Flucht als Ausweg? - Neues Stück des Jugendtheaterclubs

Inszenieren das neue Stück des Jugendtheaterclubs: Regisseur Marcel Kohl und Theaterpädagogin Susanne Harkort. Foto: Schwanse (Foto: Ina Schwanse)
Jena: Theaterhaus | „Fluchtversuch 1.9“ heißt das neue Stück des Jugendtheaterclubs auf der Bühne des Theaterhauses Jena. Ina Schwanse sprach für den „Allgemeinen Anzeiger“ mit Susanne Harkort, Pädagogin am Theaterhaus, und Regisseur Marcel Kohl über die Aufführung.

Worum geht es in „Fluchtversuch 1.9“?
Susanne Harkort: Im Großen und Ganzen geht es darum, dass sich Jugendliche unterdrückt fühlen. In „Fluchtversuch 1.9“ bekommen sie die Möglichkeit, sich aus ihrem unterdrückenden Umfeld herauszunehmen.
Marcel Kohl: Es geht um das Gefühl, das jeden 15- bis 20-Jährigen beschäftigt: das Gefühl, keiner versteht mich. Die Gesellschaft verlangt von ihnen, stark, belastbar, schlau, etc. sein zu müssen. Wir nennen das die innere Wertstoffsammlung.

Wie macht sich der Druck der Gesellschaft bei den Jugendlichen bemerkbar?
Harkort: Sie leiden zum Beispiel unter Versagensängsten, fühlen sich als Außenseiter oder denken sprunghaft. Im Stück darf jeder auf metaphorische Weise sein Problem ausleben.

Zum Beispiel?
Kohl: Ein Junge nimmt in verschiedenen Situationen verschiedene Rollen ein. Einmal muss er ein strebsamer Hamster sein, ein anderes Mal gibt er den treuen Hund. Er ist aber auch ein stolzes Pferd und ein Stier, der mit dem Kopf durch die Wand will. Er fragt sich ständig: Wer bin ich eigentlich? Letztendlich kriecht er als Wurm oder Raupe über die Bühne.

Was bedeutet die Zahlenkombination 1.9?
Kohl: Die 1 steht dafür, dass alle Jugendlichen den einen Grund haben: sie tragen ihre innere Wertstoffsammlung mit sich herum.
Harkort: Die 9 verweist auf die Anzahl der Schauspieler. Jeder verkörpert einen inneren Wert und einen Weg, damit umzugehen. Allerdings sind mittlerweile nur noch acht Jugendliche dabei, so dass das Stück eigentlich „1.8“ heißen müsste. Aber wir wollten es nicht mehr umbenennen.

Ihren Beschreibungen nach wird auf der Bühne eher wenig interagiert.
Kohl: Tatsächlich agieren die Jugendlichen eher wenig miteinander. Wir haben verschachtelte Monologe ausgearbeitet. Das heißt, dass drei anfangen, einer aber eher aufhört und somit eine andere Geschichte beginnt.

Der Titel spricht von einem Fluchtversuch. Bleibt es beim Versuch oder schafft jemand den Ausstieg?
Kohl: Jeder macht eine Entwicklung durch und nimmt etwas mit. Ob das gut oder schlecht ist, möchte ich nicht beurteilen. Aber niemand geht kaputt und für keinen nimmt es ein schlimmes Ende.

Herr Kohl, „Fluchtversuch 1.9“ ist ihre erste Arbeit für das Theaterhaus Jena. Was haben Sie bisher gemacht?
Kohl: Ich arbeite seit 10 Jahren mit Jugendlichen im Theater. 2001 bekam ich die erste Anfrage von der TheaterFabrik Gera, ob ich dort als Theaterpädagoge arbeiten möchte. Am Landestheater Detmold habe ich die Theaterpädagogik aufgebaut, bevor ich im vergangenen Jahr wieder nach Thüringen zurückgekommen bin.

Was begeistert Sie an der Arbeit mit Jugendlichen?
Kohl: Ein eigenes Stück bzw. eigene Geschichten zu entwickeln, macht einfach Spaß. In Zusammenarbeit mit Schauspielern ist das sehr schwer und kommt selten vor. Mit Jugendlichen bzw. Laien geht das leichter.

http://www.theaterhaus-jena.de/
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