Himmelfahrt - ein Tag wie ein Mann!

Wann? 02.06.2011 15:00 Uhr

Wo? Kirche Christi Himmelfahrt, 07751 Milda DE
Milda: Kirche Christi Himmelfahrt | Jedes Jahr zwischen Ostern und Pfingsten das gleiche Bild: Scharenweise durchstreifen fast karnevalistisch gestimmte und ebenso gekleidete jüngere und ältere Männer die Landschaft, mit vorwiegend flüssigem Proviant ausgestattet und zudem oft Wege wählend, die an wiederum vorwiegend Flüssignahrung bietenden Raststätten vorbeiführen.
Dieses Jahr fällt der Himmelfahrtstag auf den 2. Juni und wie immer auf einen Donnerstag. Und das hat seinen Grund. Am 40. Tag nach Ostern, das zum Sonntag nach dem ersten Frühlingsmond seinen Höhepunkt erreicht, ist der Überlieferung zufolge der auferstandene Jesus nach der Verabschiedung seiner Jünger von der Erde scheidend in den Himmel entwichen. Diese Himmelfahrt als phantasievolle Veranschaulichung des Übergangs aus der irdisch-menschlichen in eine überirdisch-göttliche Daseinsweise, die Vergeistigung des menschlichen Wesens, bildet den weit zurückliegenden Hintergrund der heutigen Himmelfahrtsfeiern. Endlich kann die nach vierzigtägiger Buß- und Fastenzeit mit dem Osterfest beginnende Frohzeit bis Pfingsten in vollen Zügen genossen werden. Bis zum Ende des vierten Jahrhunderts wurden Himmelfahrt und Pfingsten sogar an einem Tag gefeiert.
Heute wird die Vergeistigung im Tross der Himmelfahrtspartien vor allem innerlich vollzogen, durch den Konsum „geistiger“ Getränke und die Präsentation „geistreicher“ Reden und Gesänge. Zur Mittagszeit wird in manchen Kirchen eine Christusfigur nach oben gezogen und von dort, wohin sie zuletzt schaut, soll das nächste Gewitter kommen. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht sofort geschieht, damit der Fortgang der Herrenpartie nicht buchstäblich ins Wasser fällt.
Nicht bekannt ist, ob die Jünger Jesu, also ausschließlich Figuren männlichen Geschlechts, Pate gestanden haben für die heute verbreiteten Begriffe „Männertag“ oder „Vatertag“. Letzterer soll um 1920 von einer Amerikanerin erfunden worden sein, um die Verbindungen zwischen Vätern und Kindern zu festigen. Jedenfalls müssen die Männer mit diesem einen Tag zufrieden sein, während die Frauen zweimal im Jahr feiern können. Für sie gibt es seit 1911 den „Frauentag“ am 8. März und bereits seit 1907 den ebenfalls in Amerika kreierten „Muttertag“ am zweiten Sonntag im Mai. Umso intensiver müssen wohl die Männer „ihren“ Tag für ihre ohnehin nur kurzlebige Vergeistigung nutzen. Im Unterschied zum gen Himmel entwichenen Jesus landen sie bereits am nächsten Tag wieder im irdischen Leben. Und das mitunter recht unsanft.
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