Zorniger Engel macht sein Ding

Regisseur Moritz Schönecker (li.) und Dramaturg Jonas Zipf (re.) sind gespannt, wie sich das neue, experimentelle Format „Bezahlt wird nicht!“ in den nächsten Monaten entwickelt. Das etwas seltsam aussehende Gebilde im Hintergrund, genannt „Raute“, ist als Residenz für die sogenannten „Künstler am Hof“ gedacht, die künftig in wechselnder Besetzung das kulturelle Leben in und am Theaterhaus bereichern sollen. Der erste dieser Gattung, Emanuel Svedin aus Norwegen, hat das Domizil allerdings verschmäht.
JENA. „Zorniger Engel“ nennt sich das Rahmenprogramm der Saison 2011/12 am Theaterhaus Jena. Der Zorn spielt durchaus eine Rolle beim neuesten Projekt des „Engels“, obwohl es eigentlich um eine Komödie geht. Der Dario-Fo-Klassiker „Bezahlt wird nicht!“ bildet die Grundlage für ein Experiment, das es so am Theaterhaus bislang noch nicht gab: Ein Stück als offene Endlos-Probe, als Theater-Jam-Session mit Open-Stage-Charakter – im Theaterhaus, an öffentlichen Plätzen in der Stadt oder im privaten Wohnzimmer…
Alles ist offen bei diesem neuen Format. Selbst so grundlegende Funktionszuordnungen wie Regisseur, Schauspieler oder Zuschauer. Jeder kann mitmachen, die eigentlichen Schauspieler des Theaterensembles, die Techniker oder überhaupt jeder aus der Stadt, der Lust dazu hat.
„Wir wollen ausprobieren, wie viel Anarchie im Theater geht?“, sagt Moritz Schönecker, Regisseur am Theaterhaus. „Zuerst werden wir ein Konzept entwickeln müssen, die Entscheidungsfindung wird dabei sicher eine ganz schwierige und spannende Angelegenheit“.

Das Originalstück spielt im Italien der 70er Jahre: Horrende Mietpreise, unbezahlbares Essen – irgendwann hat die Spekulation ein Ende und die Frauen beginnen im Supermarkt nicht mehr den vollen Preis zu bezahlen, sondern nur noch, was die Ware ihrer Meinung nach wert ist, Oder sie laden sich die Taschen einfach voll oder gehen als „Schwangere“ getarnt nach Hause. Die Klipp-Klapp-Komödie von Dario Fo aus dem Jahr 1974 hat einen hohen politischen Anspruch, mit überraschend deutlichen Bezügen zur Gegenwart.

„Wir haben ein einfaches Stück mit klaren Strukturen ausgesucht, so lässt sich am leichtesten so ein Prozess, wir uns ihn vorstellen, in Gang setzen“, meint Dramaturg Jonas Zipf und betont gleichzeitig, keine Vorstellung zu haben, wie das Ganze wohl ausgeht.

Vor, um 19.30 Uhr, und nach den beiden nächsten „Faust“-Vorstellungen am 22. und 23. Februar wird es Stückeinführungen und Publikumsgespräche zum Projekt geben. Der Text des Stückes kann von allen Interessierten über dramaturgie@theaterhaus-jena.de angefordert werden. Richtig ernst wird es dann am 31. März, wenn sich alle potenziellen Theatermacher um 20 Uhr im Theaterhaus treffen. Gemäß dem Motto „Bezahlt wird nicht!“ ist der Eintritt natürlich frei.
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