Wenn die Luft stickig wird: "Der Lorax" - neu im Kino

Quietschbunt und anscheinend glücklich ist die Welt in dem gerade im Kino angelaufenen Kinderfilm "Der Lorax". Die Bewohner besingen ihre kleine Stadt, in der man gleichzeitig Skifahren und Baden kann. Der technische Standard ist hoch, die Straßen sind gut ausgebaut und die künstlichen Bäume vor den Häusern können die Jahreszeiten imitieren. Auf Wunsch sorgen sie per Fernbedienung für einen angenehmen Discosound inklusive Beleuchtung. Die Atemluft wird ganz selbstverständlich in großen Flaschen angeliefert und an die häuslichen Spendersysteme angeschlossen. Der reichste Mann der Stadt hat sein Vermögen mit Luft verdient.

Das Geschäftsmodell gerät in Gefahr, weil der Junge Ted in die hübsche Audrey verliebt ist und die hat, woher auch immer, schon einmal etwas von echten Bäumen gehört. Sie malt sie sogar auf Hauswände, was sofort unterbunden wird. Um Audreys Wunsch nach einem natürlichen Baum zu erfüllen, begibt sich Ted begibt die Suche nach dem Once-ler, von dem es heißt, er wüsste etwas über den Verbleib der Bäume.

Der Once-ler lebt alleine außerhalb der Stadt. Die Landschaft ist hier grau und kahl, der Himmel nicht zu sehen, und es stinkt. Einst Geschäftsmann, hatte der Once-ler sein Geld mit den Baumkronen, die wie flauschige Puschel aussehen, verdient. Als er den ersten Baum fällte, wurde er gewarnt vom Lorax, einem mystischen Wesen, das sich für die Bäume einsetzt, aber dann nur hilflos bei der Zerstörung zuschauen konnte.

Actionreich sind die Versuche, die der Lorax unternimmt, um den Once-ler zu vertreiben. Es entwickelt sich eine Sympathie zwischen beiden und die scheint zunächst, die sich anbahnende Katastrophe aufzuhalten. Doch der Once-ler gerät in Konflikt mit seiner Familie, die an der neuen Geschäftsidee mitverdienen will.
Das ist ein starker und sehr wahrhaftiger Moment im Film: Der Once-ler verrät den Lorax und lässt die Bäume fällen. Sein Hauptmotiv ist aber nicht das Geld oder der Geschäftserfolg an sich, sondern die Angst, vor seiner Familie als der Versager dazustehen, für den sie ihn immer gehalten hat.

Ted interessiert sich eigentlich nicht besonders für Bäume. Er handelt aus Liebe. Das erkennt der Once-ler und setzt auf diese Kraft. Aber es bleibt doch die Frage, ob die Liebe auch ein Motiv für Zerstörung sein kann, so wie die Angst vorm Versagen beim Once-ler?

Nach einer actionreichen Verfolgungsjagd ist es Teds Aufgabe, den letzten verbliebenen Baumsamen, den der Once-ler all die Jahre aufbewahrt hatte, in der Stadt einzupflanzen. Bis zuletzt versucht der Luftverkäufer die Massen auf seine Seiten zu bringen und an dieser Stelle hätte der Film, wie in der wirklichen Welt zu beobachten, auch anders ausgehen können: Ist Wasser nun ein frei verfügbares Gut, dass jedem mehr oder weniger kostenlos oder für einen bezahlbaren Preis zur Verfügung stehen kann und muss? Oder haben wir keine Wahl und müssen in Zukunft, wie heute schon in vielen Ländern üblich, das Wasser aus diesen großen Plastikballons beziehen, die übrigens sehr große Ähnlichkeit mit den Luftflaschen im Film haben?

"Der Lorax" ist ein unterhaltsamer Film der zum Nachdenken anregt - sowohl für Kinder als auch für Eltern zu empfehlen.
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7 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 31.07.2012 | 13:41  
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Antje Hellmann aus Jena | 31.07.2012 | 14:13  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 31.07.2012 | 19:25  
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Antje Hellmann aus Jena | 31.07.2012 | 21:47  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 31.07.2012 | 21:50  
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Hannelore Grünler aus Artern | 01.08.2012 | 11:06  
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Karin Jordanland aus Artern | 01.08.2012 | 14:25  
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