Baum mit Naschwerk

Heidrum Meißgeier schmückt alljährlich den Weihnachtsbaum im Romantikerhaus.
Jena: Unterm Markt | „Früher war mehr Lametta“, heißt eine Geschichtensammlung, die gern zum Fest verschenkt wird. Dem möchte man entgegensetzen: Früher war nie Lametta. Den Beweis tritt das Romantikerhaus in Jena an. Hier wird seit Jahren in der Adventszeit ein Weihnachtssalon eingerichtet, der davon erzählt, wie die Frühromantiker in Jena das Weihnachtsfest gefeiert haben. Da hingen Rosinenketten am Baum und Nüsse, gern auch viele Äpfel. Es war üblich, die Tanne mit Naschwerk und Spielzeug zu behängen.  

Überliefert ist auch, dass aus Backpflaumen Männchen gebastelt wurden, die den Baum schmückten. „Auf Kerzen mussten viele hingegen verzichten“, erklärt Klaus Schwarz, der Leiter des Romantikerhauses. „Die ­waren viel zu teuer und sorgten meist nur in großbürgerlichen Haushalten und beim Adel für festlichen Glanz.“

Seit den 1980er-Jahren beschäftigt man sich in dem Literaturmuseum am Unteren Markt mit der Frage, wie um 1800 ein Weihnachtsbaum geschmückt und das Fest gefeiert wurde. „Vieles haben wir vor allem aus den Briefen der Frauen erfahren“, erklärt Schwarz. Diese haben sich auch schriftlich über Alltägliches ausgetauscht. Vor allem von Caroline Schlegel ist überliefert, was am Baum hing. „Doch wir wissen nicht wirklich, wie er nun ganz genau ausgesehen hat“, gibt der Museumsleiter zu.

Die Geschenke der Früh­romantiker wurden nicht unter den Baum gelegt, sondern lagen unter weißen Tüchern auf dem Tisch. Obendrauf ein gebackener Buchstabe, damit jeder das für ihn bestimmte Präsent fand. „Die Gaben waren sehr bescheiden“, sagt Klaus Schwarz. Für Friedrich Schelling gab es zum Beispiel eine Flasche Tokajer. Gern wurden auch selbst ­genähte und mit Perlen bestickte Täschchen verschenkt, auch ein Brustband aus Seide oder ein Fächer.

Die Frühromantiker, die in Jena in einem Hinterhaus in der Leutragasse 5 wohnten, haben gern gefeiert, auch zu Weihnachten. Doch noch nicht so, wie es heute üblich ist. „Weihnachten als Fest der Familie, diese Entwicklung begann erst mit der Biedermeierzeit“, sagt Klaus Schwarz.

TERMINEe
- 15.12., 15 Uhr: Von Engeln und anderen guten und bösen Geistern, die die Menschen rund ums Jahr begleiten – Ein Salon zum Advent mit Geschichten, Märchen und
Gedichten aus fünf Ländern.
- 15.12., 15.30 Uhr: Wintermärchen im Romantikerhaus. Kleine Märchenfreunde sind willkommen zu einer Reise in die Winterwelt der Märchen.
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