Spießige Groteske. Ausstellung „Zwischen Traum und Realität“ mit Künstlern der Neuen Sachlichkeit der Kunstsammlung Jena

Die Kunstsammlung Jena zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung Arbeiten von Künstlern der Neuen Sachlichkeit unter dem Titel „Zwischen Traum und Realität“.
 
Vernissage im Rathaussaal
Jena: Kunstsammlung Jena | Unter dem Titel „Zwischen Traum und Realität“ zeigt die Kunstsammlung Jena im Stadtmuseum in ihrer aktuellen Ausstellung Arbeiten von Künstlern der Neuen Sachlichkeit. „Für einen gewissen Schauwert“, so Kurator Erik Stephan, „haben wir Werke von bekannten Künstlern in die Ausstellung geholt“. Als Beispiel führt er das „Bildnis Frau Martha Dix“ von Otto Dix an.

„Neben den berühmten und bekannten Künstlern haben wir den Fokus auf Künstler gelegt, die im mitteldeutschen Raum gearbeitet haben. Viele von ihnen sind nicht so bekannt, aber gleichwohl hervorragende Künstler“, so der Kurator. Als Beispiel hierfür verweist er gleich eingangs der Ausstellung auf „Sonntagnachmittag“ – ein Ölgemälde von Fred Goldberg. Über sein Leben und Werk sei nur wenig bekannt. „Mit diesem Gemälde malt sich der Künstler 1930 in den Kreis jener neusachlichen Künstler, die den politischen Zuständen der Weimarer Republik misstrauen. Der Hass auf die Herrschenden stempelt diese als Proleten, deren intimes Glück als spießige Groteske auffliegt. Das Gemälde hat Witz, ist hervorragend gemalt und beschreibt einen Zustand, der auch heute leicht nachvollziehbar ist“, so Erik Stephan.

Angelehnt ist die Ausstellung, die 150 Arbeiten von 50 Künstlern zeigt, an die bereits 1926 in Jena zu sehende Ausstellung „Künstler der Neuen Sachlichkeit“. „Dass es damals überhaupt gelang, eine der bedeutendsten Ausstellungen der Weimarer Republik in Jena zeigen zu können, belegt einmal mehr den großen kunsthistorischen Weitblick des früheren Jenaer Kunstvereins und seiner Leitung, die zu dieser Zeit von Walter Dexel getragen wurde“, erklärt Erik Stephan.

Die Neue Sachlichkeit ist eine Kunstrichtung, die alle Bereiche der Kunst erfasste und in der Regel mit der Zeit der Weimarer Republik verknüpft wird. Es waren vor allem die Verheerun¬gen und die politischen und sozialen Erschütterungen, die der Erste Weltkrieg in allen Berei¬chen angerichtet hatte, die viele Künstler zu einer neuen Sicht auf die Zeit führte. Viele der Künstler fanden zu einer sozialkritischen Betrachtung und solidarisierten sich mit linken Zielen. Die Darstellungen wurden oft bis ins Groteske übersteigert und in altmeisterlicher Genauigkeit ausgeführt. Die Bilder waren provokant und zeugen von einer geistigen Verfasstheit, die, mit dem Rücken zur Wand, aggressiv nach vorn zielten.

Zur Ausstellung, zu sehen bis 23. November, ist ein Katalog erschienen. Begleitet wird sie von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Ein virtueller Rundgang durch die Ausstellung ist auf unserem Mitmachportal www.meinanzeiger zu finden. Das oben beschriebene Werk „Sonntagnachmittag“ wurde hochaufgelöst fotografiert, so dass Interessenten jeden Pinselstrich von Fred Goldberg detailliert nachvollziehen können.

Hoch aufgelöst kann Fred Goldbergs Werk "Sonntagnachmittag" hier betrachtet werden.

Veranstaltungen:

- 29. Oktober, 20 Uhr, Kunststück am Donnerstag „Die politische Karikatur in bildender Kunst und Literatur“
- 6. November, 20 Uhr, Kunststück am Donnerstag „Die ungeschminkte Wirklichkeit - Das Porträt in der neuen Sachlichkeit“
- 20. November, 20 Uhr, Kunstlesung „Eine literarische Reise durch die 20er Jahre“ mit Texten von Kurt Tucholski, Berthold Brecht, George Grosz, Otto Dix und vielen anderen
- Kaffee und Kunstgenuss in der Kunstsammlung, jeden Mittwoch 15 Uhr
- öffentliche Führung, jeden Sonntag 15 Uhr
- Kunst in der Mittagspause, jeden Dienstag 12.30 Uhr, 15-minütige Kunsthäppchen in der Ausstellung Neue Sachlichkeit.
- Zudem werden unter dem Titel „Das Farbmonster und das geheime Zimmer“ für Kindergartenkinder und unter dem Titel „Punkt, Punkt, Komma, Strich – Porträtmalerei“ für Grundschüler Veranstaltungen mit Kreativteil angeboten. Weitere Themenkomplexe für Schüler sind die Literaturführung "Emil und die Detektive" und für Jugendliche „Kunst als Spiegel der Gesellschaft. Die goldenen 20er“.
- Familiensonntage stehen unter dem Titel „Kunst in der Kiste“ und werden am 26. Oktober und 9. November, jeweils ab 11 Uhr angeboten

Kunstsammlung Jena
Markt 7, 07743 Jena
Telefon 03641/498261
www.kunstsammlung.jena.de
kunst@jena.de
Öffnungszeiten
Dienstag, Mittwoch, Freitag 10 – 17 Uhr
Donnerstag 15 – 22 Uhr
Samstag, Sonntag 11 – 18 Uhr
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