Unsterblicher Struwwelpeter

Wann? 26.12.2010 bis 05.03.2011

Wo? Literaturmuseum, Unterm Markt 12, 07743 Jena DE
Luise Brosig, Anna Scharr, Leonie Freyberg, Paula Daffner, Sophie-Luise Ullrich und Amadeus Böttcher (v.r.) hatten selbst mächtig Spaß an der kammermusikalischen Version.
Jena: Literaturmuseum | Wer kennt sie nicht, den ungehorsamen Daumen- Lutscher, den Suppen-Kasper oder den schaukelnden Zappel-Philipp? Wie "Der Struwwelpeter" als Produkt eines Laienpoeten den Siegeszug antritt, von dem andere, auch ernsthaftere Autoren nur träumen können, davon erzählt anschaulich eine Sonderschau im Literaturmuseum Romantikerhaus.

Schon längst verstaubte Kindheitserinnerungen so mancher Bilder und Texte werden hier wieder zum Leben erweckt. In 40 Sprachen übersetzt, erschien "Der Struwwelpeter" in 5.000 Auflagen. Es gab auch immer wieder kritische Stimmen. Galten die Hoffmannschen Zeichnungen in ihrer Entstehungszeit 1844 als schlechte Vorbilder, die Kinder erst auf dumme Gedanken bringen. Im modernen Erziehungsverständnis sind es die rigorosen Strafen, die auf Unverständnis stoßen. Dabei sollte nie aus den Augen gelassen werden, dass der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffman auf literarischer Ebene immer ein Satiriker war. So ist auch dem "Struwwelpeter" ein ironischer Subtext unterlegt. Ein Fakt der sich teilweise erst im historischen Zusammenhang erschließen lässt. Aus diesem Grund bietet die Ausstellung einen erweiterten Deutungskontext, so dass dem Besucher die Gelegenheit gegeben wird, die unterschiedlichen Facetten dieses literarischen Werkes näher kennen zu lernen.

Durch Leihgaben aus der Privatsammlung von Udo Frank Kürschner kann die einzigartige Rezeptionsgeschichte des "Struwwelpeter" in beeindruckender Breite dargelegt werden. In Zusammenarbeit mit dem Struwwelpeter Museum Frankfurt am Main wurde die Möglichkeit geschaffen, dem "Struwwelpeter" spielerisch zu begegnen. Geöffnet hat das Romantikerhaus am 26. sowie vom 28. bis 30. Dezember. Ein familiärer Museumsbesuch ist gerade in diesen Tagen empfehlenswert, auch wenn die Ausstellung noch bis 5. März zu sehen sein wird.

2011 lockt das Literaturmuseum mit drei Sonderausstellungen. Mit viel Witz und ironischem Augenzwinkern nimmt im Frühjahr Rudi Hurzlmeier Anleihen bei Großen in der Kunst, so auch bei den Romantikern. Ab Juni will eine Schau zu Jenaer Dichterhäusern aus fünf Jahrhunderten ein Stück Stadtgeschichte vermitteln, bevor zum Jahresende romantische Märchen wie "Der gestiefelte Kater" und ihrer Herkunft bildlich in Szene gesetzt werden. (Text und Foto: Hans-Werner Kreidner)

22.12.2010
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige