Der Mythos Bismarck lebt: Verschwundene Gedenktafel neu gestiftet

Hotelchef Helmut Osburg (li.) bedankte sich in der vergangenen Woche nach der feierlichen Enthüllung der Bismarck-Gedenktafel am "Schwarzen Bären" bei Stifter Rupert Hamm aus Jena.
 
Der Bismarckturm auf dem Jenaer Forst. (Foto: Verein)
Wer aufmerksam durch Jena und Umgebung geht, wird verwundert sein, auf viele bleibende Spuren Bismarcks in Form von Denkmälern verschiedenster Art zu stoßen. Doch was ist der Grund für ihre Entstehung? Fürst Otto von Bismarck gilt als Gründer des Deutschen Reiches als Nationalstaat. Auf seine Initiative geht zum Beispiel der Aufbau eines Sozialversicherungssystems mit Kranken- und Unfallversicherung zurück. Außenpolitisch wird ihm eine fast geniale Vertragspolitik mit den europäischen Großmächten zur Sicherung der Position des Deutschen Reiches nachgesagt.

Wegen unüberbrückbarer Differenzen, insbesondere wegen der aggressiven Außenpolitik des ab 1888 regierenden Kaisers Wilhelm II., stellte Bismarck mehrfach einen Entlassungsantrag als Ministerpräsident Preußens und Reichskanzler des von ihm 1871 gegründeten Deutschen Reiches. Am 20. März 1890 gab der junge Kaiser diesem statt und Bismarck zog sich auf seinen Ruhesitz Friedrichsruh im Sachsenwald zurück.

Im deutschen Bürgertum setzte dann eine Ehrungsaktivität ein, wie sie nie wieder einem lebenden deutschen Politiker, wie Bismarck, und nach dessen Tod widerfahren ist. Alle Bismarcktürme (fast 240), Denkmäler und Gedenksteine in etwa 400 Städten gehen auf die alleinige Initiative der Bürger zurück. So auch in Jena, wo die bekanntesten Spuren Bismarcks der Bismarck-Turm auf dem Forst (eingeweiht am 5. Juli 1909) und der Bismarck- Brunnen auf dem Marktplatz (eingeweiht am 29 .Juli 1894 zusammen mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft durch die Stadt Jena) sind.

Die erste Ehrung ist die noch vorhandene Bismarck- Eiche an der Einmündung der Sellierstraße in die Ernst- Haeckel-Straße, die vom Jenaer Bürgerverein anlässlich seines 70. Geburtstages am 1. April 1885 gepflanzt wurde. Im Innenhof der Universität an der Schlossgasse steht der sechseckige Bismarckbrunnen, der vom Privatier Rudolph Reimann aus Berlin gestiftet und am 1. August 1908 eingeweiht wurde. Er trägt u.a. Bismarcks Relief und seinen bezeichnenden Wahlspruch PATRIAE INSERVIENDO/ CONSUMOR (für das Vaterland verzehre ich mich).

Eine kaum beachtete Spur ist noch die Bismarck-Bank mit Gedenkstein am verlängerten Forstweg, die an der Stelle errichtet wurde, an der Bismarck am 30. Juli 1892 die ihm zu Ehren auf den Bergen ringsum entzündeten Freudenfeuer betrachtete. Bismarck wurde bereits bis zu seinem 80. Geburtstag am 1. April 1895 in 394 Städten zum Ehrenbürger ernannt. In Jena geschah dies am 29. Juli 1894 zusammen mit der Einweihung des Bismarck-Brunnens auf dem Marktplatz. Seiner Ernennung zum Ehrenbürger war seine Reise am 30. und 31. Juli 1892 nach Jena vorausgegangen. Diese Reise gestaltete sich zu einem persönlichen Triumph Bismarcks. Zu seiner Rede an das Volk waren über 10.000 Menschen auf dem Jenaer Markt versammelt und am Vormittag des 31. Juli 1892 nahmen abermals tausende Menschen Abschied von Bismarck, der ihnen vom "Bismarck-Balkon" am Hotel "Schwarzer Bär", in dem er gewohnt hat, zusprach. Sein Domizil befand sich über dem Eingang des Hauses und trägt heute die neudeutsche Bezeichnung "Bismarck-Suite".

In Erinnerung an seinen Aufenthalt wurde am 29. Juli 1894 eine Tafel am Haus "Zum Schwarzen Bären" mit dem Text " Hier wohnte Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck den 30. und 31. Juli 1892" angebracht. Diese Tafel befand sich bis Anfang der 1950er Jahre am Gebäude, wurde dann von politischen Bilderstürmern der DDR-Zeit entfernt und vernichtet.

Mit der Stiftung und Wiedereinweihung der Gedenktafel mit dem Originaltext vom 29. Juli 1894 am 18. Januar 2011 möchte der Stifter, Dipl. Ing. Rupert Hamm aus Jena, bleibend an den Aufenthalt des Ehrenbürgers Bismarck in Jena erinnern und seine Verdienste angemessen würdigen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige