Drahtesel statt Kamel

  Lichtbildarena-Macher Barbara Vetter & Vincent Heiland von der Mongolei in die Festival-Vorbereitung

„Ach Mama, ich will wieder zurück!“, seufzt Saba Luna voller Inbrunst. Die Sechsjährige schaut sich gerade ein Video an, das ihre Mutter im Juli gedreht hat. Während andere Kinder im heimischen Schwimmbad plantschten, in der Ostsee oder einem bayerischen Bergsee badeten, mehr oder weniger gern auf österreichische Berge kraxelten, am Mittelmeer im Sand spielten, oder vielleicht sogar eine Wohnwagenreise durch die USA, Kanada oder Australien machten, saß Saba Luna in einem Weidenkorb auf einem Kamel, wanderte mit ihrer Familie tagelang durch einsame Steppen, schlief nachts in einer Jurte und führte das Leben von Nomaden in der Mongolei. „Hier darf ich sogar Botok, unser Kamel, führen!“, erzählt sie begeistert.

Saba Luna ist sechs Jahre alt und hat sicher schon mehr Länder bereist als manch 60-Jähriger ihrer Heimat Jena. Das kommt nicht von ungefähr: Sie ist die Tochter der Jenaer Reisejournalisten und Lichtbildarena-Macher Barbara Vetter und Vincent Heiland. „Saba hat ungefähr ein Drittel ihres Lebens auf Reisen im Ausland verbracht“, lächeln sie .

In diesem Jahr zog die Familie – samt ihrer beiden kleinen Töchter Saba Luna und Lola (2) – zum zweiten Mal nach 2011 als „Nomaden auf Zeit“ für zwei Monate mit Kamelen durch die Mongolei.
Nun haben sie das Kamel wieder mit dem Drahtesel eingetauscht. Die Rückkehr nach Jena Ende August und die Umstellung auf den Alltag fiel diesmal jedoch nicht so leicht wie in den vorigen Jahren. Denn hier begann für die Globetrotter-Familie ein Abenteuer der besonderen Art. „Saba ist in die Schule gekommen – und das bedeutet für die gesamte Familie eine große Um- und Einstellung auf einen geregelten Tagesablauf“, erzählt Vincent Heiland. „Inklusive frühem Aufstehen“, betont Barbara Vetter lachend. Jeden Morgen bringt er Saba mit dem Fahrrad zur Schule, sie die kleine Lola zur Tagesmutter.

Nach der Ankunft in Jena erwartete die Lichtbild-Macher ein straffes Programm: Auf die Rückkehr am Donnerstag folgten am Samstag die Schuleinführung – mit Zuckertüte im Nomaden-Look – und am Montag der erste Schultag. „Und zwischendurch haben wir noch die Fotoausstellung in der Goethe-Galerie aufgebaut“, erinnert sich Barbara Vetter. „Das war schon recht straff!“ Dazu mussten Bilder entwickelt und transportiert und Accessoires, wie der Korb, in dem die Mädchen auf dem Kamel reisten, herangeschafft werden – erste Eindrücke ihrer Reise und „Appetithäppchen“ für die Vorträge.

Derzeit laufen im Büro die Rechner heiß und die Vorbereitungen für das Lichtbildarena-Festival am ersten November-Wochenende auf Hochtouren. „Das ist für uns wie eine „jährliche Diplomarbeit““, beschreibt Vincent Heiland lächelnd die Situation. „Es ist jedes Jahr eine Punktlandung – man kann nichts verschieben, arbeitet oft die Nächte durch.“ Im September schickten die Organisatoren und ihr Team mehrere tausend Programmhefte auf den Weg, ließen Plakate und Kalender drucken. Absprachen mit Sponsoren, Referenten und Werbepartnern standen an und auch im Ticketbüro liefen die Leitungen warm. Zwischendurch ein Vortrag über ihre Donau-Reise beim Jenaer Altstadtfest.

„In drei Wochen ist es schon soweit!“, freut sich Vincent Heiland. „Aktuell arbeiten wir an der Ausstellerplanung im Foyer, am „Feintuning“ mit den Referenten und der technischen Umsetzung.“ Diese Absprachen sind besonders wichtig, um zwischen den Vorträgen möglichst schnell und reibungslos umbauen zu können. In den nächsten Wochen werden noch einmal viele Programme verteilt und die Plakate aufgehängt. Parallel stellen die Lichtbildarena-Macher bereits das Programm für 2013 zusammen!

Die kleine Lola kommt von der Tagesmutter zurück. „Saa Semeno!“, sagt sie – der mongolische Gruß für „Guten Tag“. „Sie spricht ihn nahezu perfekt aus“, bewundert Barbara Vetter ihre Tochter. Die Weltreisenden wünschen sich so manches Mal in die mongolische Steppe zurück, denn: „Die Zeit mit den Kindern war dort viel intensiver. Durch die Arbeit haben uns die Kinder hier gerade viel weniger“, bedauert Barbara Vetter. Das bestätigt auch Saba Luna. Sie sieht ein Flugzeug am Himmel. „Nimm mich mit in die Mongolei“, seufzt sie wehmütig. Ob ihre Eltern diesen Wunsch im nächsten Jahr erfüllen? „Mal schauen. Für Saba steht nun erst einmal die Schule an – und für uns die elfte Lichtbildarena!“
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