KulturArena Jena: Mighty Oaks sorgen für Standing Ovations

Mighty Oaks - Kultur Arena Jena (Foto: Romy Hörbe)
 
Mighty Oaks - Kultur Arena Jena (Foto: Romy Hörbe)

Typisch untypisch – die Berliner Band „Mighty Oaks“ rockte vergangenen Samstag mehr als unerwartet die Jenaer KulturArena, die Fans, die Zugereisten, die Straßenpicknicker, die Jungen und die Alten und schlichtweg einfach jeden.


Und beinahe wären sie baden gegangen


26. Juli 2014 – Theatervorplatz – Jena – 16:30 Uhr. Der Himmel zieht sich zu. Dicke, dunkle, Unheil versprechende Wolken bahnen sich über das Tal. Ein entferntes Rumoren zieht durch die Wolkenbank und versetzt so manchen in latente Panik, denn: Nur noch 2 ½ Stunden, dann ist Einlass. Für Weimar wurde bereits eine Unwetterwarnung mit heftigem Platzregen und Hagel herausgegeben, starkes Gewitter war für Jena angesagt. Doch die Fans atmen auf. Es nieselt kurz. Donnert zwei, drei Mal mehr oder minder überzeugt, eigentlich fast schon unbeteiligt. Dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Gut gebrüllt, Löwe. Aber wie so oft – nichts dahinter. Mehr Schall als Rauch. Und schallen sollte es ja schließlich, auf der Bühne der Kulturarena ab 20 Uhr. Man kennt sie bereits. Aber nicht so wirklich. „Just one day“ hörte man schon einmal in den Singlecharts und „Brother“ klingt einem auch herzlich vertraut, aber so richtig bekannt? Nein – Mighty Oaks waren zumindest bis gestern abend noch ein absoluter Geheimtipp. Als „Indie-Folk“ werden sie gerne bezeichnet, aber so wirklich schubladisieren möchte man sie gar nicht. Sie klingen, als würde man sie schon ein Leben lang kennen. Und irgendwie schließt man sie auch sofort ins Herz. Wenn Leadsänger Ian Hooper die Bühne betritt und verschmitzt ins Publikum lächelt, wenn der Engländer Craig Saunders die erste verhaltene Seite an seiner Bassgitarre zupft und sichtlich angespannt wartet, was jetzt wohl passieren möge, dann verschmelzen Band und Publikum schlagartig zu einer einzigen, großen, familiären Masse. Könnte man meinen. Ist auch so. Von den geschätzt etwas über 3.000 Fans wussten vermutlich nur die wenigstens, was sie heute erwarten wird. Ein bisschen Folkrock vielleicht. Ein paar irische Klänge. Ein netter Zeitvertreib unter unerwartet klarem Himmel. Ja – man genießt halt das Leben. Was dann passierte, kam für die meisten gänzlich unerwartet. Am meisten aber wohl für die Band.

Wer zu spät kommt, den...


Wenn ein Veranstalter innerhalb der letzten 24 Stunden vor Konzertbeginn noch eiligst eine „Ausverkauft“-Meldung herausgeben und sogar Fans von ausserhalb davon abraten muss, ohne Ticket anzureisen, dann hat wohl irgend jemand etwas richtig gemacht. Nun – zumindest hat niemand etwas falsch gemacht, denn der Veranstaltungsplatz war nicht nur voll, er war auch begeistert. Sämtliche Altersgruppen waren vertreten und es mutet fast ein wenig unglaublich an, wenn man seinen Blick durch die Menge streifen lässt und feststellt, wie der uns eigentlich so fremde Klang des Irish Folk bzw. Folk Rock die Masse in seinen Bann ziehen kann. Es mag sicherlich auch ein wenig an dem derzeit herrschenden Trend der Musikindustrie liegen, dass rockige irische Folklore momentan im Kommen ist, aber Mighty Oaks sind so gänzlich untypisch und dabei so herrlich authentisch, dass man einfach nicht anders kann, als mit dem Fuss im Takt zu wippen, dann zu stampfen und irgendwann vollkommen mitgerissen einfach einzutauchen. Auch mir war die Band lediglich von ihrer Singleauskopplung bekannt – ich hatte weder einen Namen noch ein Gesicht dazu im Kopf. Der Tipp kam von einem befreundeten Kollegen, Bassist der aufstrebenden Coverband „SHE“ - kurz für: „Schwanethal, Henck und Eifrig“, die Nachnamen der Kombo. Ein Tipp, für den ich ausgesprochen dankbar bin. Noch nie zuvor stand ich nach einem Konzert am Merchandising-Zelt und habe in mühevoller Sissiphusarbeit mein letztes Kleingeld zusammengekratzt, ja, fast schon geschnorrt, um mir eine Vinyl zu kaufen. Ja, richtig gehört. Eine Vinyl. CD kann ja jeder.


Macht´s noch einmal, Jungs


„Ich tippe auf drei“, war mein Kommentar, als die Lichter ausgingen und die Band von der Bühne ging. „Ne, allerhöchstens eins“, meine geschätzte Begleitung. Gemeint war die – bereits dezent angekündigte – Zugabe respektive die Anzahl der Songs. Und diese Zugabe musste einfach passieren, denn das Publikum war schlichtweg aus dem Häuschen. Ein einziges Meer aus Pfiffen, Rufen, Klatschen und Applaus von allen Rängen. Es waren drei.

„Ihr wisst schon, dass wir erst ein Album haben...!?“

Der Leadsänger sorgte damit für schallendes Gelächter – aber der Ruf nach Zugabe verschallte nicht. Und selten war eine Zugabe kräftiger als das Konzert selbst. Man hat sich übertroffen. Auch wenn es keiner für möglich gehalten hätte, denn zwischen euphorischer und andächter Stimmung waren sich eigentlich alle einig: Das war einfach geil!

Text: Christian Albrecht / Fotos: Romy Hörbe
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