Porzellanwelten auf der Leuchtenburg bei Kahla

Max Stößel überprüfte vor der Eröffnung, ob das Wandelement richtig eingebaut wurde. Umrahmt von Porzellanformen wird der Produktionsprozess erläutert. Rund 60 Firmen waren am Aufbau der neuen Dauerausstellung beteiligt, teilweise 30 parallel.
Seitenroda: Leuchtenburg |

Kaolin, Feldspat und Quarz. So leicht ist das Rezept für Porzellan dahingeschrieben. Doch der gebürtige Schleizer Johann Friedrich Böttger musste lange experimentieren, bis er das Geheimnis des weißen Goldes lüften konnte.

Wie mag es ausgesehen haben in seiner Alchimistenwerkstatt? Waagschalen, Werkzeug, Fläschchen und Dosen mit wundersamen Ingredienzien? Auf der rund 800 Jahre alten Leuchtenburg bei Kahla bekommt der Besucher einen Einblick, wie mühsam es war, das Porzellan vor rund 200 Jahren für Europa neu zu entdecken.

Streifzug in die Historie


„Unsere Burg liegt direkt an der Porzellanstraße“, erzählt Dr. Ulrike Kaiser, die Stiftungsdirektorin der Burg. „Ein perfekter Ort also, um sich mit der Geschichte des Porzellans zu befassen.“ Der Streifzug in die Historie und zurück bis ins Heute wird eindrucksvoll ins Szene gesetzt. Verschiedene Welten wurden erschaffen, um zu visualisieren, wie das erste Porzellan in China hergestellt wurde, wie es den Weg nach Europa fand und es sich hier in den letzten zwei Jahrhunderten vom Statussymbol zu einem Alltagsgegenstand wandelte. Ming-Porzellan trifft hier auf Geschirr mit dem bekannten Streublumenmuster. Kostbarkeiten aus den Wunderkammern des Adels werden ebenso präsentiert wie Nippesfiguren und zerschlagenes Porzellan. „Denn auch das Scheitern gehört zum Porzellan“, erklärt Kaiser.

170 vergoldeteTeller


Vieles in der neuen Dauerausstellung hoch über dem Saaletal erklärt sich fast von allein. „Auf ausführliche Begleittexte haben wir bewusst verzichtet“, so Kaiser. Dafür wird viel Wert gelegt auf eine eindrucksvolle Präsentation. Chinesische Schriftzeichen zieren die Wände in der Welt „Das Fremde“, die sich mit den chinesischen Wurzeln des Porzellans beschäftigt. Eine Wand aus 170 vergoldeten Tellern fasst eines der wertvollsten Exponate ein, die zwischen 1770 und 1775 in der „Aeltesten Porzellanmanufaktur Volkstedt“ (heute zu Rudolstadt gehörend) entstandene Figurengruppe „Vier Elemente“. Eine Wand aus Kaffeekannen zeigt Farb- und Formenpracht des zerbrech­lichen Materials.
Und nicht zuletzt ist die neue Ausstellung auch ein Tribut an regionale Traditionen. Denn Thüringen war reich an Manufakturen, die aus dem weißen Gold Gebrauchsgeschirr und opulente Figuren fertigten. Einige von ihnen produzieren heute noch. Auch davon kündet die sehenswerte Schau.

HINTERGRUND

Seit dem 3. April ist die neue Dauerausstellung auf der Leuchtenburg geöffnet. Zunächst sind vier Porzellanwelten zu sehen. Im nächsten Jahr kommen in einem Neubau drei weitere hinzu.
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