Kasimir und Karoline: Zerstrittenes Liebespaar eröffnet Kulturarena in Jena

Wann? 09.07.2015 21:30 Uhr bis 12.07.2015 00:00 Uhr

Wo? Schillergasse, Jena DE
Regisseur Ivar van Urk (links) und Marcel Klett, Theaterhaus-Geschäftsführer, sitzen auf der Bühne, auf der am 9. Juli die Kulturarena mit "Kasimir und Karoline" startet.
 
Zum Brezeltanz trifft man sich in Jena statt auf dem Münchner Oktoberfest. (Foto: Melanie Kausch)
 
Karoline (Sophie Hutter) lässt sich mit dem reichen, wenn auch ziemlich betrunkenem Rauch (Thomas Gerber) ein, um vielleicht einen „rosigeren Blick auf die Zukunft erringen“ zu können. (Foto: Melanie Kausch)
Jena: Schillergasse |

Ob es Brezeln gibt, ist noch nicht ganz klar. Fest steht aber: Jena darf sich zum Auftakt der diesjährigen Kulturarena auf ein Oktoberfest im Juli freuen.

Wie in jedem Jahr startet Jena mit einem Open-Air-Spektakel in den Kultur-Sommer. Mit „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth feiert Regisseur Ivar van Urk eine Riesenparty auf dem Theatervorplatz. Welche Musik zu hören ist und welche Partygäste erwartet werden, verriet er gemeinsam mit Theaterhaus-Geschäftsführer Marcel Klett im AA-Gespräch.

Ein arbeitsloser Chauffeur und seine Braut stehen im Mittelpunkt von Kasimir und Karoline. Recht düster für eine Sommertheater-Inszenierung.

Marcel Klett: Nein, auf keinen Fall. Das würde auch nicht zu Jena passen. Wir finden den Stoff spannend und zeitgemäß zugleich. Ödön von Horváth hatten wir als Autoren schon länger im Blick, weil er so wunderbare Figuren geschaffen hat. Zudem erfüllt das Stück wichtige Anforderungen an ein Sommertheater: Es ist spektakelig, spielt draußen und lässt viele Bilder entstehen. Zudem kann man Statisten gut einbinden.

Ivar van Urk: Mir gefällt die Moral des sehr dynamischen Stückes. Zudem bietet es mir als Regisseur viele Freiheiten. Ich kann mir eigene Bilder ausdenken und Musik einbringen. „Kasimir und Karoline“ habe ich überdies noch nie inszeniert. Für mich ein doppelt interessanter Auftrag.

Sie arbeiten erstmals am Theaterhaus. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Ivar van Urk: Ich hatte mich hier schon vor einiger Zeit als Regisseur beworben. Aber es wurde noch nichts Konkretes vereinbart, bis der Anruf kam. Man fragt mich, ob ich Lust hätte, das Sommer-Spektakel zu inszenieren.

Marcel Klett: Wir wollen nicht nur mit Leuten zusammenarbeiten, die wir seit Jahren kennen. Im Vorfeld der Arenaeröffnung haben wir uns alle Bewerbungen noch einmal angeschaut. Ivar hat einen spannenden Werdegang und großes handwerkliches Geschick. So fiel die Wahl auf ihn.

Herr van Urk, haben Sie schon eine Theaterarena in Jena erlebt?

Ivar van Urk: Nein, nicht live. Aber ich habe mir Mitschnitte angeschaut.

Was hat Jena im Vergleich zu anderen Sommertheater-Inszenierungen zu bieten?

Marcel Klett: Wir sind hier freier bei der Auswahl der Stoffe. Unser Spektakel kann als vergrößerte Inszenierung des Saison-Spielplans gelten. Dabei können wir auf ein treues Publikum mit Interesse an Experimenten setzen.

Mit Brezeln wecken Sie auf Ihren Plakaten nicht nur künstlerischen Hunger. Werden sie auch zu den Aufführungen gereicht?

Marcel Klett: Wir überlegen noch. Auf alle Fälle wird es welche zur Matinee geben.



Das Stück spielt auf dem Oktoberfest. Waren Sie beide schon einmal dort?

