Keine Panik!

Hindernisparcours: Was Christoph Steinert, Anlagenverantwortlicher und Kreisausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr Gehren, hier lächelnd präsentiert, müssen Feuerwehrleute bei völliger Dunkelheit und Raucheinwirkung leisten – zum Beispiel die Feuerschutztür zu überwinden. Der Sauerstoff aus der Flasche reicht dafür etwa eine halbe Stunde.
Gehren: ... | Plötzlich wird es dunkel, Schreie ertönen, Feuer flackert auf. Es ist eng.
Thomas Müller bricht der Schweiß aus. Eben hat sich der Feuerwehrmann in voller Montur durch eine enge Luke gequetscht, jetzt klemmt diese verdammte Feuerschutztür. Hoffentlich reicht der Sauerstoff für dieses Unterfangen...
Gott sei Dank ist es nur eine Übung. Wenn etwas schiefgeht, jemand in Panik gerät, dann wird sofort das Licht angeschaltet und geholfen. Im Einsatz funktioniert das nicht.
Einmal im Jahr – so regelt es die Feuerwehrdienstvorschrift 7 – wird deshalb der Ernstfall simuliert. Dann müssen Feuerwehrleute wie Thomas Müller mit Atemschutzgerät eine entsprechende Atemschutzübungsanlage durchlaufen.
Die Anlage gehört zum Standard, jeder Landkreis sollte eine haben. Es gibt Anlagen, in denen der vorgeschriebene Parcours einfach durchlaufen
wird. „Es besteht aber auch die Möglichkeit, optische und akustische Reize einzuspielen, wie Schreie oder Feuer”, erklärt Alexander Blasczyk,
Geschäftsführer des Thüringer Feuerwehrverbandes mit Sitz in Erfurt.
Seit 15. November 2003 verfügt die Freiwillige Feuerwehr in Gehren über eine
48 Meter lange Atemschutzübungsanlage. „Zu uns kommen nicht nur Wehren aus dem Ilm-Kreis, sondern auch aus Nachbarkreisen wie Suhl oder Saalfeld-Rudolstadt”, weiß Christoph Steinert, Anlagenverantwortlicher und
Kreisausbilder. Fast jeden Freitag und Samstag wird in Dreiergruppen das „zielsichere Fortbewegen bei Rauch, Qualm und Enge” trainiert. In voller Montur geht es mit bis zu 18 Kilo Gepäck durch Luken, Gitter und
Feuerschutztüren. Kein Knopf darf geöffnet, kein Stück Haut zu sehen sein. Im Übungstank sind zwei Halbschotte zu überwinden. Die Räume sind verdunkelt, auf 80 Grad beheizt. Und der Sauerstoff reicht eine knappe halbe Stunde. „So wird geprüft, wie Einsatzkräfte mit Stress umgehen”, erklärt Steinert. Doch bevor es mit Atemschutzgerät in den Käfig geht, werden die Teilnehmer
mittels Endlosleiter (23 Meter bei 18 km/h) und Laufband (170 Meter bei 12 Prozent Steigung) „auf Puls gebracht”.
Alle drei Jahre muss die Eignung aus ärztlicher Sicht bestätigt werden – so fordert es die berufsgenossenschaftliche Vorschrift G 26/3. Der Blutdruck darf 160 nicht übersteigen. „Das ist schon ein kritischer Wert”, betont Steinert und erklärt: „In dieser Stresssituation kann alles mögliche passieren – bis zum
Herzstillstand”. In Gehren sei bei den Übungen noch nichts passiert, ist er froh und klopft in Ermangelung von Holz auf Metall. Doch er kenne Fälle, in
denen ein Rettungshubschrauber angefordert werden musste.


• In Thüringen gibt es insgesamt knapp 65.000 Feuerwehrleute. Über 39 000 Frauen und Männer sind aktiv im Einsatzdienst. Hinzu kommen 12 000
Jugendfeuerwehrleute. Alles andere sind Alters- und Ehrenkameraden.
Das Brand- und Katastrophenschutzgesetz ist die Grundlage für die Tätigkeit
der Feuerwehren. Darin wurde 2007 das Einstiegsalter von zehn auf sechs
Jahre heruntergesetzt.
• Brandschutz ist eine Aufgabe der Kommunen, es gibt aber auch überörtliche
Aufgaben, wie die Teilnahme an Übungen im Atemschutz. Jeder Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren, der die G26/3 Untersuchung
erfolgreich bestanden hat, muss zweimal im Jahr unter den Pressluftatmer und
einmal davon auch zum Durchgang in einer Atemschutzübungsanlage.
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6 Kommentare
3.865
Karin Jordanland aus Artern | 14.05.2012 | 21:10  
12.763
Renate Jung aus Erfurt | 14.05.2012 | 23:15  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 15.05.2012 | 01:26  
5.081
Joachim Kerst aus Erfurt | 15.05.2012 | 15:37  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 16.05.2012 | 10:09  
5.691
Petra Seidel aus Weimar | 18.05.2012 | 19:19  
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