Sammlung Opitz-Hoffmann: Schenkung an Kunstsammlung Jena

Kurator Erik Stephan und Dorothee Opitz-Hoffmann.
   
Freude auch bei Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter.
Jena: Stadtmuseum |

Von einer Sternstunde für die Kunstsammlung Jena sprachen am vergangenen Mittwoch Kurator Erik Stephan und Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter. Die Kunstsammlung der Stadt Jena wurde reich beschenkt. In den vergangenen Monaten konnte die Schenkung einer rheinländischen Privatsammlung an die Kunstsammlung Jena verhandelt werden. Diese Sammlung mit etwas mehr als 1000 Werken wurde kürzlich hier angeliefert und befindet sich nun in der Obhut der Kunstsammlung Jena.


Zur offiziellen Übergabe und zur feierlichen Unterzeichnung des Schenkungsvertrages durch den Oberbürgermeister der Stadt Jena, Dr. Albrecht Schröter, sprach er von einem bewegenden Moment: "Das wird uns als Kunststadt weiter voran bringen". Schröter versicherte dem Sammlerehepaar Opitz-Hoffmann aus Bonn, dass die Werke in der Jenaer Kunstsammlung in guten Händen sein werden und dass es in Jena viele kunstinteressierte Menschen gibt, die diese Schenkung zu schätzen wissen. Dies sagte Schröter nicht nur als derzeitiger Oberbürgermeister, sondern auch als früherer Kulturdezernent.

Kunstsammlerin Dorothee Opitz-Hoffmann aus Bonn feierte vergangenes Jahr ihren 80. Geburtstag in ihrer Geburtsstadt Meiningen: "Das war der Anlass für mich, darüber nachzudenken, was mit unserer Grafiksammlung passieren soll." Als junge Frau lebte sie auch kurz in Jena. Sie wollte in Jena Medizin studieren. Als daraus nichts wurde, hat sie die DDR verlassen. Aber sie erinnert sich auch heute noch gern an die Zeit in Jena. So arrangierte sie ein Treffen in Jena und ließ sich von Kurator Erik Stephan die Kunstsammlung zeigen. "Das fand ich hochinteressant. Hier habe ich den Entschluss gefasst, meine Sammlung als Schenkung der Kunstsammlung Jena zu geben", erklärt sie.

Leicht sei es ihr dennoch nicht gefallen. "Ich habe ein anstrengendes Jahr hinter mir. Erst musste alles registriert und dann neu zusammengestellt werden. Dabei stößt man auf Stücke, die zwischendurch nicht mehr so präsent waren", erklärt sie. Auf die Frage eines Journalisten, ob man die Arbeiten nicht doch besser einzeln versteigern und sich von dem Geld ein schönes Leben machen könne, kann die Sammlerin nur mit einem Kopfschütteln antworten. Es handelt sich bei den Werken um eine Sammlung. Zwischen den Druckgraphiken, Zeichnungen, Fotografien und Künstlerbüchern bestehen Zusammenhänge. Genau diese möchte Dorothee Opitz-Hoffmann auch für die Zukunft bewahrt wissen. Und sie brachte zur offiziellen Übergabe der Schenkung ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass jene Zusammenhänge auch in einer Ausstellung sichtbar gemacht werden. Kurator Erik Stephan versicherte, dass eine Ausstellung geplant ist.

Die Liste der Künstlernamen der Sammlung Opitz-Hoffmann umfasst 208 Einträge und reicht von Milena Aguilar bis Heinrich Zille. Von einigen klassischen Positionen abgesehen ist es jedoch zuallererst eine Sammlung zeitgenössischer Kunst, die neben den Arbeiten von einigen weniger bekannten Künstlerinnen und Künstlern viele Werke berühmter Maler, Bildhauer oder Fotografen zählt. Zu den zuletzt Genannten zählen zweifellos Stephan Balkenhol, Georg Baselitz, Lothar Baumgarten, Joseph Beuys, Anna und Bernhard Blume, Louise Bourgeois, Marcel Broodthaers, Mark Dion, Felix Droese, Hans-Peter Feldmann, Ian Hamilton Finlay, Nan Goldin, Martin Kippenberger, Sol Le Witt, Rune Mields, Sigmar Polke, Thomas Ruff, Rosemarie Trockel und andere Künstler.