Ivar van Urk: Ein Freund von mir lebte einige Zeit in München. Als ich ihn besuchte, waren wir auch kurz auf dem Oktoberfest. Aber wir haben nicht die ganze Nacht durchgemacht.

Marcel Klett: Ich komme aus Nordrhein-Westfalen. Dort gibt es in Herne die Cranger Kirmes. Ich bin also mit Größe und Stimmung eines solchen Volksfestes vertraut.

Wie viel Oktoberfest wird in Jena zu erleben sein?

Ivar van Urk: Eher weniger. Es wird wohl eher eine moderne Fassung des Oktoberfestes. Auf unserer Bühne gleicht es einer hippen Party. Aber es wird Projektionen geben, die an das Original erinnern. Auch die passenden Regieanweisungen von Horváth blenden wir ein. Das Oktoberfest als solches ist für den Lauf der Geschichte nicht wichtig. Im Gegenteil: Es kann vom Inhalt ablenken.

Also weder Karussell noch Achterbahn?

Ivar van Urk: Nichts dergleichen. Wir spielen dafür viel Musik.

Marcel Klett: Tanz, Bilder und Projektionen sorgen für Volksfeststimmung. Alles andere passiert in den Köpfen der Zuschauer.

Werden Sie sich in Ihrer Inszenierung auf Jena beziehen?

Ivar van Urk: Es geht nicht speziell um Jena. Das Stück thematisiert den generellen Unterschied zwischen arm und reich, der immer größer wird. Das halte ich für ein großes Unrecht Gedanken über Geld ziehen sich durch jede Beziehung. Das finde ich sehr schade.

Marcel Klett: Was Horváths Figuren erleben, die Probleme, die sie haben, sind mittlerweile universell. Sie brauchen keinen konkreten Bezug.

Die Theaterarena lebt von besonderen Momenten. Welche werden das in diesem Jahr sein?

Ivar van Urk: Es wird sehr viel Musik geben. Wir freuen uns auf die „Ugly Hurons“ aus Hermsdorf. Die sind für „Brutaloschlager“ bekannt. Auch Techno und Discomusik ist auf den Partyflächen zu hören. Zudem bauen wir eine Modenschau ein.

Marcel Klett: Und natürlich sind wieder viele Statisten mit dabei. Ihre Auftritte sind ja zu unserem Markenzeichen geworden. Manche sind 10 Jahre und länger dabei.

Ivar van Urk: Die Statisten sind wichtig für die Geschichte, die wir erzählen wollen. Ohne sie wäre es nicht möglich.

Laut Regieanweisung, die von Horváth 1932 gab, spielt „Kasimir und Karoline“ in München in unserer Zeit. Wie setzen Sie das um?

Ivar van Urk: Wir erzählen die Geschichte der beiden im Rahmen einer Party, wie sie heutzutage auch in Berlin oder Barcelona gefeiert werden kann.

Marcel Klett: Auch die Kostüme sorgen für den Bezug zum Jetzt. Ein Rückgriff auf die zeit der Uraufführung wird nicht konstruiert. Vielmehr sind sie überzeitlich.

Im letzten Jahr gab es 3000 Besucher. Mager für Jena. Hoffen Sie dieses Jahr auf mehr?

Marcel Klett: Wir müssen in diesem Jahr nicht mit einer Fußball-WM konkurrieren. Und ich bin mir sicher, dass auch das Wetter besser ist. Wir rechnen mit rund 4000 Zuschauern. Das ist dann wie der Schnitt in den letzten Jahren.

TERMIN

+ Matinee zum diesjährigen Theaterspektakel am 28. Juni, 11 Uhr auf dem Theatervorplatz, Eintritt frei
+ Vorstellungen: 9., 10., 11. und 12. Juli, jeweils 21.30 Uhr auf dem Theatervorplatz, Tickets im Vorverkauf in der Tourist-Information

Zahlen zur Inszenierung

Neun Schauspieler stehen auf der Besetzungsliste.
Rund 50 Statisten sind im Einsatz.
Im Hintergrund agieren noch einmal 35 Mitarbeiter.
Seit neun Wochen wird geprobt.
Über 100 Kostüme wurden für die Inszenierung angefertig.
Vier Vorstellungen sind geplant.

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