Blackfaces in der Rosenthal-Villa

Ein Theaterstück in einer Villa, in allen Räumen, einem Garten … eine Zuschauergruppe dreiteilen und wieder zusammenführen. Eine verrückte und zugleich famose Idee. Aber geht das überhaupt? Es geht!
Ein großer Raum, die Zuschauer sitzen an den Wänden, die Varietekünstler treten auf. Der rote Faden des Stückes sind die schwarzen Masken. Woher kommen sie, welche Bedeutung haben sie? Irische Komiker trugen die Blackface als erste. Ein Schiff geht unter, 1000 Tote, unerheblich, die Welt wartet ja auf den Untergang der Titanic…
Die Zuschauer werden gedreiteilt. Ich bekomme keinen Punkt und bleibe im Kinderzimmer mit dem Fries der Kindheit an der Wand. Erzählt wird die Geschichte der Familie Rosenthal bis zum heldenhaften Tod des Sohnes auf dem Schlachtfeld des 1. Weltkrieges.
Wir steigen die Feuerleiter hinab in den Garten und steuern einen schäbigen Bauwagen an. Wieder sitzen wir an der Wand. Platz für Fat Roscoe Arbuckle, Stummfilmkomiker, damals beliebter als Charlie Chaplin, aber von der Schmutzpresse (ist also keine Erfindung der „Bild“) in den Dreck gezogen. Heute springt die kleine Kugel mit den kurzen Beinen elegant mit einem Satz auf den Tisch, deren Tischkante ihm nur bis zum Kinn reicht. Eine Schutzmaske tragend versucht er einem Zuschauer dessen Auge durch eine Glaskugel auszutauschen. Misslingt jedoch. Aber einen Schatz entdecken wir noch, nämlich die schwarze Kiste, in der die Amerikaner 1945 the brain from the Zeiss-factory über den Teich entführten.
Im Musiksalon bekommen wir von der Hausdame Tee gereicht, dem Stil des Hauses entsprechend in persischen Gläsern made by Schott versteht sich. Die Tür geht auf, Madam Rosenthal in einem prächtigen knallroten Kleid schreitet herein, im Mund eine Moretta-Maske. Die Dame nimmt die Maske vom Gesicht – oooch. Ein Jungchen kommt zum Vorschein. Aber wenigstens singen konnte er/sie sehr gut. Dieser Tag wird ihr letzter sein! Ich bekomme jetzt einen grünen Punkt und ziehe traurigen Herzens weiter.
Nitzsche war nicht nur ein Philosoph, sondern auch ein Schwein. Eine unbehandelte Syphilis bescherte ihm eine Gehirn Paralyse. Und seinem Schaukelpferd einen Platz in seinem Bett. Dr. Binswanger mit einer Medico della Peste-Maske im Gesicht konnte ihm nicht helfen, uns aber einen weiteren Ortswechsel bringen.
Lasst die Puppen tanzen! Und wie sie sich bewegten. Eine Glanzleistung der beiden Mädels, choreographiert von Frau Liebig. Meister Eder mit seinen Pinocchios.
Als wir als letzte Gruppe in den großen Speisesaal kommen, bleibt uns wieder nur der Platz an der Wand. Die anderen Punkte haben die Tafel schon leergefressen, die Puppen und andere Gestalten tanzen auf dem Tisch. Wir werden zum Schlussakkord in den Bühnensaal gebracht, das ganze Ensemble spielt und singt und tanzt und Fatty kann sich endlich die Torte ins Gesicht klatschen. Das nächste Mal wähle ich den Platz in der 1. Reihe.
Denn es gibt ein nächstes Mal! Das war eine geniale Vorstellung, eine präzise Koordination, zeitgleich die verschiedenen Spielplätzen zu bespielen. Der Regisseur hat zu Recht von Anfang bis Ende über das ganze Gesicht gestrahlt.
Nächste Vorstellungen: 31.5./1.6./5 .6./ 6.6./ 8.6./ 9.6.
Vielleicht bekomme ich dann einen andersfarbigen Punkt und werde zu den anderen Spielorten geführt. Ich fand es übrigens hilfreich, dass ich schon am Vortag D.B.F.B.D.M. durchlesen konnte.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
3.050
Antje Hellmann aus Jena | 31.05.2013 | 17:55  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige