10 Gründe, ans Ende der Welt zu reisen... und 10 Dinge, die man dabei beachten sollte

Tiere in ihrem eigenen Lebensraum beobachten: Unvergleichlich und bereichernd für Jana Scherf. (Foto: Jana Scherf)
 
Ein Schatz, den man nur am "Ende der Welt" findet: Nur an wenigen Tagen im Jahr scheint die Nachmittagssonne für eine kurze Zeit direkt auf den liegenden Buddha in der Tham Phu Kham Höhle nahe Vang Vieng, Laos. Diesem einzigartigen Moment durch puren Zufall beiwohnen zu dürfen war für Weltenbummler Mark Wistuba die Belohnung einer anstrengenden Radfahrt über viele Kilometer Staub- und grober Schotterpiste. (Foto: Mark Wistuba)
 
Wo bitte geht’s denn hier zum Ende der Welt? Am Kap der guten Hoffnung bekommen Reisende den Weg gewiesen und haben die Qual der Wahl.
 
Einsam erlebt man den Sonnenaufgang über die wunderschönen Karstlandschaften Vang Viengs (Laos) wenn man wie Mark Wistuba gegen 6 Uhr morgens die etwa 250 Höhenmeter zum Aussichtspunkt Pha Ngeun aufsteigt. (Foto: Mark Wistuba)

Weitgereiste ThüringerInnen lüften ihren ganz besonderen Reise-Erfahrungsschatz

Das Ende der Welt – für den einen ist es schon die Stadtgrenze, für den nächsten der hinterste Winkel Thüringens – und für andere schlicht und einfach die andere Seite der Erde! Um Abenteuer zu erleben muss man sicher nicht tausende Kilometer reisen – doch warum der Weg in die weitere Ferne mehr als lohnenswert ist, wissen weitgereiste ThüringerInnen. Allgemeiner-Anzeiger-Autorin Anne-Kristin Henker hat sie nach ihren ultimativen Tipps und Gründen gefragt. Neben den typisch praktischen, hier nicht aufgeführten Hinweisen, die zu jeder Reise passen – wie Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung und ähnliche – sind dies ganz persönliche und lebensbereichernde.

10 Gründe, ans Ende der Welt zu reisen


1. Den Alltagstrott hinter sich lassen.
„Raus aus dem Trott, erleben, wie schön und vielfältig das Leben auf unserem Planeten ist!“ Barbara Vetter und Vincent Heiland
„Ich schalte bei weiten Reisen viel schneller ab, lasse mich auf das ein, was am anderen Ende der Welt auf mich wartet: Die Menschen, die andere Sprache, neue Abläufe und alles, was es zu entdecken gibt. Ich genieße den Kulturschock im positiven Sinne.“ Jana Scherf

2. Die Welt mit eigenen Augen sehen und den eigenen Horizont erweitern.
„Man kann Bücher lesen, Filme ansehen oder Reiseshows besuchen: All das ist nichts gegen das eigene Erleben. Selbst sehen, riechen und fühlen prägt die eigene Lebenserfahrung am meisten.“ Roland Adlich
„Nur wer andere Kulturen kennt, kann sie schätzen und bewahren lernen – das gilt auch für den Naturschutz.“ Barbara Vetter und Vincent Heiland
„Es gibt Pflanzen im Regenwald, die kannte ich vorher nur als Zimmerpflanzen. Und in Panama wachsen sie viele Meter hoch!“ Jana Scherf

3. Das Leben genießen.
„Selbstversorger-Touren reduzieren den Alltag auf das Wesentliche: Die weltlichen Probleme lasse ich für eine Zeit hinter mir zurück, um einfach nur das Leben zu genießen, die täglichen Szenenwechsel und die Menschen am Wegesrand.“ Katja Grohmann

4. Das ultimative Gefühl von Freiheit erleben.
„Mit einem Mietwagen fremde Länder wie Südafrika, Guadeloupe oder Panama auf eigene Faust zu entdecken, das bedeutet für mich die pure Freiheit.“ Jana Scherf

5. Eigenständigkeit proben, Selbstbestätigung erhalten und das eigene Selbstbewusstsein stärken.
„Über seinen Schatten springen, neue Menschen treffen, zuhören, das stärkt das eigene Selbstbewusstsein auf tausend Ebenen!“ Katja Grohmann
„Es ist ein gutes Gefühl nach einer solchen Reise, die Herausforderung gemeistert zu haben. Man steht neuen Problemen auch im Alltag offener gegenüber.“ Roland Adlich

6. Ein Gemeinschaftsgefühl mit allen Menschen unserer Erde erfahren.
„Die Menschen lachen und weinen in der Ferne sicher über andere Dinge als wir. Aber auch sie lachen und weinen wie wir! Die Verbindung über die grundsätzlichen menschlichen Züge gibt einem ein neues Gefühl, in einer Welt zu leben.“ Robert Pauli

