Musik, die berührt - 19. Tage der jüdisch-israelischen Kultur

Gundula Mantu (li.) und Anne-Marei Holter von der Jenaer Philharmonie und Eugen Mantu vom Orchester Erfurt spielen am 8. November in der Villa Rosenthal Werke jüdischer Komponisten. Foto: Hausdörfer
JENA. „Diese Musik ist so unglaublich, dass es eine Katastrophe wäre, wenn sie nicht gespielt würde“, schwärmt Cellist Eugen Mantu von dem, was die Besucher zum zweiten Konzert der neuen Kammermusikreihe der Philharmonie in der Villa Rosenthal am 8. November um 20 Uhr erwartet.

„Erinnerung an jüdische Komponisten“ ist der Titel des Konzertes an diesem symbolträchtigen Ort, dem einstigen Wohnhaus der jüdischen Familie Rosenthal. An Eduard Rosenthal (1853-1926), Jenaer Ehrenbürger und einer der geistigen Väter der ersten Thüringer Verfassung, und seine Ehefrau Clara erinnert heute in dem öffentlich genutzten Haus eine kleine Ausstellung, die in Kürze noch erweitert werden soll. Clara Rosenthal wählte am 11. November 1941 den Freitod, um einer drohenden Deportation durch die Nazis zu entgehen.

Dieses Schicksal traf die drei Komponisten der an diesem Abend zu hörenden Werke: Gideon Klein, Hans Krása und Erwin Schulhoff. Alle drei, die in Prag studiert und gelebt hatten, überlebten die Lager der Nationalsozialisten nicht. Klein und Kràsa waren in Theresienstadt interniert und schufen dort trotz alledem noch fast fröhlich klingende Kompositionen, verbunden der tschechischen Musiktradition. Hörbar und fühlbar wird die Tragik der damaligen Situation beim „Duo für Violine und Violoncello“ von Gideon Klein, das am Ende völlig abrupt abbricht, wie sein Leben. Klein hatte das Werk in Theresienstadt acht Tage vor seinem Tod in Auschwitz vollendet.
Das Konzert in der Villa Rosenthal ist auch Bestandteil der morgen beginnenden „19. Tage der jüdisch-israelischen Kultur in Thüringen“ in acht Städten des Freistaates. Erste Veranstaltung in Jena ist die Podiumsdiskussion „Jüdisches Leben in Deutschland heute“ am 2. November um 19.30 Uhr im „Haus auf der Mauer“, u.a. mit Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland. „Klezmer meets Jazz“ heißt das Konzert mit dem Leon-Gurvitch-Projekt aus Hamburg am 4. November um 19 Uhr in der Rathausdiele. Am 7. November widmet sich um 19 Uhr in den Rosensälen Dr. Meike Lämmerhirt in ihrem Vortrag dem jüdischen Leben im mittelalterlichen Thüringen. Am 11. November wird in der Villa Rosenthal mit verschiedenen Veranstaltungen dem 70. Todestag von Clara Rosenthal gedacht.
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