Jenas Aufbruch im Fokus - neue Ausstellungen zur Stadtentwicklung

Die Kuratorinnen Birgitt Hellmann (li.) und Teresa Thieme zeigen gemeinsam mit Museumsdirektor Matias Mieth ein Exponat aus der Schaeffer-Ausstellung, mit dem die Ablenkung einer Magnetnadel durch ein elektrisches Feld veranschaulicht wird.
Jena: Stadtmuseum | Sein interessantes Jahresprogramm stellte das Stadtmuseum Jena in der vergangenen Woche der Presse vor. Eigentlich fast zu spät, denn seit dem 28. Januar läuft schon die Exposition „Goldschätze – Das Herzogtum Sachsen-Jena“ (AA berichtete). Sie zeigt Prunkstücke aus jener Zeit, wie den prächtigen Abendmahlkelch als Leihgabe der Kirchgemeinde Dornburg und informiert über die spannende Geschichte des Herzogtums Sachsen-Jena.

Im zeitlichen Ablauf die nächste Ausstellung beginnt am 25. Februar und widmet sich 110 Jahre nach seinem Tod dem Leben und Wirken von Hermann Schaeffer (1824 bis 1900). An den Professor für Mathematik und Physik erinnern heute noch die Schaefferstraße im Westviertel und der Schaeffersaal im Volkshaus, ansonsten geriet er jedoch weitgehend in Vergessenheit, ist bestenfalls noch als schrulliges Original bekannt. Doch das hat er nicht verdient: Schaeffer war ein außergewöhnlicher Lehrer, der lange vor Erfindung der „Bildungsrepublik Deutschland“ die Bedeutung einer Bildung für „Alle“ erkannte. Deshalb trug er Naturwissenschaft und Technik aus den Hörsälen zu den Handwerkern und Arbeitern, förderte die Bildung schon im Kleinkindalter. Die bis zum 19. Juni 2011 laufende Schau präsentiert Glasobjekte, die teils nach Vorgaben Schaeffers für seine Lehrmittelsammlung angefertigt wurden und vom Bemühen zeugen, Wissenschaft wortwörtlich transparent zu machen. Sein Anliegen, dies für „Alle“ zu wollen, machte Schaeffer zu einem der Vorreiter des in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgenden Aufstieg Deutschlands an die wirtschaftliche und wissenschaftliche Weltspitze.

Wie sich dieser Aufstieg darstellte, zeigt die ab 6. Mai folgende Ausstellung „Keine Wohltaten – besseres Recht. Jenas Aufbruch in die Moderne“. Sie dokumentiert die bauliche, wirtschaftliche, soziale und strukturelle Entwicklung Jenas von 1850 bis 1914, aber auch das kulturelle und geistige Leben in dieser Zeit. Der Ausstellungstitel „Keine Wohltaten – besseres Recht“ greift das Statut der Carl-Zeiss-Stiftung auf, das seinerzeit schon Kernstücke späterer Sozialgesetzgebungen enthielt. Die Segnungen der Stiftung ermöglichten u.a. eine breite Entwicklung der kulturellen Infrastruktur, der Reformpädagogik und Erwachsenenbildung sowie die Förderung moderner Kunst. Diese Ausstellung hat übrigens kein Enddatum, sondern sie wird langfristig in das Stadtmuseum integriert.

Wie sich der große Aufschwung Jenas im Stadtbild niederschlägt, das ist das Thema der Exposition „Bauen und Wohnen in Jena 1871 – 1945“, die vom 8. Juli bis 9. Oktober 2011 zu sehen sein wird. Das rasante Wachstum Jenas führte zu Wohnungsnot und einen Kampf um Wohnmilieus und die Siedlungslandschaft durch die verschiedenen Interessengruppen. Dies initiierte die Entwicklung innovativer Finanzierungsmodelle und die Gründung neuer Bauträger, wie z. B. die Heimstättengenossenschaft. Für diese Schau haben nach einem Aufruf des Stadtmuseums auch zahlreiche Jenaer Bürger Exponate zur Verfügung gestellt.

Den Abschluss des Ausstellungsjahres bestreiten ab 20. Oktober mit „Herakles und Co.“ griechische Götter und Helden, die aus den Antikensammlungen der Universitäten Jena und Gießen stammen. In einer einzigartigen Kooperation der größten universitären Antikensammlungen können im Stadtmuseum eine Vielzahl von Exponaten erstmals öffentlich gezeigt werden. Zu sehen sind Motive der antiken Mythologie auf Münzen, Schmuckstücken und Keramiken.

Kooperationspartner ist das Stadtmuseum auch für eine Ausstellung zum 200. Todestag des bedeutenden Jenaer Mediziners Johann Christian Stark, die am heutigen Mittwoch um 18 Uhr im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek am Bibliotheksplatz eröffnet wird. Berühmt wurde der Medizinprofessor Stark vor allem durch eine 1783 erfolgreich durchgeführte Kaiserschnittentbindung – ohne Narkose - bei einer Weimarer Hofdame und als Herausgeber des ersten deutschen Fachjournals in der Geburtshilfe. Der 1753 in Oßmannstedt bei Weimar geborene Mediziner erwarb sich auch Verdienste bei der Versorgung Verwundeter nach der Schlacht bei Jena 1806, war ein Vorreiter der Pockenimpfung und herausragender klinischer Lehrer. Er betreute als Leibarzt die Weimarer Herzogsfamilie sowie Goethe, Schiller, Herder und deren Familien. Der Initiator der Ausstellung ist Ekkehard Schleußner, Professor für Geburtshilfe und geschäftsführender Direktor der Universitätsfrauenklinik.
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