Violinkonzert in Kahla verzauberte die Zuhörer

Florian Sonnleitner zeigt den Zuhörern das Faksimile von Bachs Notenhandschrift der Solo-Violinsonate. Gespielt hatte er sie aber auswendig. (Foto: R. Franke-Polz)
Kahla: Stadtkirche St. Margarethen |

Den Ersten Konzertmeister des Bayerischen Rundfunk-Symphonieorchesters Florian Sonnleitner machte bei einem Konzert im letzten Jahr in Greiz der dortige (und 2009 - 2010 Kahlaer) Kantor Ralf Stiller auf das große Projekt Johann-Walter-Orgel in Kahla aufmerksam (www.jwok.de). Nun gab der hochkarätige Violinist am „Tag des offenen Denkmals“, zugleich „Deutscher Orgeltag“, in der Stadtkirche in Kahla ein von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz organisiertes Benefizkonzert für das Orgelbau-Vorhaben.

Ein ganzes Konzert für Solo-Geige – manch einer der zahlreichen Besucher mag unsicher gewesen sein, was ihn da erwartete. Doch zog Sonnleitner mit seinem Spiel auf einer italienischen Violine aus dem Jahre 1758, die er dem historischen Klangbild entsprechend tiefer auf 415 Hertz gestimmt hatte, die Zuhörer vom ersten bis zum letzten Ton in den Bann. Dabei erwies sich die Stadtkirche St. Margarethen mit ihrer relativ trockenen Akustik als überaus geeigneter Konzertraum: Ausdrucksvoll klangen die auf der Geige ja nur nacheinander spielbaren Töne der Akkorde zusammen, ohne dass die Durchsichtigkeit der Musik akustisch verschwamm. Der weiche Klang der historischen Violine füllte sowohl kraftvoll als auch wunderbar bis ins feinste Pianissimo verklingend den Kirchenraum.

Sonnleitner war dabei die Freude am Spielen in diesem Raum deutlich anzumerken. Das eineinhalbstündige Programm barocker Meisterwerke, das er mit erläuternden Worten umrahmte, begann er mit der zauberhaften Passacaglia von Heinrich Ignaz Franz Biber. Hier werden in vielfältiger Weise die sich dauernd wiederholenden vier Töne umspielt, die das Grundgerüst des Werkes bilden und ihm einen ungemein meditativen Charakter verleihen, der das Publikum sofort erfasste. Über drei Fantasien von Georg Philipp Telemann und eine Suite Johann Paul Westhoffs führte der Bogen bis zur 3. Violin-Solosonate von Johann Sebastian Bach. In einer wahrhaft gigantischen, über 300 Takte langen Fuge verwendet Bach hier den Pfingstchoral „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“ als Fugenthema, das er in kunstvollster Weise meist vierstimmig ausführt. Mit einer Zugabe, einem von Bachs Solosonate beeinflussten Violinwerk von Paul Hindemith, belohnte der Künstler den großen Beifall, mit dem sich das Publikum für das fesselnde Konzert bedankte.
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