7. Ängste und Vorurteile abbauen und Toleranz (wieder-)erlernen.
„Alles was ich gesehen habe, macht mich unheimlich reich. Ich teile es zu Hause in Vorträgen mit anderen Menschen, denn nicht jeder kann und will so weit raus aus dem Alltag. Meine Erfahrungen sind eine Macht gegen Angst und Vorurteil – und eine Anregung für andere, vielleicht nicht alles immer als normal anzusehen, nur weil es hier immer so war.“ Robert Pauli
„Durch das Kennenlernen anderer Kulturen wie in Bhutan, Indien oder Tansania verstehe ich Andersdenkende besser: Der direkte Kontakt zu anderen, mir fremden Kulturen baut Vorbehalte ab und fördert die Toleranz.“ Roland Adlich

8. Echte, unvoreingenommene und selbstlose Gastfreundschaft erleben.
„In Charlottetown war ich etwas verloren und traute mich schließlich, einen Einheimischen anzusprechen. Er ließ mich bei sich wohnen und nahm sich spontan zwei Tage lang Zeit mich auf der ganzen Insel rumzuführen – ohne Geld! Er führte mich zu Plätzen, die in keinem Reiseführer stehen.“ Katja Grohmann
„Die Menschen gerade in ärmeren Ländern sind meist offen, gerade gegenüber 'Fremden'. Ich habe oft erlebt, dass mir ungefragt Hilfe angeboten oder ich eingeladen wurde – selbst dann, wenn ich selbst einen schlechten Tag hatte.“ Mark Wistuba

9. Sprachen lernen oder Sprachkenntnisse in die Praxis umsetzen.
„Spanisch erlernen – und das nicht trocken auf der Schulbank, sondern auch die Kultur erleben und mit Menschen sprechen: Während meiner Zeit in Chile wurde all dies Wirklichkeit!“ Michael Brandl

10. Sich wieder auf Zuhause freuen.
„Wenn man beim Camping in Botswana mal ganz ohne Strom und fließendes Wasser auskommen muss, weiß man es mit Sicherheit zu Hause ganz anders zu schätzen.“ Jana Scherf
„Für mich ein sehr schöner Grund unterwegs zu sein: Das Heimkommen am Schluss der Reise. Wenn die Zeit vorbei ist und ein Traum gelebt wurde, dann ist das nicht traurig: Nach dem Traum ist vor dem Traum!“ Mark Wistuba

... und 10 Dinge, die man dabei beachten sollte


1. Neugierig, abenteuerlustig und offen sein.
„Ohne Neugier gäbe es keine Reisenden, ohne Abenteuerlust keine Geschichten, ohne Offenheit kein Interesse, Neues auszuprobieren und kennen zu lernen.“ Michael Brandl

2. Die Reise gut vorbereiten.
„Zur Reisevorbereitung gehört auf jeden Fall ein guter Reiseführer, in den man auch vorher hineinschauen sollte. Besonders, wenn man nicht in peinliche Situationen geraten will, ist es wichtig, die kulturellen Eigenheiten zu kennen.“ Roland Adlich
=> auch Sicherheitsempfehlungen, Informationen zu Visa, Wetterbedingungen und Reisezeit, Entfernungen oder notwendigen Impfungen sind unerlässlich.

3. Den Reiseführer im richtigen Moment weglegen.
„Ich bin auf Markthallen voller Obst, Gemüse und Gewürze gestoßen, durch versteckte Eingänge aus der lärmenden Straße in den Hinterhof gestolpert, wo ich plötzlich vor einem Tempel stand und verlief mich stundenlang im Labyrinth der Wege und Sackgassen. Zielloses Entdecken: Ein Spielplatz für den offenen Geist.“ Robert Pauli

4. Sitten, Gebräuche und Traditionen des Landes achten und nicht missionieren.
„Was „wir“ für gut halten, muss in einer anderen Kultur noch lange nicht gut sein oder funktionieren. Und: Stets im Hinterkopf haben, dass man selbst Fremder ist und sich den jeweiligen Gegebenheiten und Traditionen des anderes Landes anpassen – von der Kleidung bis zum Geld. Einer der häufigsten Fehler Reisender: Preise des eigenen Landes auf das bereiste Land umlegen und dadurch unrealistische Beträge bezahlen. Das macht die oftmals ärmeren Menschen stutzig und am Ende unglücklich. Was würden wir denn sagen, wenn ein Fremder zu uns kommen und uns fürs „Türaufhalten“ 100 Euro bezahlen würde?“ Barbara Vetter und Vincent Heiland

5. Nicht zu viel planen und flexibel sein.
„Wichtig ist es, sich auf Eventualitäten vorzubereiten. Damit gibt es mehr Raum für spontane positive Erlebnisse und Überraschungen.“ Mark Wistuba
„Mein Motto beim Reisen: Was macht einen Plan aus? Seine Veränderung! Wichtig ist für mich das Ziel – ein Land, ein Ort ein Vorhaben, aber vor Ort ist es der Weg selbst, der die Reise ausmacht.“ Michael Brandl

