherzentrale Thüringen
Die Energiepreise steigen ständig und für die Verbraucher heißt es, sparen und nochmals sparen. Energieberater können dabei mit ihrem Wissen hilfreich zur Seite stehen. Einer von ihnen ist Steffen Lier. Der Diplom-Ingenieur aus Großbreitenbach ist ausgebildeter Energieberater und unter anderem im Auftrag der Verbraucherzentrale Thüringen tätig. Seine Mission: Energiefresser im Haushalt aufzuspüren oder festzustellen, wo die undichten Stellen im Gebäude liegen. Weiterhin stellt der Energieberater auch Energieausweise aus. Seit Oktober 2007 müssen diese vorliegen, wenn eine Immobile verkauft oder vermietet werden soll. Seit 1. Mai 2014 wurden die Anforderungen noch verschärft - im Falle eines Verkaufs oder Vermietung müssen energetische Kennwerte in Immobilienanzeigen angegeben werden. Diese Daten geben Auskunft über den energetischen Zustand eines Gebäudes und sollen vor bösen Überraschungen schützen. AA-Redakteurin Ines Heyer sprach mit Steffen Lier über den Energieausweis, seine Varianten und den schwarzen Schafen der Branche.


Wenn ich einen Kühlschrank kaufe, informiert mich ein Aufkleber über den Energieverbrauch. Klebt jetzt auch ein solcher an Gebäuden?
Das funktioniert hier ohne Aufkleber. Der Energieausweis ist eine mehrseitige Dokumentation, in der bestimmte Gebäudedetails, wie Wände, Dach, Fenster oder Türen aufgelistet und bewertet werden oder eben der komplette Verbrauch an Heizenergie. In der Summe wird aus allen Daten, genau wie beim Kühlschrank, eine energetische Einordnung erstellt, die von A+ bis H reicht.


Gibt es nur einen Energieausweis?
Nein. Wir unterscheiden grundsätzlich zuerst zwischen Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden. Hier gibt es jeweils zwei unterschiedliche Ausweisvarianten, den bedarfsorientierten und den verbrauchsorientierten Energieausweis. Bei neueren und modernisierten Gebäuden (Bauantrag ab 1978) sowie Gebäuden ab vier Wohneinheiten darf man zwischen beiden wählen, ansonsten muss immer der bedarfsorientierte Energieausweis ausgestellt werden.


Erklären Sie beide Varianten kurz...
Beim verbrauchsorientierten Energieausweis wird sich der Heizenergieverbrauch des Gebäudes in den letzten drei Jahren angesehen. Dieser ist stark vom Nutzerverhalten oder der Belegung von Wohneinheiten abhängig. Viele greifen zu dieser preiswerteren Variante, obwohl die Aussagen aufgrund der Nutzereinflüsse oft nicht korrekt sind. Für genaue Angaben empfehle ich immer den bedarfsorientierten Energieausweis. Dabei berechne ich den Energiebedarf des Gebäudes anhand vom Zustand der Gebäudehülle und der verwendeten Gebäudetechnik - bei durchschnittlichem Nutzerverhalten. Erstelle ich einen solchen Ausweis, komme ich direkt vor Ort und arbeite eine mehrseitige Checkliste durch, die ich dann am Computer auswerte. Zusätzlich gebe ich Empfehlungen für kostengünstige Modernisierungen.


Wer darf die Energieausweise ausstellen?
Die Frage, wer als Energieberater für die Ausstellung der Ausweise zugelassen ist, regelte die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2007 im § 21. Nur qualifizierte Experten, wie zum Beispiel auch Energieberater von der Verbraucherzentrale sind ausstellungsberechtigt. Weitere sind in verschiedenen Internetportalen gelistet. Die Verbraucherzentrale berät hierzu.


Gibt es auch schwarze Schafe in der Branche?
Ja. Hausbesitzer sollten sich nicht das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Eine neue Masche von Betrügern ist, per Telefon einen Energieausweis zu verkaufen und zu erklären, dass er für alle gesetzlich verpflichtend ist. Das ist Blödsinn. Nur wer seine Immobilie verkaufen oder eine Wohnung vermieten möchte, benötigt einen Energieausweis.


Woran erkenne ich einen echten Energieausweis?
Energieausweise erhalten seit 1. Mai 2014 bei Erstellung automatisch eine Registriernummer, über welche der jeweilige Aussteller zugeordnet werden kann. Weiterhin muss der Aussteller namentlich benannt und der Ausweis eigenhändig durch ihn unterschrieben sein. Es müssen enthalten sein: Art des Energieausweises, der Endenergiebedarf oder Endenergieverbrauch in kWh/m² und Jahr, der wesentliche Energieträger, das Baujahr des Gebäudes und die Effizienzklasse. Es erfolgen auch Stichprobenkontrollen für Energieausweise.


Was passiert, wenn ohne Energieausweis verkauft wird?
Wer ohne Energieausweis verkauft oder neu vermietet begeht eine Ordnungswidrigkeit. Das ist strafbar und kann Bußgelder bis zu 15000 Euro nach sich ziehen.


Weitere Informationen: www.verbraucherzentrale-energieberatung.de Energieberatung der Verbraucherzentrale im ilm-Kreis in Ilmenau, Arnstadt, Ichtershausen, Großbreitenbach nach Terminabsprache, Telefon 0361/555140

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