Schüler an die Macht

Jens Adomat, Analytik Jena AG, Sebastian Irmer-Stooff, Zeiss-Gymnasium, Vorstandsvorsitzender Rolf-Ferdinand Schmalbrock, Abbe-Stiftung, Erik Scheller, Angergym., Darius Mannich, Christl. Gymnasium und die langjährige Jenaplanschulleiterin Gisela John.
Eine Schulstiftung schön und gut, sagt der Kollege. Aber da wären doch bitteschön auch noch Lehrer und Direktoren an den Schulen, und an denen sei ja wohl kein Vorbeikommen. Aus der Bahn wirft Laura Weber und ihre jugendlichen Kuratoriumsmitglieder dieser kleine provokante Einwurf beim Pressegespräch nicht.

Die Resonanz bei den Schulleitern sei gut. Schon beim Sänger Herbert Grönemeyer sei schließlich nachzuhören, dass die Welt in Kinderhände gehört. Und überhaupt: „Wir gehen einfach offen und vielleicht auch mal etwas blauäugig auf Dinge zu", sagt die 17-jährige von der Grete-Unrein-Schule und falls notwendig, seien ja auch noch ein paar Erwachsene da, um den jugendlichen Elan in geordnetere Bahnen zu lenken.

Doch unnötig aufs Bremspedal treten, möchte bei der neuen ECO-Schulstiftung, die unlängst im Jenaer Planetarium gegründet worden ist, im Moment ohnehin keiner: „Wir stellen mit der Stiftung den Schülern eine Plattform zur Verfügung, innerhalb derer sie selbst Projekte entwickeln und über eingehende Förderanträge von Jenaer Schulen entscheiden können", macht Stiftungsvorstand Rolf-Ferdinand Schmalbrock deutlich, dass die Stiftung vor allem auf die Eigeninitiative der Schülerinnen und Schüler setzt.

Der Geschäftführer der Ernst-Abbe-Stiftung hat die Stiftungsidee vor einiger Zeit ausgetüftelt und sieht gute Chancen, mit ihr der Lern- und Lehrkultur in der Stadt frische und gleichzeitig nachhaltige Impulse zu verleihen. So sollen etwa Projekte kreiert oder unterstützt werden, welche die Identifikation der Schulen stärken und ihr Profil nach außen schärfen, die Kooperationen zwischen ihnen anregen, den internationalen Schüleraustausch fördern oder aber auch der Integration von Schülern mit spezifischem Förderbedarf Vorschub leisten.

Erste Ideen für zwei konkrete Projekte sind bereits „in der Pipeline": So ist an einen Schulwettbewerb gedacht, in dem die besten und kreativsten Konzepte zur Präsentation der eigenen Schule gefragt sind. „Weiterdenken" möchte man überdies die Überlegung, eine „Lange Nacht der Wissenschaften" auf die Beine zu stellen. Im Wechsel mit einer bereits bestehenden Veranstaltung dieser Art, welche die Jenaer Hochschulen und Forschungseinrichtungen alle zwei Jahre gestalten, könnte auf diese Weise ein breites Publikum zu den jungen Tüftlern in Jenas Schulen strömen.

Damit das Konzept von der Stiftung „von Schülern für Schüler" funktioniert, hat sich die ECO-Stiftung eine moderne Struktur und einen traditionsbewussten wie jugendgemäßen Namen verpasst. „ECO" bedient sich mit Respekt aber ohne übertriebene Ehrfurcht der Vornamen des großen Dreigestirns der Jenaer Industriegeschichte in persona von Ernst Abbe, Carl Zeiss und Otto Schott. In Kuratorium und Vorstand teilen sich Schüler aus den zwölf Jenaer weiterführenden Schulen und erwachsene Nichtschüler vorzugsweise aus Jenas Wirtschaft, Wissenschaft und Bürgerschaft paritätisch die Plätze, wobei Anger-Gymnasiast und Vorstandsmitglied Erik Scheller - mit 14 Jahren der Jüngste - und der fast 70-jährige Frankfurter Finanzprofi und Stifter Günter Weispfenning im Kuratorium beispielhaft die gewollt experimentelle Mischung aus jugendlichem Sturm und Drang und Erfahrung repräsentieren, aus der eine fruchtbringende Stiftungsarbeit entspringen soll.

Dass den Gremien neben den Schülern statt aktiver Lehrer Vertreter von Firmen wie Schott oder der Analytik Jena AG, der Uni-Rektor, ein Werbefachmann oder auch Apotheker Rainer Heide als Kuratoriumsvorsitzender angehören, ist zudem Fingerzeig darauf, dass die Stiftung Schule und Bildung nicht allein als Aufgabe von Pädagogen begreift, sondern sie in den Fokus eines breiten bürgerschaftlichen Engagements rücken möchte. Erhoffter positiver Nebeneffekt daraus wäre auch, wenn sich das zunehmende Interesse an der Schulstiftung in weiteren Zustiftungen materialisiert.

Mit der Ernst-Abbe-Siedlung GmbH und der Carl-Zeiss- Siedlung GmbH haben aus Anlass ihres 75-jährigen Bestehens zwei Unternehmen im Firmenverbund der Ernst- Abbe-Stiftung 150.000 Euro als „Geburtstagsgeschenk" eingebracht, womit sich das Gründungskapital dank weiterer Zustifter derzeit auf 225 000 Euro beläuft. Finanzielle Mitverantwortung übernehmen werden die Schüler in den ECO-Stiftungsgremien schon ab nächstem Jahr. Denn neben dem Geld auf der „hohen Kante", stehen schon jetzt für Projekte bis zu 20.000 Euro jährlich zur Verfügung. (Text und Foto: Andreas Klossek)

15.12.2010
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