„Horizont“ überrascht mit spontaner Vorband auf dem Jenaer Altstadtfest

Horizont / Jenaer Altstadtfest (Foto: MagicDreams Photography by Alexander Ortelsbach)
 
Schwanethal Henck Eifrig / Alstadtfest Jena / Max Schwanethal (Foto: Carolin Marusic / http://c-marusic.daportfolio.com/)

18.09.2014 – Jena: Es ist 17.30 Uhr und der Marktplatz der Jenaer Altstadt füllt sich merklich. Kein Wunder, denn nebst gutem Wetter ist die Rock-Band „Horizont“ angekündigt und die sorgt bekanntlich stets für volles Haus. Unmittelbar vor der Bühne tummeln sich bereits die waschechten Fans, etwas weiter hinten zahlreiche Altstadtfestgänger, die: „...einfach nur mal gucken wollen, was hier so los ist“, so ein Mann mittleren Alters auf Nachfrage, der irgendwie so gar nicht rockig anmutet.

Aber manche Musik ist eben zeitlos und begeistert die breite Masse. Deutschsprachig sowieso. Und wenn es sich dann auch noch um einen Lokalmathador handelt – umso besser. Nun gut – Naumburg, die Mutterstadt der Horizontler in Sachsen-Anhalt, mag nicht unbedingt um die Ecke sein, eine Institution sind die Jungs aber trotzdem. Auch hier. Dass dem Auftritt noch ein Chor vorgezogen wurde störte dabei eigentlich niemanden und mit halbstündiger Verspätung spürte man es dann doch so langsam in der Luft: Gleich wird es fetzig. Doch als die ersten Seiten gezupft wurden und die ersten Drums ertönten wurde auch dem letzten klar: Das ist doch aber noch immer nicht Horizont, dort auf der Bühne...!?

Und das Warten hat sich gelohnt


Nein. Nicht Horizont. Und es wussten vorab auch nur die wenigsten, dass man den Auftritt nach hinten verschieben würde, um einer befreundeten Band den Vortritt zu lassen, denn die Ankündigung kam erst einen Tag zuvor bei Facebook. Doch selbst, wer zunächst enttäuscht gewesen sein mag, dass die 7 Bandmitglieder auf sich warten lassen, hat spätestens nach dem ersten Track des Supports „SHE“ vergessen, dass er eigentlich gar nicht hier ist, um die drei von „Schwanethal Henck Eifrig“ zu hören. Dabei war der Auftackt mit der Eigeninterpretation von „Tutti Frutti“ nur ein erster Vorgeschmack auf professionellste Coverversionen: „All right now“ zog die Leute schnell in ihren Bann und ab „Come together“ - einer ziemlich rockigen Version des Blues-Klassikers schlechthin – konnte man vereinzelt sogar Gesang im Publikum vernehmen. Dabei wurde nicht zwingend jeder Song bin zum letzten Akkord ausgespielt, wie man das oft von Coverbands gewohnt ist, nein, man merkte auch als zufälliger Beiwohner dieser kurzfristigen Einlage, dass hier wirklich Kreativität und Leidenschaft im Spiel ist: Fliessende Übergänge von einem Track in den nächsten machten das kleine Intermezzo regelrecht einzigartig und Leadsänger Max (21) schien im Umgang mit dem Publikum so erprobt, als wäre er auf der Bühne geboren.

Aber wer und was sind „SHE“ überhaupt?


„SHE“ - das steht für „Schwanethal Henck Eifrig“, die Nachnamen der drei Bandmitglieder aus Zeitz (Sachsen-Anhalt), die sich Anfang 2012 zusammengeschlossen haben und so zu einer musikalischen Einheit verschmolzen: Thomas (Henck) am Schlagzeug, Max (Schwanethal) als Leadsänger und Gitarrist und nicht zuletzt natürlich Eif (Eifrig), der Bassist ohne Vornamen, denn alle nennen ihn eben einfach nur Eif. Da ist natürlich nicht viel Bühnenaction zu erwarten, bei lediglich drei Jungs, wer aber in die Gesichter der Vollblutmusiker geblickt hat, der wusste sofort, dass Konzentration und Leidenschaft für die Musik hier im Vordergrund stehen, und keine akrobatische Leistung, die von dem ablenkt, worum es eigentlich geht: die Musik! Und die hatte es in sich, wie man auch anhand der Reaktionen im Publikum erkennen konnte. Neben Rock hörte man jazzige Einflüsse ebenso wie den Blues und das alles gesellte sich zu der markant kratzigen Stimme des Sängers.

„Die einzige Gemeinsamkeit, die man braucht, ist die Musik“, sagt die Band Horizont geschlossen auf die Frage, wie es dazu kam, SHE als Vorband mitzunehmen. „Außerdem sind die Jungs gut...“ Mehr Kompliment braucht es wohl nicht. Und neben der Affinität für die Musik und dem freundschaflichen Verhältnis der beiden Bands zueinander spielt natürlich auch die Professionalität eine Rolle, denn „Schwanethal Henck Eifrig“ können mehr, als nur covern. „ Die eigenen Stücke von SHE können sich mehr als hören lassen...“, so Carsten Schlegel, Leadsänger von Horizont, und drückt damit etwas aus, das die Masse vor Ort nicht nur live erleben durfte, sondern auch mit schallendem Applaus bestätigte. „Ohne dich“ hieß der deutschsprachige eigene Song, den die Band zum Besten gab, und das sogar auf Wunsch des Publikums. Und wer genau hinsah, der erkannte, dass ein paar Leute in der Menge sogar mitsingen konnten.

Wer supportet wen?


Eines ist klar: Als Vorband auftreten ist klasse. Doch wenn die Chemie so sehr stimmt wie hier, dann geht da noch viel mehr. Und das haben die Mitglieder von „Horizont“ und „SHE“ eindrucksvoll bewiesen. Zum Abschluss des musikalischen Feuerwerks, das weit länger ging als man es vielleicht vom Altstadtfest unter der Woche gewohnt sein mag, begeisterte man das inzwischen euphorische Fangelage mit einer Darbietung, die man spontan backstage beschloss: „Schwangethal Henck Eifrig“ performen gemeinsam mit „Horizont“ den Song „Ascheregen“ von Casper, einen Track, den SHE bereits bei ihrem Soloauftritt an vierter Stelle präsentierten und der schon hier für das ein oder andere Tanzbein in der Menge sorgte. Im Resümee sind sich alle einig: An die 2.600 begeisterte Musikfans müssten es gewesen sein, das ist schon „was größeres für uns“, wie Schlagzeuger Thomas meint, aber eigentlich weiß Jena spätestens seit gestern: Das ist garantiert erst der Anfang, denn die Jungs, die werden noch viel größere Plätze bespielen, noch viel mehr Publikum begeistern und – das ist wichtig – noch viel mehr eigene Songs schreiben und präsentieren, denn covern können viele, richtig gut covern nur wenige, aber als eigenständige Band ernst genommen werden, das schaffen die wenigstens. Und „SHE“ hat definitiv das Potential dazu. Aus Leidenschaft. Aus Liebe zur Musik. Aus Können.
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