6. Sich beim Reisen Zeit nehmen.
„Zeit ist nötig, um zu verstehen, wie das Leben anderswo funktioniert. Nach zwei Wochen kommt man vielleicht mit offenem Mund und Kulturschock zurück und sagt: 'Wahnsinn, unglaublich, aber so könnte ich nie leben.' Wenn man einige Monate im Land lebt, merkt man: Es geht ja doch! Es ist eben anders, als man es bisher kannte!“ Robert Pauli
„Reisen braucht Pufferzeiten, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können: Eine Nachtfahrt mit dem Bus durch Südamerika, um einen Flug am folgenden Morgen zu erreichen, kann leicht an einer Panne scheitern – entweder hat der Bus einen Motorschaden oder der Ersatzreifen ist so platt wie der kaputte Reifen!“ Michael Brandl
„Zeit ist das wichtigste Gut, um offen auf Menschen zugehen zu können. Wer nur begrenzt Zeit hat, der sollte sich auch nur eine begrenzte Region für seine Reise vornehmen.“ Barbara Vetter und Vincent Heiland

7. Risikobereitschaft darf nicht in Übermut umschlagen.
„Meist hat man nur einen begrenzten Zeitraum für eine Reise zur Verfügung. Die eigenen Grenzen zu akzeptieren, sowohl körperlich als auch zeitlich, kann lebenswichtig sein. “ Roland Adlich

8. Wenig Zeit? Spezialisten in die Reiseplanung mit einbeziehen.
„Wenn man für die Reiseplanung oder vor Ort wenig Zeit hat, trotzdem individuell reisen möchte oder ganz spezielle Länderbesuche plant, helfen Spezialisten: Viele Agenturen haben sich auf einzelne Länder und Gebiete spezialisiert und können individuelle Reisen zusammenstellen, Geheimtipps inklusive. Natürlich sollte man die entsprechende Agentur vorher auf ihre Seriosität prüfen.“ Jana Scherf

9. Bekannten und Freunden vom Erlebten erzählen.
„Alles was ich gesehen habe, macht mich unheimlich reich. Ich teile es mit anderen Menschen, denn nicht jeder kann und will so weit raus aus dem Alltag. Meine Erfahrungen sind eine Macht gegen Angst und Vorurteil – und eine Anregung für andere, vielleicht nicht alles immer als normal anzusehen, nur weil es hier immer so war.“ Robert Pauli

10. Nicht auf den perfekten Zeitpunkt oder das große Geld für die Fernreise warten, sondern es einfach tun!
„Als wir vor 16 Jahren noch als Studenten von Jena in den Jemen geradelt sind, hatten wir kaum Geld, sind mit 10 Mark pro Tag losgefahren. Wir hatten unsere Wohnung aufgelöst, waren mit eigener Muskelkraft auf dem Fahrrad und eigenem Zelt sehr preiswert unterwegs. Je nach Region werden die Lebensmittel oft deutlich günstiger. Kurzum: So viel Kleingeld benötigt man gar nicht fürs Unterwegssein!“ Barbara Vetter und Vincent Heiland

Die Tippgeber


Robert Pauli (23), Lehramtsstudent aus Jena, reiste sechs Monate lang mit dem Rucksack durch Nepal, lebte und arbeitete bei und mit Einheimischen.
Der Gothaer Stadtplanungsamtsleiter Roland Adlich (64) reist einmal im Jahr fernab des Massentourismus und berichtet in Bilderreportagen von seinen Abenteuern in Indien, Thailand, Kambodscha, Bali, Tansania, Kuba, Costa Rica, Kolumbien oder Bhutan.
Michael Brandl (32), Diplom-Maschinenbauingenieur in Erfurt, lebte während des Studiums zwei Jahre in Chile und reiste nach Venezuela, Argentinien, Peru, USA, Kasachstan, Russland sowie Neuseeland. Seine chilenischen Freunde tauften den rastlosen Vielreisenden „patiperro“ – „Hundepfote“.
Mark Wistuba (42) aus Saalfeld, Trainer und Supporter im Bereich Mikroskopie, liebt Abenteuer und Freiheit. Seine Reisen führten ihn bisher nach Asien (Laos, Vietnam, Kambodia, Thailand, Singapur, Malaysia, Indonesien, China, Japan und Korea) sowie Südamerika (Ecuador, Peru und Chile).
Katja Grohmann (25) aus Erfurt ist Erlebnispädagogin, Lebensphilosophin und Reisende. Mit einem „Work-und-Travel-Visum“ lebte sie neun Monate in Kanada und radelte mit einem Freund 5000 Kilometer von Vancouver nach Ottawa.
Jana Scherf (32), Cutterin aus Sömmerda, genießt den Kulturschock im positiven Sinne: Sie war auf Safari in Südafrika, besuchte die Gorillas in Uganda, machte Yoga in Nepal, Inselhopping auf Guadeloupe, bereiste Namibia, Botswana, Sambia, Mosambik und Panama.
Die „Reise-Experten“: Barbara Vetter und Vincent Heiland sind seit 15 Jahren professionelle Reise-Journalisten, mit ihren Reisereportagen im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt und organisieren in Jena das Reise-Show-Festival „Lichtbildarena“. Ihre Reisen führten die Wahl-Jenenser mit dem Rad von Jena nach Jemen, von der Quelle bis zur Mündung der Donau, mit Rad und Floß quer durch Kanada und mit Kamelen durch die Mongolei!
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