"Der Umfang und die Qualität der Sammlung machen diese Schenkung zu der mit Abstand wichtigsten Bereicherung, die die Kunst­sammlung Jena in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren hat. Neben der Botho Graef-Stiftung, mit der Ernst Ludwig Kirchner 1918 das Andenken seines väterlichen Freundes ehrte und der Kunstsammlung sein gesamtes druckgrafisches Frühwerk schenkte, ist es die bis heute umfangreichste und gewichtigste Einzelerwerbung für die Jenaer Sammlung", betonte Kurator Erik Stephan.

Die Kunstsammlung Jena zählt derzeit mehr als 4000 Titel aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie und Plastik. Obwohl neuere Medien, wie Video und Installationen, nur marginal vertreten sind, ist die Jenaer Kunstsamm­lung eine Sammlung des 20. Jahrhunderts, das heißt, eine vergleichs­weise moderne Kollektion.

Das Profil der Sammlung ist heterogen und von regionalen Besonderheiten ebenso geprägt wie von überregional bedeutsamen Werken. Die Schwerpunkte werden von der Kunst der klassischen Moderne und der Kunst der DDR besetzt. Die Werke der klassischen Moderne sind von geringer Zahl und hohem Wert, während die Kunstwerke aus der Zeit der DDR das in Zahlen größte Konvolut ausmachen. "Ein kleinerer aber wachsender Bestand zeigt den Aufbruch in die deutlich veränderte Kunstlandschaft der Gegenwart. Gerade dieses letzte Kapitel, dem wir uns – ganz im Sinne der Jenaer Sammlungstradition – in besonderer Weise verpflichtet fühlen, wird mit dieser Schenkung erheblich gestärkt", freut sich Stephan.

Bei der Sammlung Opitz-Hoffmann handelt es sich zum größten Teil um Arbeiten auf Papier, um Zeichnungen, Drucke, Fotografien und Künstlerbücher. Hinzu kommen Leinwwände, plastische Arbeiten und Multiples. Von der klassischen Zeichnung bis zur konzep­tionellen Plastik, vom aufklärerischen Manifest eines Joseph Beuys bis zur Landkarten­überarbeitung von Nanne Meyer steckt die Sammlung voller Überraschungen und liefert einen exzellenten Blick auf viele der innovativsten und beeindruckendsten Positionen der Kunst unserer Zeit.

Die Sammlung Opitz-Hoffmann wurde über Jahrzehnte mit leidenschaftlichem Engagement für Kunst und Künstler zusammengetragen und zeugt nicht nur von der Freude am Sammeln, sondern auch von der Fähigkeit des Sehens und der Lust am Entdecken. Mit vielen der Künstler – das ist deutlich nachvollziehbar – ist das Sammlerpaar seit Jahren eng verbunden, so dass die Sammler nicht nur am Werk, sondern auch am Prozess der Werkfindung teilhaben konnten.

"Der inhaltliche Schwerpunkt der Sammlung Opitz-Hoffmann liegt bei Arbeiten der deutschen und internationalen Kunst zwischen 1970 und 2000 und umfasst damit einen Bereich, der in unserer Sammlung auf Grund eingeschränkter Erwerbungsmöglichkeiten nur marginal vertreten ist. Schon allein deshalb ist die Schenkung eine Sternstunde für die Jenaer Sammlung. Darüber hinaus gibt es in der Sammlung so viele herausragende Arbeiten, Entdeckungen und auch Überraschungen, dass man diesen auch fern aller Einordnungen mit sinnlicher und geistiger Freude folgen kann", erläutert Erik Stephan.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige