Infizieren, nicht erklären - Kerstin Lenhart geht als neue Theaterpädagogin in Jena eigene Wege

Symbolträchtiger Ort: Kerstin Lenhart genießt die Frühlingssonne im Schillergarten gegenüber dem Theaterhaus. Der Dichter hat hier in seinem Gartenhaus einst zahlreiche Werke geschaffen, die noch heute auf Theaterbühnen in aller Welt gespielt werden. Foto: Bernd Hausdörfer
JENA. Als Theaterpädagogin möchte Kerstin Lenhart (geb. 1974) eigentlich nicht bezeichnet werden, auch wenn das ihre offizielle Stellenbezeichnung am Theaterhaus Jena ist. Zum einen, weil sie das Fach nicht direkt studiert hat, sondern Theaterwissenschaft, Sozialpädagogik und Kriminologie. Zum anderen, weil sie zwar die Kinder und Jugendlichen „mit Theater und Kunst infizieren, ihnen die Begriffe aber nicht erklären“ will.

Seit September ist die gebürtige Heidelbergerin in Jena. Nach ihren Studien in ihrer Heimatstadt und in Leipzig arbeitete ab 2005 zunächst am Schauspiel Frankfurt, wo ihre ersten eigenen Regiearbeiten entstanden. Es folgten Produktionen in Osnabrück, Heidelberg, Bielefeld, Wien und vor allem in Berlin.
Als die seit sechs Jahren freiberufliche Regisseurin vom turnusmäßigen Wechsel der Mannschaft am Theaterhaus Jena erfuhr, bewarb sie sich einfach und wurde zum Einstellungsgespräch eingeladen. „Dann habe ich lange nichts mehr gehört, bis plötzlich der Anruf kam: Wir wollen dich!“, erzählt Kerstin Lenhart, jetzt Leiterin des Jugendhauses am Theaterhaus.

In ihren Inszenierungen untersucht sie oft das Verhältnis des Einzelnen zur Geschichte und seine Stellung zur Gesellschaft, setzt dabei gerne auf Stückentwicklungen. Das gemeinsame Arbeiten von Laien und professionellen Schauspielern findet sie spannend und schätzt den „tollen Synergieeffekt“.
So auch bei ihrer ersten Inszenierung in Jena, dem Stück „Ich und Ich und die Wirklichkeit“, das vor wenigen Wochen mit großen Erfolg Premiere hatte und das nächste Mal vom 2. bis 5. Mai aufgeführt wird. Hier agiert Schauspielerin Natalie Hünig zusammen mit 10 Jugendlichen aus Jenaer Schulen. Es ist eine Produktion des „Teenparks“ am Jugendhaus, dem früheren Jugendtheaterclub. Die von ihr initiierte Umbenennung erklärt Kerstin Lenhart mit dem „Parkgedanken“, der sowohl Hege und Pflege als auch Wildwuchs beinhalte.

Jena findet sie spannend. Ihr gefällt, dass nicht alles so perfekt und gestylt ist, kein „Schmuckkästchen“ wie Heidelberg oder auch Weimar als typische Touristenstädte. Und die vielen auf der Straße diskutierenden Menschen und die Vielfalt der Vereine und soziokulturellen Initiativen, ebenso das viele Grün, welches sie auch auf Spaziergängen in Neulobeda gefunden hat.

Für das nächste Jahr, soviel will sie jetzt schon über ihre Ideen verraten, plant Kerstin Lenhart als Regiearbeit ein „Klassenzimmerstück“ mit nur zwei Schauspielern und ein Stück mit Jugendlichen und Senioren gemeinsam, bei dem es einen Rollentausch geben soll. „Opa geht in die Schule und der Enkel ins Altersheim“, und alle sehen das Leben aus dem Blickwinkel der anderen Generation.

Derzeit ist Kerstin Lenhart aber noch voll mit der Organisation der Schülertheatertage vom 17. bis 19. April beschäftigt. Schüler aus sieben Jenaer Schulen zeigen dann im Theaterhaus, was sie in ihren Theater-AGs einstudiert haben.
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Tobias Schindegger aus Gotha | 29.03.2012 | 10:11  
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