Fette schwarze Katze mit Glatze und auf Stöckelschuhen, gesehen in Jenas Kulturarena

Jena: Theatervorplatz | Komisch oder nicht komisch, das ist hier die Frage! Gestern war Premiere des diesjährigen Auftaktspektakels des 6- wöchigen traditionellen Kulturfestivals in Jena. Der Theatervorplatz war bis Mitternacht Ort des Geschehens, in das man sich vorher besser einlesen sollte. Gezeigt wurde Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita"- ein tiefsinniger Roman, der im Moskau der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts spielt. Immer wieder wird der Zuschauer allerdings in die 2. Zeitebene - das römische Reich zur Zeit der Herrschaft des Kaisers Tiberius- zurückgeführt.
Der Einsatz der künstlerischen Mittel war dabei genial: die römischen Säulen, die fahrenden alten Moskauer Straßenbahnen, der teuflisch inszenierte Blitzflug an die Küste von Jalta. Apropos Teufel: diese seriöse Teufelin mit schicker grauer Kurzhaarfrisur war gewöhnungsbedürftig; ihre Assistenten, der lange Rothaarige und der fette schwarze Kater super ausgewählt und vortrefflich im Spiel.
Der Gegensatz zwischen den Schrecken und Unmut verbreitenden teuflischen Figuren und den um Wahrung bürokratischer Ordnung bemühten Funktionären in ihrem chaotischen Arbeitsraum wurde wunderbar herausgearbeitet. Z.B. die Willkür bei der Wohnungsvergabe hat das Moskau der zwanziger Jahre überdauert... Wie sich die Theatercrew immer wieder der Videotechnik bediente, war einfach verblüffend! Auch mehr oder weniger auffällig gestaltete Live- Kameraaufnahmen wurden als künstlerisches Mittel eingesetzt; eingeblendete Filmstreifen halfen durch das ganze Stück hindurch bei der Orientierung. Hilfreich waren auch die gelegentlichen Ansagen der rettungsweste- tragenden grünbekleideten Dame. Symbolik über Symbolik!
Den Jenaer Statisten war die Freude beim Tanz im Saal des Literaturvereins oder beim Überrollen dessen Chefs Berlioz mit der Straßenbahn anzusehen; alle Schauspieler und das Videoteam waren hoch motiviert.
Keine Minute gelangweilt verliess ich nach 150 Minuten die Arena und grübele noch immer, warum ein Mensch, der sich literarisch an das Thema der Kreuzigung von Jeschua heranwagt, eigentlich in der "Psychiatrischen" landen muss. Dort allerdings fühlte er sich zunehmend wohler und musste auch keineswegs auf die Anbetung seiner Liebsten verzichten. Im Gegenteil..... aber wer wissen will, was Margarita für den Meister auf sich nahm, sollte nach Jena kommen und oder Bulgakows Roman lesen- und zwar bis zum Schluss! Komisch und nicht komisch war die Inszenierung und wieder einmal ein Theaterereignis in Jena, über das sich hervorragend diskutieren lässt.
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Antje Hellmann aus Jena | 15.07.2013 | 11:23  
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