Spielprinzip Kinderzimmer

Jena: Schillergasse | Mindestens zweilagig müsse das Toilettenpapier sein. Damit umschreibt Franziska Keune keine privaten Vorlieben für gewisse Bedürfnisse, sondern rein pragmatische Vorgaben. Denn das Papier bestimmt in weiten Teilen ein Bühnenbild, das sie für die aktuelle Märcheninszenierung des Jenaer Theaterhauses entwickelt hat.

„Der kleine Wassermann“, entstanden nach dem Kinderbuchklassiker von Ottfried Preußler, hat so manches Abenteuer im und am Mühlenweiher zu bestehen. Auf dessen Grund lebt er gemeinsam mit seinen Eltern. Die Kinder im Publikum können beobachten, wie der kleine Wassermann allmählich größer wird und seine Umwelt jeden Tag ein Stück besser kennen lernt. So wie sie selbst.

Auch das Bühnenbild orientiert sich an der kindlichen Fantasie. Da bekommen Gießkannen Augen angemalt und werden zu Geburtstagsgästen. In Luftballons herumspringende Wischmopp-Schnipsel werden als Wasserflöhe serviert. Wassermanns Papa trägt einen grünen Bart, der in Drogerien als Putzschwamm verkauft wird. Und von der Bühnendecke hängen Toilettenpapier-Rollen herab und können wahlweise als Wasserstrom, Algen oder Schilf gedeutet werden. Später wird das Papier gar – zusammengeknüllt – zum Holz fürs Lagerfeuer. Damit es lange hält, ist eine gewisse Qualität vonnöten. „Wir haben es auch mit ganz dünnem Papier probiert. Doch das funktionierte nicht.“ Trotz Zweilagigkeit ist der Verbrauch nicht gering. Rund 50 Rollen werden pro Vorstellung auf unkonventionelle Weise verbraucht.

Mit einfachen Mittel hat Franziska Keune auf diese Weise eine beeindruckende Unterwasserwelt gezaubert. Sie ist nicht besonders aufwändig und entsteht in Gänze erst in den Köpfen der Zuschauer. Doch das junge Publikum hat keine Probleme, die Alltagsgegenstände ihrer Funktion auf der Bühne zuzuordnen. Denn genau so spielen sie auch zu Hause im eigenen Kinderzimmer.

„Ich will nicht vorgeben, sondern lade die Zuschauer ein, mitzudenken“, umschreibt Franziska Keune ihre Herangehensweise. Keine prächtige Ausstattung ist ihr Ziel, sondern ein Spiel mit der Fantasie des Publikums.
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