Putzschäden und defekte Heizung

Jena: Stadtkirche | Mit Beginn des neuen Jahres wird die Stadtkirche St. Michael geschlossen. Der Grund ist die dringende Sanierung der Innenräume. Elektroanlage, Heizung und Fußboden, die 1955 eingebaut wurden, sind verschlissen und bedürfen unbedingt einer Erneuerung.

Kirchmeister Friedrich Bürglen kennt jeden einzelnen Schaden innerhalb des Gotteshauses und berichtet, dass es in der Osternacht 2010 fast zu einem Brand gekommen wäre, da unter einigen Bänken die defekte Heizung die Holzplatten durchschmort hatte. Die Spuren kann man auch heute noch gut sehen. Die Pläne sehen auch vor, den Windfang am Gerichtsportal, der ebenfalls aus den 50er Jahren stammt, zu erneuern. Der Windfang am Brautportal soll dagegen entfernt werden, da er kaum genutzt wird. Neustrukturiert wird der Eingangsbereich, Kirchenaufsicht und Verkauf erhalten feste Plätze.

Behoben werden müssen auch die zahlreichen Putzschäden, die vor allem durch Nässe hervorgerufen wurden. Das Eindringen von Feuchtigkeit ist glücklicherweise Vergangenheit, seit das Gotteshaus ein neues Dach besitzt. Putzschäden bzw. Schäden in der dicken Kalkschlemme, die die Wände bedeckt, findet man überall im Gebäude, an den Sockeln, den Säulen und in einigen Gewölben. In der Krypta fehlt der Putz fast ganz. Deshalb sind an den fast nackten Wänden die baulichen Veränderungen aus den vergangenen Jahrhunderten gut nachvollziehbar. Möglicherweise verbergen sich hinter zugemauerten früheren Türen noch einige Geheimnisse.

Auf bisher Unbekanntes hoffen auch die Stadtarchäologen zu stoßen, die den Untergrund des Kirchinneren einer systematischen Untersuchung unterziehen wollen. In einem ersten Bauabschnitt stehen 2011 alle Arbeiten zur Erneuerung der haustechnischen Installation, von Heizung und Fußboden an. Den zeitlichen Ablauf bestimmen auch die Archäologen, die noch nicht wissen, was auf sie wartet. Doch soll im Advent 2011 die Kirche wieder zugänglich sein. Die farbliche Ausgestaltung, die sich im Wesentlichen an der Farbigkeit von 1983 orientieren wird, soll in einem anschließenden 2. Bauabschnitt erfolgen, der für 2012 geplant ist.

Die Farben des Innenraums beruhen auf einer Untersuchung, die der Restaurator Wolfgang Bruhm Anfang der 80er Jahre durchgeführt hatte. Damals wurde im Rahmen des Lutherjahres der Innenraum neu ausgemalt. 2012 werden auch Beschallung und Beleuchtung erneuert. Um alle Arbeiten finanzieren zu können - benötigt werden insgesamt 1,15 Millionen Euro - hofft der Kirchbauverein auch auf zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung. Die Außensanierung der Stadtkirche mit Turm, Dach, Fassade und Brautportal wird im neuen Jahr abgeschlossen sein und die Pracht des Bauwerks vollständig deutlich werden. Errichtet wurde die Jenaer Stadtkirche in den Jahren 1380 bis 1508 im Stil der Spätgotik. Der Turm, der eine Renaissance-Haube trägt, wurde erst 1556 vollendet. (Text und Foto: Gabi Meister-Groß)

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Weitere Informationen unter www.kirchbauverein-jena.de.
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