Spielzeitmotto "Mythen und Legenden" - Jenaer Philharmonie hat neuen GMD

Der neue Generalmusikdirektor Marc Tardue (li.), Philharmonie-Intendant Bruno Scharnberg. Foto: Glasser (Foto: Barbara Glasser)
JENA. Nach zwei Jahren ganz ohne Generalmusikdirektor (GMD) hat die Philharmonie mit dem US-Amerikaner Marc Tardue wieder einen neuen musikalischen Kopf und das Programm für die kommende Spielzeit 2012/2013 ist erschienen. Der AA sprach zu beiden Themen mit Philharmonie-Intendant Bruno Scharnberg.

AA: Wie hat die Philharmonie die zwei GMD-losen Spielzeiten überstanden?

Scharnberg: Eigentlich recht gut. In diesem Zeitraum haben sich ja die Bewerber vorgestellt. Diese lange Zeit hat es auch gebraucht, denn von den 170 Bewerbern kamen 24 in die engere Wahl und es war der Wunsch des Orchesters, dass jeder mindestens ein Konzert in Jena dirigiert. Dadurch konnten wir schließlich viele sehr gute Dirigenten verschiedener Generationen in unserem Haus begrüßen.

AA: Wer hat letztlich die Entscheidung getroffen?

Scharnberg: Die Musiker haben ein Punktesystem entwickelt und so ihre fünf Favoriten bestimmt. Bei einer Schlussabstimmung nach langer Diskussion sprach sich das Orchester schließlich für Marc Tardue aus. Dieser Vorschlag ging an die Findungskommission, die sich diesem Votum anschloss, zumal OB Schröter von Anfang an sagte, dass nach Möglichkeit das Orchester darüber entscheiden soll, mit wem es die nächsten Jahre zusammenarbeitet.

AA: Was sind die Stärken von Marc Tardue?

Scharnberg: Ich denke, er hat eine ganz besondere Art, das Orchester zu motivieren und einen Klang zu prägen, der etwas Verzauberndes hat. Unsere Musiker wollen gefordert werden, sich weiter entwickeln. Dass das mit ihm möglich ist, haben sie wohl in der guten Woche, die er hier war, gespürt. Die menschliche Komponente, dass man gut miteinander kann, dürfte auch eine starke Rolle gespielt haben.

AA: Was bietet die neue Spielzeit dem Publikum?

Scharnberg: Das Motto heißt „Mythen und Legenden“. Das ist dadurch entstanden, dass ich geschaut habe, welche Jubiläen fallen in die Spielzeit und da ist natürlich der 200. Geburtstag von Richard Wagner herausragend. Bei Wagner ist man generell sehr schnell bei seinem Opernwerk und den Mythen und Legenden. „Tristan und Isolde“ oder „Parsifal“ konzertant - ohne szenisches Beiwerk - zu spielen, würde ich mich allerdings nicht trauen. Deshalb konzentrieren wir uns bei Wagner auf die Ouvertüren und auf Stücke, die man herauslösen kann. Wenn man genau hinschaut, dann haben sich fast alle großen Komponisten irgendwann mit mythologischen Themen befasst. Wenn man den Legenden-Begriff etwas herunter bricht, etwas moderner sieht, dann ergibt sich doch ein enormes Spektrum zu diesem Thema und der Kombinationsmöglichkeiten. Ein Beispiel ist „Der Mythos Gral“ am 20. März. Das Vorspiel zum 1. Aufzug des „Lohengrin“ zu Beginn des Konzertes ist ja eine vorweggenommene Gralsmusik, die dann am Schluss mit dem Vorspiel und dem „Karfreitagszauber“ aus „Parsifal“ ganz stark ausgeweitet wird. Dazwischen erklingen ein Orgelkonzert von Charles-Marie Widor, einem Liszt-Anhänger, das auch eine Vergeistigung vorwegnimmt und die „Gralbilder“ von Peter Michael Hamel, einem zeitgenössischen Komponisten.
Das Auftaktkonzert am 12. September, mit dem Marc Tardue seinen Einstand als Generalmusikdirektor gibt, ist dem legendären Dreigestirn der sogenannten „Wiener Klassik“ - Mozart, Haydn und Beethoven - gewidmet.

AA: Wie lange bleibt Bruno Scharnberg der Philharmonie noch erhalten?

Scharnberg: Mein Vertrag wurde von der Stadt bis Ende August 2015 verlängert. Dann habe ich die Altersgrenze erreicht und höre nach zwölf Jahren auf. Ich denke, das ist ein guter Zeitpunkt, den Apparat in jüngere Hände zu geben.



Infos:
Den kompletten Spielplan finden Sie Programmheft, erhältlich in der Tourist-Info sowie im Internet unter www.jenaer-philharmonie.de.
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